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Rogue One: A Star Wars Story

Rogue One: A Star Wars Story

ACTION/KRIEG/SCI-FI: USA, 2016
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Felicity Jones, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Ben Mendelsohn, Diego Luna, Forest Whitaker

STORY:

Die junge Rebellenallianz erfährt vom Bau einer riesigen todbringenden Waffe, die dem Galaktischen Imperium die Herrschaft über die gesamte Galaxis ermöglichen könnte. Konstruiert wird sie, im Auftrag des machthungrigen Orson Krennic vom Ingenieur Galen Erso. Um die Fertigstellung der Waffe zu verhindern und Informationen über mögliche Schwachstellen zu bekommen, versucht die Allianz an Erso heranzukommen. Dazu braucht sie jedoch die Hilfe dessen Tochter Jyn Erso. Die allerdings hat nicht viel übrig für Politik und die "Sache" der Allianz. Da der Berufsverbrecherin allerdings die Freilassung aus dem Gefängnis garantiert wird, sollte sie kooperieren, entscheidet sie sich den Terroristen ... äh, Rebellen, zu helfen.

KRITIK:

Das Beste das dem STAR WARS-Franchise bisher passiert ist, ist der Verkauf der Rechte von George Lucas an Disney. Der Alt-Meister des Science-Fantasy-Epos wusste schon lange nichts mehr mit seiner Schöpfung anzufangen und die wirklich interessanten Geschichten entstanden stets im Erweiterten Universum. Dass eben jenes nun auch eingestampft wurde, empfinden viele Fans sicherlich als Verlust, aber letzten Endes verschwinden die Geschichten ja nicht einfach, nur weil sie nicht mehr zum Kanon gehören. Außerdem hat das neue Erweiterte Universum bisher selbst schon einige schöne Geschichten hervorgebracht.

Vor allem die neuen Comicserien, die nach jahrelangem Erscheinen bei Dark Horse Comics, jetzt wieder in der Hand von Marvel Comics liegen, haben schöne Geschichten und interessante neue Figuren zu bieten. Empfehlenswert ist der Vader Down-Arc, der in Deutschland auch bei Panini erschienen ist. Doctor Aphra, eine Archäologin, die ihre Abenteuer mit zwei an C3PO und R2D2 erinnernden Folterrobotern erlebt, hat unlängst sogar ihre eigene, äußerst unterhaltsame Comicserie bekommen.

Aber auch das Kinouniversum von STAR WARS profitiert bisher eindeutig vom Verkauf des Franchise und der so gegebenen Möglichkeit, frische Ideen von neuen Kreativen einzubringen. Schon J. J. Abrams Fortsetzung der Sternensaga, DAS ERWACHEN DER MACHT, war besser als die gesamte Prequel-Trilogie zusammen – manch einer mag jetzt einwerfen, dass das nicht sehr schwer ist, und hätte damit Recht, aber sei’s drum. Okay, zugegeben: Von der Idee, jedes Jahr einen STAR WARS-Film zu veröffentlichten, war ich zunächst nicht wirklich begeistert, denn Ermüdungserscheinungen sind früher oder später definitiv zu erwarten. Noch ist das aber nicht der Fall, also schauen wir einfach mal, wie lange das STAR WARS-Fieber die Kinomassen in Verzückung zu bringen vermag.

ROGUE ONE jedenfalls, so viel verrate ich gleich am Anfang, hat mich vollends davon überzeugt, dass es eine gute Idee ist, auch im Kino andere Geschichten aus dem riesigen STAR WARS-Universum zu erzählen. Mit der Erzählung der Geschichte über die, in EINE NEUE HOFFNUNG schon 1977 erwähnte, Beschaffung der Pläne des Todessterns, wurde ein Stoff gewählt, der eigentlich naheliegend für eine Weiterführung des Kino-Kanons ist, aber auch nicht unbedingt offensichtlich hervorgestochen.

Für mich jedenfalls ist mit ROGUE ONE ein kleiner STAR WARS-Traum in Erfüllung gegangen, denn auch wenn ich anerkenne, dass die erzählerische Qualität von DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK verdammt hoch ist, war ich schon immer mehr ein Freund von DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER, vor allem wegen der finalen Schlacht zwischen den Truppen des Galaktischen Imperiums und der Rebellenallianz, denn der militärische Aspekt in STAR WARS hat mich schon immer am meisten angesprochen, die Jedi-Mythologie eher weniger. Und schon als Kind habe ich mir stets einen Film gewünscht, der sich eben mehr auf Geschichte des Krieges im Universum konzentriert, als auf die alten Mythen.

Gareth Edwards ROGUE ONE erfüllt diesen Wunsch voll und ganz, denn nach zwei Akten voller Abenteuer und kleinerer, schon äußerst actionreicher Scharmützel, bietet das ausgewalzte Finale alles, was das Herz von Action- und Military Science-Fiction-Fans höher schlagen lässt. Gespickt mit den Motiven zahlreicher Kriegsfilme, entzündet Edwards ein Feuerwerk, das erst dank der modernen CGI-Technik möglich geworden ist und atemberaubend aussieht. Die Action ist furios, bombastisch und erinnert – wie ein Freund von mir meinte – in seiner futuristischen Konsequenz gar ein wenig an die Landungssequenz aus DER SOLDAT JAMES RYAN. Dazu gesellt sich ein kriegerisches Helden-Epos, das im fiesen Finale gar ohne großes Pathos auskommt, wodurch es ROGUE ONE mehr gelingt, Krieg von seiner schmutzigsten Seite zu zeigen, als diversen in der Realität verankerten kontemporären Kriegsfilmen.

Das konsequente, düstere Finale ist es derweil auch, das ROGUE ONE vollends von den meisten der Hauptfilme unterscheidet und ihn auf eine Ebene mit dem kongenialen DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK stellt. Mit der von Felicity Jones gespielten Jyn Erso  haben Chris Weitz und Tony Gilroy eine Heldin geschafften, die dem Ton des Films perfekt entspricht – düster, verbittert, aufmüpfig, in ihrem tiefsten Innern aber heldenhaft und von Ehrgefühl getrieben. Lediglich durch den merkwürdigen Auftritt Forest Whitakers rutscht ROGUE ONE kurzzeitig in leicht trashoide Gefilde, fängt sich aber sehr schnell wieder. Dafür trägt selbst die obligatorische „comic relief“-Figur, K-2SO, der düstereren Stimmung ROGUE ONES, mit seinem trockenen, roboterhaften Humor Rechnung. Anders als der nervtötende und äußerst hassenswerte Jar Jar Binks, wächst einem diese Figur sogar richtiggehend ans Herz, sodass man, ohne es zu merken, während seinem heldenhaften Finale einem Roboter die Daumen drückt. Ob es etwas bringt, sei an dieser Stelle nicht verraten.

In diesem Sinne: „Wir werden sterben und auf ewig durch das dunkle, kalte Vakuum des Weltalls treiben.“„Ich nicht. Ich kann im Weltall überleben!“

Rogue One: A Star Wars Story Bild 1
Rogue One: A Star Wars Story Bild 2
Rogue One: A Star Wars Story Bild 3
Rogue One: A Star Wars Story Bild 4
Rogue One: A Star Wars Story Bild 5
Rogue One: A Star Wars Story Bild 6
FAZIT:

Gareth Edwards übertrifft mit seinem STAR WARS-Kriegsactioner ROGUE ONE seinen Kollegen Abrahams und dessen ERWACHEN DER MACHT bei weitem. Ich wage zu behaupten, dass ROGUE ONE der Beste STAR WARS-Film seit über 30 Jahren ist, und beweist, dass nicht nur das Erweiterte Universum die wirklich spannenden Geschichten zu erzählen vermag. Natürlich, wem schon immer das Jedie-Gedöns und die Mythologie als das Herzstück des SW-Universums galt, der wird mit ROGUE ONE vermutlich nicht zu seiner vollsten Zufriedenheit bedient werden. Wer sich aber schon immer für den militärischen Aspekt des Krieges zwischen der Allianz und dem großen Galaktischen Imperium interessiert hat, hat hiermit den Film seiner Träume beschert bekommen. So oder so, ROGUE ONE ist ein wahnsinniges Erlebnis und ein toller Abschluss für das Kinojahr 2016.

WERTUNG: 9 von 10 zu kurzen Datenübertragungskabeln.
Dein Kommentar >>
wolf_vienna | 22.12.2016 15:50
Ich kann und will es auch nicht glauben, dass ein Film, der vollkommen auf schauspielerische Werte und eine gute Story verzichtet, eine Wertung von 9/10 bekommt. Ich bin enttäuscht ob dieser Huldigung an die Computertricks. Wo ist da der künstlerische Wert? Wo ist die Erschaffung von etwas Wesentlichem? Braucht es das nicht mehr heutzutage?
Harald | 26.12.2016 02:19
Es sind ERSTKLASSIGE Computertricks. Die kann man gerne mal würdigen.
a-l-e-x | 01.01.2017 22:59
Ich wundere mich immer ein wenig über derartige Kommentare.

Du fragst nach künstlerischem Wert und schreibst selbigen den "Computertrick" wie du sie nennst ab.

Wo genau siehst du denn den Unterschied zwischen bspw. haptischen Bühnenbilder, Kulissen, etc. und der computergeneration eben solcher? Selbige Frage stellt sich übrigens für das führen einer echten bzw. einer virtuellen Kamera...

Warum kann ein Film, der seinen Hauptfokus offensichtlich auf visuelle aber auch auditive Qualität legt eigentlich kein Guter sein? Warum isr der Intelekt eigentlich vor die Attraktion zu stellen? Wer hat denn überhaupt bestimmt welche Art von Film etwas "Wesentliches" vermittelt und welche nicht?
>> antworten
Sehr | 19.12.2016 23:20
subjektiv dieser Text. Die persönliche Meinung ist mir (meine ausgeprägte persönliche Meinung) zu ausgeprägt.
Aber herzlichen Glückwunsch. Hab jetzt noch mehr Lust auf den Film :P

PS: E1 bis E3... die Lichtschwertkämpfe warn besser, oder... ODER?
>> antworten
Ralph | 18.12.2016 17:49
Johannes, diese Seite an dir -Star Wars (?!)- kannte ich noch gar nicht. :)
Schöne Kritik übrigens, stimme großteils zu. Hätte mir aber doch etwas weniger Action und mehr charakterlichen Tiefgang gewünscht. So ein bissi.
Johannes | 19.12.2016 08:58
Ein dunkles, schmutziges Geheimnis hat doch jeder. ;)
>> antworten
Harald | 18.12.2016 13:07
Wow. Schon von so vielen verschiedenen Seiten Großartiges über ROUGE ONE gehört. Und jetzt bringst Du mir altem SW- und Science Fiction-Agnostiker endgültig die Wochenplanung durcheinander. Muss wohl eiligst einen Kinobesuch einschieben.
Harald | 26.12.2016 02:18
So, gesehen. Arger Film eigentlich, konsequent & stockdüster.
Johannes | 26.12.2016 05:36
Das hättest du dir auch nie träumen lassen, dass du dir noch mal einen Star Wars-Film im Kino ansiehst, und er dir gefällt, oder? :)
Harald | 26.12.2016 11:19
Ein Weihnachtswunder :-)

Aber ich bin ja generell ein ziemlicher Mainstream-Gucker geworden in den letzten Jahren ...
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