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Peppermint: Angel of Vengeance

Peppermint: Angel of Vengeance

OT: Peppermint
ACTION: USA, 2018
Regie: Pierre Morel
Darsteller: Jennifer Garner, John Gallagher Jr., John Ortiz, Method Man, Juan Pablo Raba

STORY:

Die Kartell-Killer haben ihre Tochter und ihren Mann auf offener Straße erschossen. Diese Schweine werden ihre Tat noch bitter bereuen. Denn Riley wird sie kriegen, einen nach dem anderen, bis zum letzten Mann ...

KRITIK:

I believe in justice
I believe in vengeance
I believe in getting the bastard

(New Model Army: "Vengenance")

Richtig fieses, moralisch wie politisch fragwürdiges Rachekino ist ja eines meiner Guilty Pleasures, immer schon. Diesbezüglich habe ich Charles Bronson und seiner DEATH WISH-Filmserie einen Altar gebaut. Auch Eli Roths wild umstrittenes Remake fand ich -  im Gegensatz zum Großteil der schreibenden Zunft - ganz akzeptabel. Und wenn ein Film die Rache schon im Titel trägt, sitze ich natürlich in der ersten Reihe. Die vernichtenden Kritiken, mit denen PEPPERMINT: ANGEL OF VENGEANCE überzogen wurde, ignoriere ich nicht einmal: Wer mir auch nur einen einzigen Selbstjustiz-Film nennen kann, dem Kritiker-Lob zuteil wurde, dem zahl ich ein Eis. Die DEATH WISH-Filme hätten die Kritiker seinerzeit am liebsten öffentlich verbrannt, und neuzeitlichere Beiträge wie James Wans DEATH SENTENCE (2007) oder Neil Jordans THE BRAVE ONE (ebenfalls 2007) sind schon wieder in Vergessenheit geraten.

Ob man sich in zehn Jahren noch an PEPPERMINT: ANGEL OF VENGEANCE erinnern können wird, sei mal dahingestellt. Doch für den Moment leistet dieser Film gute Dienste: Als knackiger, bisweilen bemerkenswert harter Actionreißer mit Jennifer Garner als weiblichem Charles Bronson.

Inhaltlich wird das Rad nicht gerade neu erfunden, aber das hat auch niemand erwartet. Wie auch, bei einem Plot, der, wie es in diesem Sub-Genre Usus ist, bequem auf einem Bierdeckel Platz findet. Völlig nach Schema F läuft der Film aber nicht ab. Action-Routinier Pierre Morel (96 HOURS) bemüht sich durchaus, die Konventionen des Rachekinos subversiv zu unterlaufen. Die Einstiegsszene ist so ein Fall: Ein Auto auf dem Parkdeck eines Hochhauses. Es ist Nacht, die Kamera zoomt langsam heran, der Wagen schaukelt hin und her. Was denken wir? Klar, da vertreibt sich ein Pärchen die Zeit am Rücksitz. Oder, die weniger angenehme Assoziation im #metoo-Zeitalter: Wird da jemand missbraucht? Die Kamera ist jetzt ganz dicht am Wagen dran, macht vor dem Fenster halt. Und Jennifer Garner ballert einem Typen das Hirn durch die Windschutzscheibe. Es war kein Sex, sondern ein Kampf auf Leben und Tod. Die erste von gezählten 48 Leichen, die Rileys Weg durch die Unterwelt von L.A. pflastern.

Was vorher geschehen ist, erfahren wir in Rückblenden. Eine Bilderbuch-Kleinfamilie, nicht frei von materiellen Sorgen zwar, aber glücklich. Und dann, wie aus dem Nichts, ein Mordanschlag auf offener Straße. Die Killer werden vor Gericht gezerrt, doch auf Gerechtigkeit kann die Frau, die alles verloren hat, nicht hoffen. Riley mutiert zur Eine-Frau-Armee, die den Kartell-Killern den Arsch aufreißen wird, bis zum letzten Mann. Dass die Verwandlung der zierlichen Hausfrau in die Leichenberge hinterlassende Kampfmaschine jeglichen Gesetzen von Logik und Plausibilität widerspricht, war den Drehbuchautoren selbst wohl am meisten bewusst. Dieses Dilemma wurde meines Erachtens gar nicht uncharmant gelöst: Als Mystery-Element nämlich, das selbst das FBI vor ein Rätsel stellt. Offensichtlich ist es Riley gelungen, sämtliche Spuren zu verwischen und Snowden-mäßig in Hongkong unterzutauchen. Einziges Indiz ist ein verwackeltes YouTube-Video, das Riley als Cage-Fighterin zeigt.

Riley ist zurück und dürstet nach Rache. Und wie: Die ersten drei Kartell-Leichen baumeln Kartell-mäßig mit dem Kopf nach unten auf einem Riesenrad. Den Richter, einen korrupten Schreibtischtäter, nagelt sie an seinem eigenen Schreibtisch fest. Diesen Szenen sind von einer brutal-brachialen Kaltschnäuzigkeit, die an die frühen Steven Seagal-Kracher erinnert. "Rated R for strong violence and language throughout" lautet das Urteil der amerikanischen Zensur-Behörde, was sich in diesem Fall wie eine Empfehlung liest.

Peppermint: Angel of Vengeance Bild 1
Peppermint: Angel of Vengeance Bild 2
Peppermint: Angel of Vengeance Bild 3
Peppermint: Angel of Vengeance Bild 4
Peppermint: Angel of Vengeance Bild 5
FAZIT:

Eine Frau sieht rot. Jennifer Garner meuchelt sich als weiblicher Charles Bronson durch die Unterwelt von L.A. und schickt die Fieslinge in Dutzendpack über den Jordan. PEPPERMINT: ANGEL OF VENGEANCE ist kein besonders großer Film, vom Budget her im Mittelfeld, mit erwartbar solider, aber nicht überwältigender Stunt- und Effektearbeit. Das Asset des Films sind zweifellos die erwähnten kaltschnäuzigen Gewaltspitzen, die ich in dieser Form nicht erwartet hätte. Selbstredend kein "guter" Film im klassischen Sinne, aber okaye Unterhaltung für Freunde des Selbstjustiz-Subgenres.

WERTUNG: 6 von 10 mit Gaffer-Tape versorgte Wunden
Dein Kommentar >>
abloodredbird | 10.12.2018 15:08
Dead Man's Shoes
Revenge
Art of Revenge
Sympathy for Mr. Vengeance
Sympathy for Lady Vegeance
Die Braut trug schwarz
Kill Bill

ich hätt gerne eine Kugel Kürbiskernöl-Eis vom Eis-Greissler. Danke
>> antworten
Adam Sorg | 06.12.2018 19:08
Liegt es am Wetter, dass niemand ein Eis spendiert bekommen möchte? Blue Ruin (wärmste Empfehlung übrigens). Wüsste noch weitere, aber es hieß ja ein einziger. Bitte per Post an 123 Fake Street ;p
Harald | 06.12.2018 22:57
Blue Ruin ist super, wie alle Filme von Jeremy Saulnier.
Adam Sorg | 07.12.2018 15:54
Stimme mit Ausnahme von Hold The Dark zu. Fand ich zwar immer noch gut, aber eben nicht super. Dann schon lieber I Don't Feel At Home In This World Anymore (allein dieser Titel), den auch Macon Blair geschrieben hat.
>> antworten


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