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Road to Guantanamo

Road to Guantanamo

DOKU-DRAMA: GB, 2006
Regie: Michael Winterbottom, Mat Whitecross
Darsteller: Riz Ahmed, Steven Beckingham, Nancy Crane

STORY:

Road to Guantanamo Im September 2001 reisen vier junge britische Muslime aus der Nähe von Birmingham zu einer Hochzeit nach Pakistan. Da ihnen noch Zeit bleibt, beschließen sie nach dem Besuch einer Moschee spontan, mit dem Bus nach Afghanistan zu fahren - sie wollen dort helfen und das Land kennen lernen.

Als sie in Kandahar ankommen, beginnt der amerikanische Angriff gegen das Taliban-Regime als Antwort auf den Terroranschlag vom 11. September. Ruhel, Asif, Shafiq und Monir geraten zwischen die Fronten und werden schließlich von der Nordallianz als potenzielle Terrorkämpfer festgenommen. Die Spur von Monir verliert sich in den Kriegswirren, die anderen drei werden den Amerikanern übergeben und mit verbundenen Augen nach Guantanamo auf Kuba ausgeflogen. Dort werden sie ohne Gerichtsverfahren zwei Jahre lang gefangen gehalten und dann ohne weitere Erklärungen frei gelassen - es lag überhaupt nichts gegen sie vor. Soweit die Inhaltsangabe vom Votivkino.

KRITIK:

Road to Guantanamo Der erfreulich unberechenbare Regisseur Michael Winterbottom (Welcome to Sarajewo, Butterfly Kiss ) erzählt mit diesem Doku-Drama die authentische Geschichte der "Tripton Three" - jener drei pakistanisch-stämmingen britischen Muslime, deren Fall 2001 durch die Medien ging.

Im Film kommen die drei Männer selbst zu Wort - erstaunlich ruhig und sachlich berichten sie von ihrem Leidensweg, der sie von Pakistan über Afghanistan bis ins berüchtigte Folter-Lager Guantanamo auf Kuba führte.

Ein reiner Dokumentarfilm ist dies aber nicht - die "Handlung" - sprich der Angriff der US-Armee auf Afghanistan, und die unmenschlichen Verhöre und Quälereien im Gefangenenlager auf Kuba wurden filmisch nachgestellt. Und zwar mit iranischen Produktionspartnern (die vermutlich Michael Winterbottoms letztes Werk, den mit Hardcore-Szenen vollgestopften Konzertfilm 9 Songs noch nicht gesehen haben :-)

Road to Guantanamo Natürlich macht sich der Film angreifbar: Einseitige Parteiname, Naivität, manipulative Absichten und antiamerikanische Propaganda waren noch die harmloseren Vorwürfe.

Sagen wir's mal so: Man muss beleibe kein fanatischer Amerika-Hasser sein, um beim Gedanken an eine Einrichtung wie Guantanamo vom dringenden Bedürfnis befallen zu werden, den Herrn Bush, Rumsfeld und Wolfowitz einmal kräftig auf ihre gelackten Schuhe zu kotzen.

Guantanamo ist ein Lager, wo willkürlich verhaftete Terror-Verdächtige ohne Anklage unter unmenschlichen Bedingungen jahrelang festgehalten und brutal gefoltert werden. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, all die Werte, welche die USA stets zu verteidigen vorgeben: Hier sie buchstäblich mit Füßen getreten.

Dennoch: Plumpen Anti-Amerikanismus kann man Winterbottom m.E. nicht vorwerfen: Auch die amerikanischen Soldaten im Lager sind letztlich Opfer. Traurige Figuren sind das, durch jahrelangen Drill und Kadaver-Gehorsam offenbar schwerst gehirngewaschene, abgestumpfte, stupide brüllende Zombies, die zu keiner menschlichen Regung mehr fähig sind.

Andererseits muss auch die Frage erlaubt sein, warum zur Hölle sich junge, in England aufgewachsene Muslime nach Afghanistan aufmachen. "Wir wollten sehen, wie die Taliban wirklich sind" heißt es im Film. Dazu ein wenig "entspannen", "to chill out", und das köstliche afghanische Naanbrot essen. Sorry, aber viel naiver geht's doch nicht mehr. Dass in den Neunzigern hunderte junge Männer aus der zweiten Generation muslimischer Einwanderer in die Ausbildungslager der Al Kaida zogen, wird im Film freilich nicht erwähnt.

Rein formal bedient sich Winterbottom derselben Bildsprache, wie wir sie von CNN und Konsorten kennen - mit dem Unterschied freilich, dass bei den US-Nachrichtensendern sofort ausgeblendet wird, sobald der Krieg sein wahres Gesicht zeigt. Blutüberströmte Leichen, abgerissene Beine oder herausquellende Gedärme passen nun mal nicht zum klinisch sauberen "War on Terrorism".

Hier hält die Kamera stets drauf - was einige Leute im Saal ziemlich unruhig werden ließ. Tatsächlich mutet dieser Film seinem Publikum einiges zu. Damit sind aber nicht nur die brutalen Verhöre, Quälereien und Folter-Methoden gemeint, die sich über die letzte halbe Stunde des Films hinziehen. Dieser Film will aufrütteln, zum Nachdenken anregen, Diskussionsgrundlage sein. Dabei natürlich auch (einseitig) Position beziehen. Eine Zumutung? Nein. Eher ein "absolute must see", wie ein User auf IMDB schrieb.

FAZIT:

Nicht ganz un-kontroversielles Doku-Drama über drei junge Muslime aus England, die zwei Jahre schuldlos im berüchtigten Gefangenenlager Guanatanomo auf Kuba festgehalten wurden.

WERTUNG: 8/10
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