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Outrage

Outrage

OT: Autoreiji
YAKUZA - FILM: Japan, 2010
Regie: Takeshi Kitano
Darsteller: Takeshi Kitano, Jun Kunimura, Ryo Kase, Tetta Sugimoto, Takashi Tsukamoto

STORY:

Tokio und die Yakuza...Zwei konkurierende Familienclans die miteinander um Machterhalt und Profit kämpfen. Blutige Rachefeldzüge und brutale Exekutionen sind dabei an der Tagesordnung. Mittendrin: Takeshi Kitano.

KRITIK:

Mal wieder ein Yakuza Film von Takeshi Kitano. Und was für einer. Denn mir hat er erstaunlich gut gefallen.

Denn sein erster Film über dieses Thema ist es ja bekanntermaßen nicht. Schon sein Regiedebut "Violent Cop" (1989) begeisterte die Kritiker. Und stieß sie durch explizite Gewaltdarstellungen gleichermaßen ab.

Diesen Stil behielt die japanische Regielegende bis zu seinem letzten Yakuzawerk "Brother" (2000) bei. Danach widmete sich Kitano eher exzentrischeren Werken wie Dolls oder dem Samuraimusical Zatoichi. 2010 dann die Rückkehr zum Yakuza-Genre.

Und diesesmal in einem aufallend nüchternen, lakonischen Stil. Denn in Outrage stellt Kitano die Yakuza ein wenig differenzierter und zeitgemäßer dar als in "Brother" oder "Sonatine". Das Bild einer Yakuza die von Coolness, Ehre und Tradionsverbundenheit nur so strotzt gehört der Vergangenheit an. Das Bild einer Organisation, die auf Werte wie Ehre, Tradition, uneingeschränkte Loyalität und Disziplin setzt, beginnt hier zu bröckeln.

Erwähnenswert ist beispielsweise die Szene in der sich ein hochrangiges Familienmitglied den Finger als Wiedergutmachung abschneiden soll (das kennt man ja), nur nicht in einer schon fast zeremoniellen, respektvollen Atmosphäre mit einem roten Tuch und einem hochwertigen, scharfen Messer, sondern auf einem schmutzigen Tisch mit einem Teppichmesser.

Das verdeutlicht die Tatsache, dass die jüngere Generation der Yakuzagangster nicht mehr viel Wert auf den Ehrenkodex der vor sich hin alternden Bosse legt und die Geschäfte auf ihre WWeise führt. Und dabei wird schon mal der ein oder andere Störenfried aus der Welt geschafft. Mal mehr, mal weniger brutal.

Brutalität, ein großes Thema in Outrage. In Cannes löste der Film eine Debatte darüber aus ob und wie Gewalt in einem Film dargestellt werden sollte. Kitano soll irgendwann einmal geäußert haben er überlege sich im Vorfeld eines Films als erstes die Gewaltszenen und schreibe dann einen Plot um diese herum. Könnte man auch glatt glauben, scheint die Gewalt in Outrage doch die einzige Konstante darzustellen.

Was nicht heißt, dass der Plot stümperhaft oder gar unlogisch wäre. Ganz im Gegenteil, man sollte schon einen sehr aufmerksamen Zuschauer abgeben um bei den zahlreichen Racheaktionen, Bündnissen, Familienfehden, Machtkämpfen und dem ständigen Namedropping die Übersicht zu behalten. Mir persönlich ist dies nicht immer gelungen, denn vor allem die Namen der Protagonisten klingen für unser europäisches Ohr schon sehr ähnlich.

Ein kleines, zu erwähnendes Manko ist meiner Meinung nach die nicht immer passende Synchronisation. Der für das japanische Kino typische Hang zum Overacting sorgt in der Verbindung mit der deutschen Vertonung stellenweise für unfreiwillige Lacher. Deshalb ist es empfehlenswert Filme dieser Art im Original zu schauen (Lesen bildet bekanntlich).

Alles in allem ist Outrage ein handwerklich solider, in Verbindung mit einem an Carpenter-Filme erinnernden Synthesizer-Soundtrack, sehr stimmungsvoller aber leider nicht immer stilistisch konstanter Yakuzafilm. Trotzdem lohnt es sich allemal die DVD im Schrank zu haben, denn wenn einen die Lust auf einen blutigen Gangsterfilm - gespickt mit durchaus kreativen Tötungsarten - überkommt, ist Outrage die richtige Wahl.

Übrigens in einer 3 DVD Box erhältlich, da lohnt sich der Kauf ...

Outrage Bild 1
Outrage Bild 2
Outrage Bild 3
Outrage Bild 4
Outrage Bild 5
Outrage Bild 6
FAZIT:

Der Yakuza-Film ist zurück. Takeshi Kitano widmet sich nach zehn Jahren wieder seinem Lieblingsgenre in einem auffallend lakonischem Stil.

WERTUNG: 7 von 10 (eher 7,5) ganz speziellen Zahnarztbehandlungen
TEXT © Djan Hajo
Dein Kommentar >>
mathias | 26.12.2014 03:30
"Autoreiji"
Ich find das einfach klasse, wie ein japanischer Film so einen Titel verkaufen kann. Der Film selbst ist wohl eher Standard für Kitano-Verhältnisse (aber wohl keine Enttäuschung).
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