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Sechs Schwedinnen im Pensionat

Sechs Schwedinnen im Pensionat

SEX-KLAMAUK: FR/CH, 1979
Regie: Erwin C. Dietrich
Darsteller: Brigitte Lahaie, Nadine Pascal, Anne Libert, France Lomay, Danièle Troeger

STORY:

Der Titel ist Programm: Sechs Schwedinnen, so Plus-Minus sechs, lernen, leben, lieben und vögeln im Pensionat.

KRITIK:

Der Schweizer Schmuddelfilm-Papst Erwin C. Dietrich – oder Onkel Erwin, wie wir ihn hier liebevoll nennen – produzierte zwar für Jess Franco schmutzige Frauenknaster mit gewissem Sadismus-Anteil, sein Ding waren die jedoch wirklich nicht. Er stand seit jeher eher auf harmlosen Sex-Klamauk. Dennoch probierte er sich auch im Frauengefängnis-Genre aus – schließlich zählten vor allem die klingelnden Kassen, nicht die eigenen Vorlieben. Allerdings waren seine seltenen Ausflüge in die schwülen Gefilde der Frauenknaster, wie zum Beispiel GEFANGENE FRAUEN, eher semi-schmuddelig bis harmlos. So bewegte er sich als Drehbuchautor und Regisseur lieber im Softsex-Bereich.

In genau jenem Genre startete er 1979 mit SECHS SCHWEDINNEN IM PENSIONAT schließlich eine ziemlich erfolgreiche Reihe um eine Gruppe dauergeiler schwedischer Blondinen – von denen die wenigsten echte Blondinen waren – und die sich munter durch die verschiedensten Szenarien entkleideten und bumsten. Und weil Onkel Erwin wohl wusste, dass das in diesem Genre mit dem Namen merken für den Zuschauer eher schwierig ist, tragen alle Schwedinnen auch brav T-Shirts mit ihren Namen drauf… vorausgesetzt sie tragen ihre T-Shirts überhaupt.

Obwohl sie in ihrem Pensionat mit den beschrifteten T-Shirts und ihren weißen Röcken ja sowas wie eine Schuluniform tragen, sorgt das Detail der aufgedruckten Namen für ein gewisses surreales Ambiente. Überhaupt scheint das ganze Setting nur auf den ersten Blick in der realen Welt zu spielen, so enthoben wirkt das ganze Treiben.

Da wäre zum einen die Tonspur, auf der – sobald unsere Schwedinnen das Pensionat verlassen um Frühsport zu betreiben oder den Förster anzugeilen – penetrantes Vogelgezwitscher dominiert, das so hervorgehoben ist, dass mein Hund verwundert die Vögel im Wohnzimmer gesucht hat. Dazu gesellt sich das dauerhafte Huhu eines Uhus, der die Mädels im Wald zu verfolgen scheint. Darüber hinaus spielt SECHS SCHWEDINNEN IM PENSIONAT selbstverständlich in einer pornösen Parallelwelt in der sich Mädels dauern ausziehen und jede noch so absurde Aktion in schwülem Rumgebumse endet.

Highlights ist zweifellos der in Zeitlupe gefilmte Bocksprung-Exzess der Mädels, mit dem sie einmal mehr den Förster in den sexuellen Wahnsinn treiben wollen. Anschließend geht es – natürlich nackig – weiter auf den Fahrrädern um die Schönheit der heimischen Wälder zu genießen. Der Förster mit den viel zu engen Hosen wird aber natürlich nicht nur angeheizt, nein, er soll auch dafür sorgen, dass das Nesthäkchen der Gruppe – die verstörenderweise ständig am Daumen lutscht – endlich ihre Jungfräulichkeit verliert. Was zu einer – wohl nur für heutige gesellschaftliche Verhältnisse – eher ungemütlichen Vergewaltigung führt, die selbstverständlich wiederum zu sexueller Erfüllung führt. Diese Szene ist auch thematisch ein nicht ganz verständlicher Bruch, sind die Schwedinnen doch ansonsten das starke Geschlecht, das sich Sex nimmt wann es ihn will und ihn verweigert, wenn es ihnen nicht passt – was allerdings kaum vorkommt.

Und wenn gerade keine Männer anwesend sind, tun es auch die Fahrräder, die die Erfinderin der Mädelstruppe in schweißtreibender Arbeit zusammengezimmert hat. Inklusive Fahrradsattel mit eingebauter Dildo-Mechanik – da fragt man sich direkt, wie Inken in MÄDCHEN MÄDCHEN! wohl abgegangen wäre, hätte sie nicht nur einen normalen Fahrradsattel gehabt.

Im Zuge der Gleichberechtigung machen sich auch die Herren der Schöpfung mit schöner Regelmäßigkeit nackig und präsentieren ihre – zumeist – durchtrainierten Bodybuilding-Körper und ihre teils ausufernde Körperbehaarung. Auch der legendäre Eric Falk darf seinen haarigen und doch imposanten Körper zeigen, wenn er als Angler regelmäßig von der Pensionatsleiterin abgelenkt und flachgelegt wird.

Obwohl das Treiben außerordentlich explizit ist – aber dennoch komplett ohne Penetration, ist ja auch Softsex nicht Porno – und Biberfellliebhaber eindeutig auf ihre Kosten kommen, entbehrt das Geschubbere weitestgehend jeglicher Erotik, wofür auch die regelmäßigen Zwischenschnitte in die kernigen Gesichter der männlichen Darsteller sorgen. Ich denke allerdings, die wenigstens dürften sich einen SCHWEDINNEN-Film anschauen, um dabei entspannt Fünf gegen Willie zu spielen. Der Unterhaltungswert dürfte an anderer Stelle liegen. Daher gilt es für alle, die nicht Mütze-Glatze spielen, durchaus die Fernbedienung bereit zu haben, um die eine oder andere Sexszene vorzuspulen und so Längen zu vermeiden. Davon abgesehen allerdings unterhält Onkel Erwins erster Schwedinnen-Film mit herrlich blöden Dialogen, absurden Situationen und vielen teils absurd nackten Tatsachen.

In diesem Sinne: „Sehr gut, dann muss ich zuhause nicht mehr duschen!“

Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 1
Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 2
Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 3
Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 4
Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 5
Sechs Schwedinnen im Pensionat Bild 6
FAZIT:

SECHS SCHWEDINNEN IM PENSIONAT ist relativ harmloser, aber durchaus expliziter Sex-Klamauk wie ihn Onkel Erwin gerne hat. Viele hübsche Mädels turnen nackt durch die Gegend, machen den Förster scharf und obwohl die Sex-Szenen nicht gerade anregend sind, ist der Film spritzig und locker-leicht unterhaltsam. Filmisch gewiss kein großer Wurf – was mit Sicherheit auch nie angedacht war –, aber durchaus ganz nett anzuschauen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Erwin C. Dietrich am 15. März 2018 nach langer Krankheit verstorben. Der Schweizer Kinopionier, dem wir unzählige abseitige filmische Schönheiten zu verdanken haben, wurde 87 Jahre alt. Hier ein würdiger Nachruf.

WERTUNG: 7 von 10 kreativen Penis-Blumensträußen.
Dein Kommentar >>
toxic | 26.03.2018 19:51
Eine sehr schön süffisante Kritik, zu einem tollen Film, wenn man dieses Genre zu schätzen weiß. Passt nach einem durchzechten Wochenende super als Katerfilm, hilft gegen Kopfschmerzen und ist leicht verdaulich.
Und dass Onkel Erwin den Weg ins letzte Pensionat angetreten hat, wusste ich auch noch nicht. Schade, irgendwie...

8 von 10 Fahrradsattel, für alle, die gepflegtem Sleaze nicht abgeneigt sind
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