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Poolboy - Drowning out the Fury

Poolboy - Drowning out the Fury

TRASH: USA, 2011
Regie: Garrett Brawith
Darsteller: Kevin Sorbo, Ross Patterson, Danny Trejo, Jason Mewes, Edi Patterson, Bryan Callen, Mark Curry, Robert LaSardo

STORY:

Kevin Sorbo ist Jan van Hammer ist Sal Brando. Und er reinigt Pools. Und amerikanische, weiße Vororte. Überwiegend von Mexikanern. Denn als Brando aus Vietnam heimkehrt - 13 Jahre später als er eigentlich hätte sollen -, muss er feststellen, dass die Mexikaner die Poolreinigung fest in ihrer Hand haben. Und dann töten sie auch noch seine Frau und seinen Sohn. So etwas tut man nicht mit einem Mann, der 96 Verwundungen weggesteckt hat, ohne dafür zu bezahlen. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Pool um Pool.

KRITIK:

Ich persönlich gehöre zu den festen Anhängern der These, dass Trash unter zwei Voraussetzungen nicht funktionieren kann. Zum einen, wenn es sich um Filme handelt, die nach den 1980ern produziert wurden – denn dann ist’s meistens kein Trash sondern einfach nur peinlich – zum anderen, Filme, die von vorneherein als Trash konzipiert wurden. Natürlich gibt es wie bei allem Ausnahme, die diese Regeln letztlich nur bestätigen. MACHETE wäre da ein Beispiel, oder PLANET TERROR. Eine weitere dieser Ausnahmen liegt eben dieser Besprechung zu Grunde: POOLBOY – DROWNING OUT THE FURY.

Und POOLBOY funktioniert. Warum tut er das? Weil er mit einer Trash-Attitüde daher kommt, die so überzogen ist, dass schon wieder eine gewisse Unfreiwilligkeit der Dinge hinter der kalkulierten Schlechtigkeit steckt. Weil er mit einer dermaßen unerschütterlichen Konsequenz jegliche Motive überzieht, wie man es sonst von Werken wie DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN RAUMSCHIFF kennt. Weil er kreuz und quer durch Pop- und Filmkultur zitiert ohne dabei ins Selbstreferenzielle abzurutschen oder ganz gehörig auf die Seht-her-ich-mach’s-wie-Quentin-Tarantino-gewollt-aber-nicht-gekonnt-Fresse zu fliegen. Weil Jason Mewes mitspielt. Weil Danny – hispanischer Gesichtsakrobat à la Charles Bronson – Trejo mitspielt. Weil Herkules mitspielt. Und mit Herkules ist es wie mit dem Highlander. Es kann nur einen geben: Kevin Sorbo.

Und, vor allem, weil POOLBOY nicht nur ein Film ist. Nicht nur ein Film im Film. Nein, Poolboy ist ein Film im Film im Film. Und dann ist POOLBOY nicht mal Poolboy, nein, Poolboy ist eine Dokumentation über Poolboy II – denn Poolboy wurde nie gezeigt, da das Original zerstört wurde. Doch zum Glück hat Saint James St. James – Regisseur und Gegner von Abkürzungen – es geschafft Poolboy II aus dem Mühlen der Zensurbehörden zu befreien und so ist es nach über 20 Jahren nun möglich, den menschen-, frauen-, kinder-, mexikaner-, behinderten-,schwulen- und wasweißichnochallesverachtenden Nachfolger von Poolboy endlich in all seiner Pracht zu zeigen. Und so sehen wir nun in POOLBOY eine Dokumentation über Poolboy II in der wir Poolboy II zu sehen bekommen. Nebst Kommentaren der Beteiligten, als da wären Regisseur Saint James St. James, der verbrannte Tonassistent und Doug, Jan van Hammers Lichtdouble.

Und was wir zu sehen bekommen, ist ein infames Werk solch epischen Ausmaßes wie es wirklich nur der koksabhängige, zehnjährige Sohn eines Studiobosses vor über zwanzig Jahren hätte drehen können. Man könnte sogar meinen, POOLBOY – der Film, nicht der Film im Film – wäre von eben jenem koksabhängigen, zehnjährigen Regisseur erschaffen worden. Da werden munter Dokumentationsaufnahmen aus fragwürdigen Quellen reingeschnitten, als sei’s ein italienischer Kriegsploiter. Da werden Tagaufnahmen zu Nachtaufnahmen, als hätte Ted V. Mikels, eine fette Zigarre paffend als Berater zur Seite gestanden. Da werden die billigsten Studioaufbauten durch Unmengen an Blut kaschiert und da werden all jene Filme durch den Kakao gezogen, die meinen dass CGI-Blut die bessere Alternative zur guten alten Handarbeit wäre.

Und dann hat man auch noch die perfekte Besetzung für diesen respektlosen, immer noch einen draufsetzenden Film gefunden – ganz ehrlich, immer wenn man glaubt, jetzt geht’s nicht weiter, dann geht’s noch weiter und weiter und weiter und so weiter. Kevin Sorbo – der David Hasselhoff des Film- und Seriengeschäfts, und das meine ich als Kompliment – spielt mit sichtlicher und großer Freude den abgehalfterten Schauspieler Jan van Hammer, der den abgehalfterten und Mexikaner und Asiaten hassenden, aber nicht rassistischen Poolboy Brando spielt. Ob Danny Trejo jetzt ebenso viel Spaß beim Dreh hatte, kann man nur raten – ich rate einfach mal und sage, die hatte er –, denn wer kann schon sagen ob Charles Bronson oder Steven Seagull Spaß am Set hatten, ihr wisst worauf ich hinaus will, nech. Über Jason Mewes Auftritt als Lichtdouble/Autoeinparker Doug habe ich mich persönlich, als alter Fan, sehr gefreut, denn vorher wusste ich von seinem Auftritt nichts.

Die größte Stärke POOLBOYS ist jedoch, neben der Schauspielerriege und der konsequent schlechten – und das ist durchaus ein Kompliment – Inszenierung, das Drehbuch, das wie bereits erwähnt einmal quer durch die Popkultur- und Filmgeschichte zitiert. Mal offensichtlich, mal weniger offensichtlich. Mal für den Freund massentauglicher, mal für den Freund massentauglich-abseitiger und mal für den Freund der obskuren, abseitig-abseitigen Unterhaltung. Dabei wird kein Klischee ausgelassen und dermaßen überzogen, dass POOLBOY seine eigenen Klischees erzeugt und diese letztlich wieder durch den Kakao zieht.

In diesem Sinne: „Grandpa?“ – „Shh, let’s not ruin it by talking!“

Poolboy - Drowning out the Fury Bild 1
Poolboy - Drowning out the Fury Bild 2
Poolboy - Drowning out the Fury Bild 3
Poolboy - Drowning out the Fury Bild 4
Poolboy - Drowning out the Fury Bild 5
Poolboy - Drowning out the Fury Bild 6
FAZIT:

POOLBOY bietet nicht nur einen Film im Film im Film, nein, POOLBOY ist ein Fest für die Sinne trashgestählter Cineasten, der vom kleinsten bis zum größten Klischee so ziemlich alles durch den Kakao zieht, was das – vor allem – abseitige Kino in den letzten knapp 30 Jahren aufgeboten hat. Menschen-, frauen-, kinder-, mexikaner-, behinderten-,schwulen- und wasweißichnochallesverachtend, blutig, brutal, vollgepackt mit nicht nötigen – aber auch nicht unnötigen, hehe – Sexszenen, Waffen, Muskeln, Stirnbändern und lässigen Sprüchen. Poolreiningung ist ein hartes Pflaster, und Sal Brando alias Jan van Hammer alias Kevin Sorbo ist genau der richtige Mann für den Job.

Doch Vorsicht ist geboten: Humorbefreite und Cineasten denen Anspruch über alles geht, werden jämmerlich ertrinken.

WERTUNG: 7 von 10 jazzigen Wiedersehen mit dem Führer.
Dein Kommentar >>
Christian | 09.02.2013 02:39
Unzählige platte Knallergags, Handlung richtig schön sinnfrei und atemberaubende Kampfszenen.
Einer der besten schlechten Filme, die ich kenne
=:-)
>> antworten
toxic | 03.09.2012 23:12
Steven Seagull?
Harald | 04.09.2012 09:04
Steven ist doch weise wie die Möve Jonathan, oder nicht?
toxic | 06.09.2012 15:32
Bei einer Schießerei fallen ja sogar 2 Plastemöven vom Himmel. Is schon echt witzig, genau wie die Kritik, obwohl der Quatsch schon seeeeehr preisgünstig produziert is. Unbedingt im O-Ton zu ertragen.
6 von 10 mashed potatoes with dildos
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