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Nanga Parbat

Nanga Parbat

BERGDRAMA: D, 2009
Regie: Joseph Vilsmaier
Darsteller: Florian Stetter, Andreas Tobias, Karl Markovics

STORY:

Zwei Brüder. Ein Berg. Ihr Schicksal. Reinhold Messner (Florian Stetter) und sein jüngerer Bruder Günther (Andreas Tobias) setzen sich als Kinder das Ziel, irgendwann den Nanga Parbat, den über 8.000 Meter hohen "nackten Berg" im Himalaya, zu besteigen. Im Jahre 1970 ist es für die damals 25 und 23 Jahre alten Südtiroler dann soweit. Unter der Führung des Expeditionsleiters Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) will eine Elite internationaler Bergsteiger den Gipfel erobern. Die Route führt über die legendäre Rupalwand, die höchste Steilwand der Welt. Nach einer Schlechtwettermeldung entscheidet sich Reinhold, den letzten Abschnitt zum Gipfel alleine zu erreichen. Die anderen sollen den Rückweg sichern. Doch der ungestüme Günther, der weniger Kraft und Erfahrung besitzt, folgt eigensinnig seinem älteren Bruder. Gemeinsam schaffen sie es auf den Gipfel, doch der nun ungesicherte Abstieg wird das eigentliche Problem. Reicht die Kraft des großen Bruders auch noch für den kleineren, schwächeren Günther aus?

KRITIK:

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und die meisten Leute wissen wie es ausgegangen ist. Zumindest kennt man keinen großen Günther Messner, aber einen Reinhold Messner (der während des gesamten Projekts als Berater fungierte) sehr wohl.

Weil dies auch dem Regisseur Joseph Vilsmaier (Rama Dama, Stalingrad, Comedian Harmonists) bewusst ist, packt er die Bergziege gleich zu Beginn des Films bei den Hörnern und zeigt einen Vortrag Herrligkoffers, nach seiner Rückkehr nach München, über die erfolgreiche Erstbesteigung des Nanga Parbat. Als man auf den verunglückten Günther Messner zu sprechen kommt, humpelt Reinhold in den Bierkeller und übernimmt das Wort. Von nun an dient sein Erfahrungsbericht, im Münchner Salvatorkeller vorgetragen, als roter Faden, der die Zeit- und Ortsprünge zusammenhält.

Der gebürtige Münchner Vilsmaier begibt sich bei diesem Projekt nicht zum ersten Mal mit der Filmkamera auf einen Berg. Bereits bei Schlafes Bruder und Der Bergkristall spielten seine Filme im menschenfeindlichen Hochgebirge, in dem ganz eigene Regeln herrschen.

Die Bergwelt Südtirols und das einschüchternde Panorama des Himalaya fängt (der ausgebildete und immer noch praktizierende Kameramann) Vilsmaier in all seiner Pracht und Dominanz ein, was bei dieser monumentalen Kulisse und mit einem Budget von 7 Millionen Euro aber auch keine nennenswerte Meisterleistung darstellt.

Die handwerkliche Ebene des Films ist sicherlich auch seine stärkste. Routiniert wird durch die Story geführt, werden Spannung und Emotionen aufgebaut, aber diese Routine vermittelt oft den Eindruck von Einfallslosigkeit und fehlender Kreativität. Zu viele Bergfilme gleicher Art hat man schon gesehen, zu viele Situationen sind vorhersehbar und zu oft schaffen die Hauptdarsteller es leider nicht einen in ihren Bann zu ziehen.

Ein besonderes Beispiel dafür ist die fad inszenierte und lasch gespielte Szene im Salvatorkeller, als Reinhold sich von Schuldzuweisungen frei und für das Ansehen seines verunglückten Bruder sprechen will. Diese Szene taucht Stück für Stück immer wieder während des Filmes auf und das ist keinesfalls von Vorteil, denn die schwache Szene nimmt immer wieder Spannung heraus und lässt den Film absacken. So wie Günther den bergsteigerischen Anforderungen nicht gewachsen ist, so ist sein Darsteller Andreas Tobias es nicht den schauspielerischen.

Das Gegenteil gelingt hingegen Karl Markovics (Komm süßer Tod, Die Fälscher), dessen lange Vorbereitung und seine Auseinandersetzung mit dem echten Herrligkoffer stets zu spüren ist und von einer authentischen Darstellung gekrönt wird.

Wenig Vorbereitung und Augenmerk gab es wohl für die Sprachdialekte. In den 50er und 60er Jahren in Vilnösstal, dem tiefsten Südtirol, aufgewachsen, parlieren die Messner Brüder den ganzen Film hindurch in nahezu feinstem Hochdeutsch. Dies könnte nun sicher dem Punkt geschuldet sein, dass auch außerhalb des Dolomitenpanoramas der Film noch verstanden werden sollte. Aber das Hochdeutsch (das auch vom ansässigen Pfarrer, nicht aber von den Eltern gesprochen wird, diese reden eher bayrisch), wird immer wieder durch einzelne alibihafte Dialektfetzen durchbrochen, die jegliche Glaubhaftigkeit zu Nichte machen und einen ständig aus der dargestellten Welt herausreißen.

Warum sich hier nicht für Dialekt und Untertitel, leichter Dialekt oder gar kein Dialekt entschieden wurde kann ich mir nicht erklären und ich halte dies auch für die größte Schwachstelle des Films.

Die Filmmusik wurde von Gustavo Santaolalla komponiert, ein etablierter Filmmusiker in Hollywood, der von seiner Arbeit für Brokeback Mountain sowie Babel jeweils einen Oskar in seinem Büro stehen hat. Allerdings muss man auf diese Besonderheit speziell aufmerksam gemacht werden, denn der Soundtrack selbst lässt dies nicht erahnen.

Nanga Parbat Bild 1
Nanga Parbat Bild 2
Nanga Parbat Bild 3
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Nanga Parbat Bild 6
FAZIT:

Neugeschichtliches Bergdrama um den Tod von Reinhold Messners Bruder Günther am Achttausender Nanga Parbat im Himalaya. Massive Gebirgsaufnahmen, wie sie es seit Erfindung der Helicam in jedem Bergfilm zu sehen gibt, treffen auf uninnovativ erzähltes BioPic-Geschwisterdrama.

WERTUNG: 4 von 10 Yetis
Gastreview von MaxMax
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Dein Kommentar >>
matzedelic | 22.01.2010 23:18
Der Typ auf dem zweiten Foto schaut aus wie Ricardo Villalobos. Ist er aber nicht,oder etwa doch? Ich werd wohl jetzt schon senil.
Tolle Kritik übrigens, stimme voll und ganz zu!
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