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Pound of Flesh

Pound of Flesh

ACTION: KANADA, 2015
Regie: Ernie Barbarash
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Darren Shahlavi, John Ralston, Kevin Lee, Aki Aleong

STORY:

Deacon (Van Damme) wacht nacht einer durchzechten Nacht in einer Wanne voll Eis auf. Ihm wurde eine Niere geklaut und das allein macht Deacon wütend. Doch richtig stinksauer wird er, weil er die Niere eigentlich seiner Nichte spenden wollte, die ohne Transplantation sterben wird.

Zum Glück hat Deacon ein paar besondere Fähigkeiten und so begibt er sich auf einen Rachefeldzug durch die thailändische Unterwelt um seine Niere zurückzubekommen.

KRITIK:

Nicht nur Steven Seagal verdingt sich im hohen Alter auf dem DTV-Markt, auch Jean-Claude Van Damme bringt seit einigen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit Filme auf den Markt. Dabei ist er in der Auswahl seiner Rollen allerdings etwas offener und hat auch kein Problem damit sein kaputtes Leben Revue passieren zu lassen – wie im Meta-Film JCVD – oder sich und seine üblichen Rollen auf die Schippe zu nehmen – wie im sehr lustigen WELCOME TO THE JUNGLE, nicht zu verwechseln mit WELCOME TO THE JUNGLE mit The Rock und Sean William Scott, der im Übrigen auch sehr unterhaltsam ist.

Ende 2015 kam JCVDs neuster DTV-Kracher POUND OF FLESH in die Läden. Ich habe seinen Output der letzen Jahre nicht lückenlos verfolgt, aber gelesen, dass er gerade in letzter Zeit ein Faible für kaputte, gescheiterte Existenzen hegt, wenn es um seine Filmrollen geht. Was ja durchaus zu seinem echten Leben passt, denn Van Damme war ja immer dafür bekannt nichts anbrennen zu lassen. Und wo Schwarzenegger der überhebliche Geschäftsmann war, war Segal der ungehobelte Kneipenprolet und Van Damme der zugekokste Bankier auf der Schnaps und Nutten-Party. Entsprechend verbraucht sieht er auch aus. So erschreckend eingefallen er inzwischen aussieht, so sehr passt das optisch zu seiner Rolle als Deacon in POUND OF FLESH.

Deacon hat ein Leben geführt, das alles von ihm verlangt hat. Er ist ein Experte für Geiselrückführungen, er greift ein wo Recht und Gesetz versagen und löst die Probleme auf seine Art – mit den Fäusten und Waffen. Er hat eine tragische Liebesbeziehung mit der Frau seines Bruders geführt, ein Kind mit ihr gezeugt, das in dem Glauben aufgewachsen ist, Deacon wäre bloß ihr Onkel. Entsprechend eisig und distanziert ist sein Verhältnis zu seinem Bruder. Nun kann er seiner Tochter/Nichte eine Niere spenden, ihr das Leben retten und hofft so auf Vergebung durch seinen Bruder, aber wohl auch auf Vergebung durch sich selbst.

Ein interessanter Aspekt ist, dass Deacon die verhängnisvolle Affäre mit seiner Schwägerin hatte, als sie und sein Bruder sich kurzzeitig getrennt hatten, wodurch sie ihren Mann – rein technisch betrachtet – gar nicht betrogen hat. Allerdings ist es natürlich eine moralische Frage, ob man eine Beziehungspause dazu nutzen sollte, Sex mit seiner Schwägerin zu haben. Die Liebe ist halt ein Minenfeld.

Als Deacon bemerkt, dass ihm eine Niere geklaut wurde, ist er in erster Linie auch nicht sauer, weil ihm eine Niere fehlt – wobei es durchaus nachzuvollziehen wäre, wäre er deshalb wütend, ist ja schließlich seine Niere. Er will natürlich das kleine Mädchen retten, das ihm Sterben liegt, aber im Laufe des Films wird deutlich, dass es vor allem die Vergebung ist, die Erlösung von seinen seelischen Qualen die er zu retten versucht.  Da sein Ziel – die Rettung seiner Tochter/Nichte – und sein Bedürfnis – Vergebung für seine Taten – deckungsgleich sind, ist ihm das nicht wirklich vorzuwerfen.

So verbraucht JCVD auch aussieht, so sehr kommt das seiner schauspielerischen Leistung in POUND OF FLESH zu gute. Er sieht schon ganz natürlich aus wie jemand, dem eine Niere in einem Hotelzimmer geklaut wurde und der dann in einer Badewanne voll Eis aufgewacht ist. Dabei ist sich JCVD auch nicht zu schade komplett nackt aufzutreten – im Vergleich dazu zieht Seagal ja nicht mal bei Sexszenen seinen Mantel aus… was vielleicht auch besser so ist. Für uns alle. Van Damme kann sich das aber leisten, denn auch wenn er im Laufe der Jahre natürlich etwas abgebaut hat – wenig verwunderlich bei seinem fortgeschrittenen Alter – hat er immer noch eine gute Figur, einen maskulinen Look und ein recht schniekes Sixpack.

Daher nimmt man es ihm auch ab, wenn Deacon Bardamen, Türsteher und Söldner vermöbelt. Viele der Kämpfe und Stunts hat JCVD dabei selbst gemacht, und wenn nicht, ist der Einsatz von Stuntleuten von Regisseur Ernie Barbarash sehr gut verschleiert. Auch der berühmte Spagat kommt in einer Szene mit anschließender Verfolgungsjagd zum Einsatz. Die Action ist allgemein eher realistisch gehalten, als akrobatisch – mit einigen etwas übertriebenen Ausnahmen, etwa wenn Deacon einen Vertical Suplex bei seinem Gegner ansetzt. Von Fäusten, über Messer bis hin zu Pistolen und Gewehren kommt dabei alles zum Einsatz, was man eben so braucht um eine gestohlene Niere zurückzubekommen.

In diesem Sinne: „Töten ist kinderleicht. Damit zu leben, das ist schwer!“

Pound of Flesh Bild 1
Pound of Flesh Bild 2
Pound of Flesh Bild 3
Pound of Flesh Bild 4
Pound of Flesh Bild 5
Pound of Flesh Bild 6
FAZIT:

POUND OF FLESH ist ein wirklich gelungenes JCVD-Vehikel, das die – nennen wir es netterweise – Lebenserfahrung seines Hauptdarstellers geschickt für sich zu nutzen weiß. Die Geschichte ist spannend und ein interessanter Ansatz der Urbanen Legende vom Nierenklau mit anschließendem Nickerchen in einer Eisbadewanne. Das Drehbuch ist routiniert aber trotzdem spannend geschrieben und haut glücklicherweise nicht alle Details der Vergangenheit Deacons und seines Bruders auf einmal raus, sondern liefert nach und nach neue Informationen. Die Inszenierung ist auf hohem DTV-Niveau, das Budget gut ausgeschöpft, die Nebenrollen durch die Bank gut besetzt. Und wenn man von einigen kleinen Klischee-Übungen absieht, bietet POUND OF FLESH äußerst gelungene Unterhaltung - Spannung, Action und kleinere lustige Einlagen an den richtigen Stellen.

WERTUNG: 7 von 10 Informationsschreiben zum Verhalten nach einer Nierentransplantation.
Dein Kommentar >>
jules | 14.12.2016 13:36
Der Film spielt in Manila, nicht in Thailand. Gedreht wurde allerdings in China, weshalb sich irritierenderweise in ganz "Manila" Schriftzeichen an den Häuserwänden finden....
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