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Orphan - Das Waisenkind

Orphan - Das Waisenkind

OT: Orphan
HORROR: USA, 2009
Regie: Jaume Collet-Sera
Darsteller: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Isabelle Fuhrman, Jimmy Bennett

STORY:

Nachdem ihr drittes Kind totgeboren wurde, entschließen sich Kate und ihr Mann John die neunjährige Esther aus einem Waisenhaus zu adoptieren. Sie ahnen nicht, dass sie sich damit einen Teufel in Kindergestalt ins traute Heim geholt haben, der zur tödlichen Gefahr für sie selbst und ihre beiden leiblichen Kinder wird…-

KRITIK:

Das Evil Child-Subgenre des Horrorfilms ist reich an richtig guten und effektiven Angstmachern. Woran das liegt? Nun, von einem verwesenden Zombie, einem heulenden Werwolf oder einen totenbleichen Vampir erwartet man allgemein nichts Gutes, aber wenn da plötzlich Kinder die Rolle des Bösen übernehmen, dann beunruhigt das immer. Schließlich symbolisiert ein Kind die Unschuld per se und eine Gesellschaft, in der schon die Jüngsten verkommen sind, dürfte bald nichts mehr zu lachen und schon gar keine Werte mehr haben.

Wie eingangs erwähnt benutzt sowohl der Horrorfilm als auch der Psychothriller Kinder immer wieder gerne als Instrumente des Schreckens. Entweder sie lassen sie in dämonischen Horden auftreten wie in Ibánez Serradors EIN KIND ZU TÖTEN oder Cronenbergs teuflischer BRUT oder sie pflanzen die böse Saat direkt in den Schoß der Familie, wo sich dann Geborgenheit schnell in Paranoia und Familienglück in einen Familienalptraum verwandelt.

Egal ob die Bösartigkeit der Kinder nun infernaler (ROSEMARY’S BABY, DER EXORZIST, DAS OMEN), außerirdischer (DAS DORF DER VERDAMMTEN) oder psychopathologischer (BÖSE SAAT, DAS ZWEITE GESICHT) Natur ist; die filmische Resultate gingen oftmals durch Mark und Bein.

Mein Lieblings-"Grausame Kinder"-Film des neuen Jahrtausends ist bislang ganz eindeutig der vorliegende ORPHAN - DAS WAISENKIND aus dem Jahr 2009. Dessen Regisseur ist Jaume Collet-Sera, übrigens der Kollege, der in seinem ziemlich gelungenen Terrordebüt HOUSE OF WAX die Welt zumindest für eine halbe Filmlänge von Paris Hilton befreit hat. Und das war mit einem zielgenau in der Fresse landenden Metallrohr eine recht splattrige Angelegenheit gewesen. Doch auch abgesehen davon hat Collet-Sera schon in seinem Erstlingswerk bewiesen, dass er ein Händchen fürs Genre hat. Sein zweiter Horrorfilm ORPHAN unterstreicht diesen Eindruck nur noch mal fett.

Der gebürtige Spanier hat die Vorbilder genauestens studiert. Zweifelsohne. Allein diese ganz extrem unheilschwangere Spielplatzszene ruft deutliche Erinnerungen an die besten OMEN-Teile wach. ORPHAN’s Spielplatzsequenz ist eine exakte wie gleichwohl intensive Kopie jener Atmosphäre, die OMENs Unfall- und Todesfällen vorangeht. Aber natürlich ist Esther, wie sich unser janusköpfiger Teufelsbalg in diesem Film nennt, nicht nur ein Garant für lebensgefährliche Unfälle in ihrem Umfeld, sondern auch eine diabolische Manipulatorin, die geschickt ihre Adoptiveltern gegeneinander aufhetzt und schnell zum personifizierten Todesschatten für deren leibliche Kinder wird. Dabei sind ihre niederträchtigen Einfälle und Intrigen so hemmungslos teuflisch wie man es in diesem Subgenre in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr erleben durfte. Denn Esther hat ein sehr gutes Auge für menschliche Schwächen und weiß daher ganz genau, wo sie die finsteren Hebel anzusetzen hat.

Wobei man an dieser Stelle vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen hat. Esthers Evilness und Manipulationsgeschick ist teilweise wirklich hart am Over-the-edge; andererseits hat Drehbuchautor David Johnson in seinem feinen Skript kaum eine Gemeinheit ausgelassen, so dass Esther sich recht problemlos in die schwarzen Herzen spielen dürfte.

Sicherlich werden Nörgler ins Feld führen, dass der Plot nicht neu ist, was auch in gewisser Weise stimmt. Doch andererseits hat auch Ferrari nicht das Rad erfunden und sie bauen trotzdem schnelle, fesche Autos. Und eine Premium-Überraschung hat DAS WAISENKIND dann doch in petto. Der Schlusstwist ist nicht nur cool, sondern in dieser Form wirklich noch nicht da gewesen. Mit einer solchen Auflösung dürften sogar alte Hasen, die alle in dieser Review erwähnten Filme kennen, am Lebkuchentag nicht gerechnet haben. Und dieser Kniff leitet schließlich ein blutiges und nervenaufreibendes Finale ein, dass sich die Bezeichnung "Finale" auch wirklich verdient. Ein mächtiger, garstiger Abschluss eines fiesen, packenden Flicks, der sowohl Horrorfans als auch die Freunde des Psychothrillers begeistern dürfte. Ach, darstellerisch ist das Ganze auch weit über dem qualitativen Genreschnitt angesiedelt. Besondere Erwähnung verdienen hier in erster Linie die Leistungen von Vera Far-miga als bald mißtrauische und zunehmend machtlose Mutter und Esther-Darstellerin Isabelle Fuhrman. Der letzteren verleihe ich mal ganz spontan unseren "Damien-Award" für herausragende Verkörperungen satanischer Bälger.

Orphan - Das Waisenkind Bild 1
Orphan - Das Waisenkind Bild 2
Orphan - Das Waisenkind Bild 3
Orphan - Das Waisenkind Bild 4
Orphan - Das Waisenkind Bild 5
FAZIT:

Damien hat ein neues Schwesterchen! Und sie heißt Esther! - Im hundsgemeinen ORPHAN pflanzt HOUSE OF WAX-Regisseur Collet-Sera das Böse in Gestalt eines neunjährigen Adoptivkindes in den arglosen Schoß einer vierköpfigen Familie. Das Ergebnis ist fieser, packender Psychohorror, der das traute Heim in einen ganz finsteren, bedrohlichen Ort verwandelt. Und bei Esther-Darstellerin Isabelle Fuhrman hat es tatsächlich den Anschein, als habe man sie direkt aus einem Waisenhaus der Hölle herausgecastet…

WERTUNG: 8 von 10 brennende Baumhäuser
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
toxic | 04.04.2011 22:00
Yeah. Das hat gerockt.
Natürlich hat der Film kleine Macken aber ohne diese würden Horrorfilme ja nicht funktionieren. Also Schwamm drüber. Der Film konnte mich als "Routinier" ein ums andere Mal echt baff dreinschauen lassen und er ist einfach so RICHTIG böse. Ich hoffe, dass Collet-Sera bei seinem nächsten Projekt nochmal genauso ein Qualitätssprung wie von "House of Wax" zu "Orphan" gelingt. Da war nur der Showdown ganz nett.
reichliche 7 von 10 Neonröhren
>> antworten
bloodredbird | 30.03.2011 09:31
guter film, sehr guter film! und das viel besprochenen u. bekrittelte
ende: beim ersten mal anschaugn hat mich das auch ein wenig
gestört. beim 2ten mal irritiert u. jetzt find ich das ende sogar sehr
gelungen. ich finde das ende sogar schlüssig in bezug auf die
manchmal doch sehr perfide und nicht, nun ja, gerade kindgemäß
agierende esther...
>> antworten
Marcel | 27.03.2011 23:02
Gerade das Finale ist aufgesetzt, typischer Hollywoodshowdown, der für mich mehr kaputt gemacht als für den Film gewonnen hat. Ohne das Finale Wertung ok, mit dem Finale mindestens einen Punkt weniger.
Chris | 28.03.2011 17:49
MINI-SPOILER AHEAD!
Na, über Esther lasse ich nix kommen. Sie hat sich meine 8 Punkte redlich verdient! Und das Finale fand ich auch gelungen. Wenn in Hollywood am Ende immer so schön die Nacken knacken, ist ein Hollywoodshowdown imo völlig okay. ; )
>> antworten
Nic | 27.03.2011 22:38
fängt gut an, endet schwach. sehr ungünstig in diesem genre ;)
6/10
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