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Sakrileg - The Da Vinci Code

Sakrileg - The Da Vinci Code

THRILLER: USA, 2006
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Ian McKellen, Jean Reno, Audrey Tautou, Alfred Molina

STORY:

Mord im Louvre, versteckte Hinweise in Da-Vinci-Gemälden und die größte Vertuschung der Menscheitsgeschichte rufen Tom Hanks als Indy-Verschnitt auf den Plan.

KRITIK:

Sakrileg - The Da Vinci Code
Gäbe es einen Oscar für die beste Vermarktungsstrategie - Sony Pictures müsste man glatt ein Dutzend dafür verleihen. Das Geheimnis um die Romanverfilmung von The Da Vinci Code war praktsich besser behütet als jenes, um das sich der eigentliche Film dreht. Natürlich rief das gleich die üblichen Verdächtigen auf den Plan - die katholische Kirche, die vielzitierten "konservativen Kreise" in den USA ... und natürlich die Medien. Bei Sony badete man sich in der Kritik und den Vorverurteilungen, war doch jede Zeile, die in den Medien über den angeblichen Skandalfilm abgedruckt wurde, praktisch 1:1.000 eintauschbar in verkaufte Kinotickets. Welch hervorragende, kostenlose Werbekampagne.

Vorweg: Kein Film hatte jemals weniger Skandalpotential als dieser. Ein laues Lüftchen, mehr ist hier davon nicht zu spüren.

Man darf nun natürlich nicht in diesen Film gehen und sich große Enthüllungen oder eine atemberaubende Story erwarten. Oder gar ein "Aufdeckerfilm", der uns die ganze Wahrheit präsentiert (ganz ehrlich: der "Akte X"-Kinofilm war da näher dran). Die Vorlage war ein Roman, und somit kann auch der Film nichts anderes als Fiktion sein. Selbst die spärlich beigemischten Fakten sind bestenfalls längst bekannte Spekulationen aus der Wissenschaft und wurden bereits in Dokumentationen aber auch zahlreichen anderen Filmen mehr oder weniger durchgekaut.

Sakrileg - The Da Vinci Code Der Rest ist reine Fiktion, und die ist so offensichtlch, dass man sich an machen Stellen das Lachen wahrhaft nicht verkneifen kann. Sehr früh macht das eines offensichtlich: der Film wie auch die Romanvorlage sind erschreckend einfallslos. Ein Cocktail aus Halbwahrheiten und einigen wenigen Fakten - ordentlich gestreckt mit ziemlich platten, ideenlosen Phantasieergüssen.

Auch die Schauspieler scheinen sich kaum mit dem Material identifizieren zu können: ein lustloses Spiel - durch die Bank. Einzig Ian McKellen ist sehenswert und scheint sich in seiner Rolle recht wohl zu fühlen. Trotzdem bezeichnend: selbst die sensationellsten Enthüllungen (auch die große, finale) werden von den betroffenen Personen in etwa so aufgenommen, als wenn Tim Taylor seiner Frau gerade gesteht, dass er auf Autos und Werkzeug steht.

Sakrileg - The Da Vinci Code Aber gut, sehen wir den Film als das was er ist - seichte Unterhaltung. Da kann man schon darüber hinwegsehen, dass der Film in etwa so viel Tiefgang hat wie eine Luftmatratze am toten Meer. So gesehen plätschert der Film also gemächlich dahin, mal mehr und mal weniger spannend, mal mit mehr und mal mit weniger Handlungslöchern.

Schön, wir haben uns halbwegs unterhalten, und die wie immer bombastische und durchaus solide Filmmusik von Hans Zimmer hat wenigstens den Ohren ein wenig Gutes getan (und war auch vermutlich dafür verantwortlich, dass überhaupt sowas wie Spannung aufkam).

Doch halt! Als auf der Leinwand in großen Buchstaben "Pause" erscheint, wird einem erst klar, dass man gerademal die Hälfte geschafft hat. Und da haben wir das Hauptproblem des Films: 150 Minuten sind in etwa 60 Minuten zu viel. Der Film und die Handlung zieht sich dadruch wie Kaugummi, von dem man sich die ganze Packung auf einmal in den Mund gestopft hat.

Es ist schwer zu sagen, aber auf 90 Minuten gestaucht hätte sich vielleicht ein halbwegs brauchbarer Thriller ergeben. Etwas weniger bombastisch inszeniert, etwas weniger die Erwartungen im Vorfeld nach oben getrieben - und wir hätten eventuell einen ganz anderen Film gesehen. Aber natürlich auch Sony Pictures ganz andere Besucherzahlen.

Das allein hätte aber daraus keinen großen Film gemacht - die Handlung, die Vorlage selbst sind viel zu schwach. Es werden viel zu viele Antworten gegeben, der Film hat in dem Fall geradezu missionarische Ambitionen: er muss dem Zuseher wirklich alle Fragen nehmen, reibt ihm jedes Detail unter die Nase. Das macht den Film aber gleichzeitig total unglaubwürdig, stellt ihn fast schon als Satire auf die Kirche hin.

Gerade bei so einem Film ist es unbefriedigend aus dem Kino zu gehen, und über absolut nichts mehr nachdenken zu müssen. Es ist alles gesagt, fast wie bei einer großen Hollywood-Lovestory mit Happy End.

Wer nichts besseres zu tun oder weil schlicht sonst auch nichts gscheites läuft - man kann ihn sich ansehen. Geheimtipp: Ausreichend Coca Cola oder andere koffeinhaltige Getränke unter dem Kinostuhl bunkern!

FAZIT:

Vor allem aufgrund der Überlänge eine einzige, große Fadesse. Spannend wie Richterin Barbara Salesch, Tiefgang wie Tom & Jerry und einfallslos wie die Teletubbies. Am Ende muss man den Film zu Gute halten dass er immerhin streckenweise dezent unterhaltend ist und es noch unzählbar viele, schlechtere Filme gibt.

WERTUNG: 4 von 10 Jesus-Sandalen
TEXT © Bernhard König
Dein Kommentar >>
hoppla | 29.05.2006 16:29
amüsanter verriss, für eine kritik wenig objektiv, auch wenn der film wirklich scheiße war...
harald | 29.05.2006 21:56
wenn du "objektive" (a.k.a von der filmindustrie bezahlte) kritiken willst, geht nichts über die bunten gratiszeitungen in den kinos.
>> antworten
moviefreak | 27.05.2006 15:21
@ "weil schlicht sonst auch nichts gscheites läuft" - wie wär's mit der David Lynch-Werkschau im Gartenbau???
>> antworten
Kataklysm | 26.05.2006 20:08
lol. das fazit finde ich sprachlich äußerst amusant! na, wenigstes schein ich nix zu versäumen, wenn ich das nicht im kino seh... :-)
harald | 27.05.2006 12:56
nicht nur das fazit - der ganze verriss hört sich ziemlich witzig an ... zweifellos unterhaltsamer als der film
>> antworten


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