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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Night of the Demon

Night of the Demon

HORROR: GB, 1957
Regie: Jacques Tourneur
Darsteller: Dana Andrews, Peggy Cummins, Niall MacGinnis, Maurice Denham

STORY:

Offiziell ist Professor Harrington an einem Stromschlag gestorben; inoffiziell an einem Fluch, den der Satanist Karswell über ihn ausgesprochen hat. Der zynische, rationale Psychologe Holden, der an die Wissenschaft und nicht an Hexerei glaubt und schon einige Scharlatane entlarvt hat, wird nach England geschickt, um Licht ins Dunkel des mysteriösen Ablebens des Kollegen zu bringen. Nicht lange und prompt hängt auch über Holden ein tödlicher Fluch, der sich in drei Tagen erfüllen soll. Anfangs belächelt Holden die Gefahr noch, doch als sich um ihn herum die unheimlichen Geschehnisse mehren, vergeht selbst einem überzeugten Skeptiker wie ihm das Lachen ...

KRITIK:

Denkt ihr nicht auch, dass es viel zu wenige Filme über flammende, geflügelte Höllenwesen gibt? Über Feuerdämonen, die man zu alttestamentarischer Zeit unter Namen wie Baal oder Typhon gekannt und gefürchtet hat und deren Abbilder später nicht nur den Weg auf mittelalterliche, dämonische Holzstiche (oder noch später auf die Innensleeves früher Morbid Angel-Alben), sondern auch in die verbotenen Bücher der Schwarzen Kunst gefunden haben?

Es gibt unzählbare Filme über Vampire (verdammt, sogar einen halben Zyklus über mormonische Vampire!), aber eigentlich nur eine Handvoll über grimmiges, altes Geflügeltes wie Baal. Aber einer davon - und zwar der britische NIGHT OF THE DEMON aus dem Jahr 1957 - das ist ein wahrer Klassiker!

Dabei hat der Feuerdämon fast zu einem Zerwürfnis zwischen dem sich allzu übermütig ins Künstlerische einmischenden Produzenten Hal E. Chester und seinem renommierten französischen Regisseur Jacques (ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE, CAT PEOPLE) Tourneur sowie dem Drehbuchautor Bennett geführt. Für den kommerziell denkenden Chester war es angesichts des Monster Movie-Hypes in den Fünfzigern ein Muss, dass der Titel gebende Dämon -in diesem Fall ein für den damaligen Stand der Technik perfekt getrickstes, aber nach heutigen Maßstäben hoffnungslos nostalgisches Ungeheuer- seinen großen Auftritt auf der Leinwand haben sollte.

Tourneur und Bennett hingegen hatten einen solchen überhaupt nicht vorgesehen. Ihrer Ansicht nach sollte die NIGHT OF THE DEMON eine Nacht des subtilen Schreckens werden. Eine, die erfüllt ist von diffusen, unheimlichen Geschehnissen, die immer geschickt nebulös, aber nie zu deutlich ins Feld geführt werden sollten. Sie wollten, dass der Zuschauer sich am Ende nicht sicher sein konnte, ob in der NIGHT OF THE DEMON nun tatsächlich ein übernatürlicher Fluch gewirkt oder ob dieser nur als Art teuflischer Placebo die Einbildungskraft und Furcht der betroffenen Protagonisten (und auch Antagonisten) manipuliert hat. Im Gegensatz zu ihrem Produzenten hatten Tourneur und Bennett schon damals erkannt, dass sich der Zuschauer eher vor dem fürchtet, was er nicht sieht.

Eine Sichtweise, die übrigens niemand Geringeres als der große Filmregisseur Martin Scorsese teilt. Es ist nämlich noch keine drei Jahre her, als dieser die NIGHT OF THE DEMON in seine persönliche Liste der "11 scariest Horror movies of all time" aufgenommen und den Film mit der Bemerkung "Forget the demon itself - again it's what you don't see so powerful!" auf den neunten Platz gesetzt hat.

Sicherlich hätte die NIGHT OF THE DEMON ohne leibhaftiges Erscheinen des Dämons noch beunruhigender und mysteriöser gewirkt, aber Chester hatte damals das Geld und somit das letzte Wort und so kam der finstere, alte Feuergott Baal am Anfang und am Ende des Films dann doch noch zu seinen umstrittenen Auftritten - und zwar in Abwesenheit des Regisseurs, der nicht in die genannten Szenen involviert gewesen war! Auch wenn Bennett in einem Interview gesagt haben soll, dass er "Chester sofort erschießen würde, falls sich dieser jemals auf seiner Hofeinfahrt blicken lassen sollte", braucht sich Baal vor anderen großen Monsterfilmen der 50er keineswegs verstecken. Seine Szenen sind von monströser Imposanz und haben dem Status des Films keinen Abbruch getan.

Doch sollte an dieser Stelle zunächst einmal klargestellt werden, dass es sich bei NIGHT OF THE DEMON mitnichten um ein Monster Movie handelt.

NIGHT OF THE DEMON basiert auf einer Geschichte des Schauerromantikers Montague Rhodes James (1862-1936). Eine weitaus größere Rolle als der monströse Dämon spielt in dieser Mär um Runen, Hexerei und Todesflüche der Zusammenprall zweier völlig gegensätzlicher Welten. Auf der einen Seite steht das sich in festgelegten, rationalen Bahnen bewegende Universum der Wissenschaft. Im Film wird es repräsentiert von dem aus Otto Premingers Noir-Klassiker LAURA bekannten Dana Andrews, der hier den smarten Skeptiker Holden spielt. Holden ist ein Psychologe, der in der Vergangenheit einige übersinnliche Phänomene als Scharlatanie entlarvt hat und nun im mysteriösen Todesfall eines Kollegen ermittelt, der -wie man munkelt- vom Satanisten Karswell mit einem tödlichen Fluch belegt worden sein soll.

Karswell steht für jene andere Welt. Nämlich für das Schattenreich des Okkulten, des Mysteriösen. Eine Welt, die vollkommen unmöglich zu sein scheint - und doch gerade wegen ihrer Unberechenbarkeit so gefährlich ist. Obwohl Karswell eigentlich ganz und gar klassischer Antagonist ist, ist er doch eine hochinteressante Figur, die aus der Schablone des herkömmlichen Bösewichts völlig ausbricht. Ein Clou der Casting-Entscheider diese Rolle mit dem trotz seines mephistophelesque gezwirbelten Ziegenbärtchens harmlos, fast großväterlich wirkenden Niall MacGinnis zu besetzen: Einerseits gibt er glaubhaft den lustigen Clown auf Kinderpartys; andererseits ruft er scheinbar aus dem Nichts verheerende Stürme herbei.

Die "Sudden Storm"-Sequenz ist übrigens nicht nur eine dieser eingangs erwähnten subtil beklemmenden Szenen, sondern etwas noch größeres. Als Karswell dem verdutzten Skeptiker Holden eine erste Kostprobe einer Macht gibt, die es in dessen Augen überhaupt nicht geben dürfte, ist dies einer jener besonderen Momente, die selbst in der bewegten Geschichte eines so großen Genres wie dem Horrorfilm einfach in Erinnerung bleiben.

Solcherlei kostbaren Szenen gibt es noch mehr: Die flammenden Fußspuren, die aus dem Nichts im feuchten Erdreich eines dunklen Waldes erscheinen. Die gespenstische Kugel aus Rauch, die sich plötzlich im Nachthimmel manifestiert und Holden verfolgt. Und natürlich der Angriff der Raubkatze. In diesem britischen Juwel aus den Fünfzigern hat Einiges Klassikerformat; nicht zuletzt der berühmte, oft zitierte Ausruf des Entsetzens: "It's in the trees! It's coming!"

Tourneur erzählt hier im Grunde keine triviale Gruselgeschichte, sondern vom ewigen Widerstreit zwischen dem rational-kühlen Verstand und dem Glauben an das Übernatürliche. Dabei wirft er nicht nur kluge Dialoge, dezent schwarzen Humor und interessante Figuren in die Waagschale, sondern auch seine ganze Meisterschaft im Inszenieren eines subtil wirkenden, atmosphärischen Horrorfilms.

Tourneur führt uns durch eine Reihe düsterer Sets, die von nächtlichen Wäldern über dubiose Hinterzimmer-Seancen bis hin zum druidischen Steinkreis von Stonehenge das ganze Spektrum an mysteriösen Schauplätzen abdecken. Er spielt virtuos wie sinister mit Licht und Schatten. Und lässt mit beunruhigender Finesse das Unerklärliche in die nüchterne, rationale Welt des Psychologen Holden erst einsickern, dann einbrechen; bis diese schließlich aus ihren Angeln gehoben und zertrümmert wird.

Damit ist Tourneur ein wegweisendes Werk geglückt, das nicht nur zu seiner Zeit Filme wie den ebenfalls in England produzierten NIGHT OF THE EAGLE aus dem Jahr 1962 beeinflusst hat, sondern auch jüngst den einstigen EVIL DEAD-Regisseur Sam Raimi zur ersehnten Rückkehr ins Horrorfach bewogen hat. Der an eine Zeitfrist geknüpfte Todesfluch und das Aussehen des Dämons in DRAG ME TO HELL kommen nämlich nicht von ungefähr.

Stand heute ist dieser Klassiker hierzulande weder auf VHS noch auf DVD geschweige denn auf Blu-ray erschienen. Doch der britische Silberling aus dem Hause Mediumrare Entertainment ist eine absolut runde Sache: Er enthält den Film nicht nur in technisch vorzüglicher Qualität, sondern auch in seinen beiden unterschiedlichen Schnittfassungen. Allerdings ist das ungekürzte 91-minütige Vergnügen der britischen Version der amerikanischen CURSE OF THE DEMON betitelten Kinofassung allemal vorzuziehen. Letztere wurde nämlich auf 78 Minuten heruntergestutzt, damit der Film seinerzeit im Double Feature mit Hammers THE REVENGE OF FRANKENSTEIN in den Drive-In-Kinos gezeigt werden konnte.

Night of the Demon Bild 1
Night of the Demon Bild 2
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Night of the Demon Bild 4
Night of the Demon Bild 5
FAZIT:

"It's easy to see a demon in every dark corner!" - Dämonen, Runen, Hexerei. Und ein Fluch, der in drei Tagen den Tod bringen soll. Altmeister Jacques Tourneur spielt auf visueller als auch metaphysischer Ebene so virtuos wie sinister mit Licht und Schatten, dass NIGHT OF THE DEMON weit weniger trivialer Schauerfilm als viel mehr ein perfekt inszeniertes Duell zwischen dem rational- denkenden, zynischen Skeptiker und dem sich in den mystisch-dämonischen Halbwelten bewegenden Okkultisten ist. Diesen Film kann man nicht nur, man muss ihn geradezu in einem Atemzug mit anderen großen Schwarz/weiß-Klassikern des Genres wie THE HAUNTING oder THE INNOCENTS nennen; ist er doch ebenfalls ein altehrwürdiges Meisterwerk des subtilen Horrorfilms.

 

WERTUNG: 9 von 10 plötzlichen Stürmen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Matthias | 20.06.2016 23:37
Ich glaube, ich habe diesen Film zum ersten Mal in der Reihe "Der Horror-Film" gesehen, die Mitte der 80er Jahre in der ARD oder auf ORF gezeigt wurde. So genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern. Umso mehr erinnere ich mich daran, dass mich "Der Fluch des Dämonen", so der deutsche Titel, von der ersten bis zur letzten Szene gepackt und restlos begeistert hat. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Und jetzt eine gute Nachricht für alle Fans dieses großartigen Films: Mittlerweile ist er auch in deutscher Sprache im Doppelpack als BluRay und DVD erhältlich. Jede Scheibe enthält die britische Original-Fassung und die gekürzte amerikanische Fassung. Da man hierzulande bislang nur die kürzere Fassung sehen konnte, sind manche Szenen in der britischen Original-Fassung nicht synchronisiert, aber mit deutschen Untertiteln versehen. Man kann sich die Filme natürlich auch im englischen Original anschauen. Das limitierte Doppelpack ist zwar nicht ganz billig, dafür aber mit interessantem Bonus-Material und einem sehr informativen Booklet ergänzt. Da ich nicht weiß, ob es diesen Film auch mal als Single-BluRay bzw. -DVD geben wird, habe ich mir das Doppelpack gegönnt und den Kauf nicht bereut.
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Hans-Christian | 20.04.2012 07:02
den hab ich in den Siebziegern im Fernsehn geguckt. Kam um 11 als Samstagabend Spätfilm in der ARD. Ich hab mich zu Tode gegraust und war stinkesauer, als plötzlich zur Lösung des Rätsels dieser Pappmachédämon auftauchte.
Lesotho | 20.04.2012 10:02
Kann nur 100%ig zustimmen! Ein großartiger und stimmungsvoller Film. Ich habe mir mal in den USA das Doublefeature auf DVD gekauft und dann die längere Version genossen:-)
Übrigens hab ich letztens eine andere britische s/w-Perle entdeckt, DIE SCHWARZE 13 mit David Niven und Deborah Kerr. Ähnlich stimmungsvoll und heidnisch-übersinnlich.
Chris | 20.04.2012 11:06
@ Hans-Christian: Auch wenn der Dämon sicherlich "State of the
Art" der damaligen Tricktechnik State war, wäre weniger sicherlich
mehr gewesen. Doch auch mit ihm ist NOTD ein wunderbarer Film.
@ Lesotho Die 13 kenne ich aus dem Fernsehen und warte schon
sehnsüchtig auf die längst überfällige DVD. Ist zwar schon einige
Jahre her, als ich ihn zum letzten Mal gesehen habe, aber der Film
ist mir als sehr düster in (guter) Erinnerung geblieben.
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