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Secretary - Womit kann ich dienen?

Secretary - Womit kann ich dienen?

OT: Secretary
KOMÖDIE: USA, 2002
Regie: Steven Shainberg
Darsteller: James Spader, Maggie Gyllenhaal, Jeremy Davies, Patrick Bauchau

STORY:

Lee Holloway war in der Psychatrie, weil sie sich geritzt hat und wird nun entlassen. Sie versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen und stürzt sich in eine Beziehung mit dem trotteligen Peter. Außerdem sucht sie Arbeit und findet eine Anstellung als Sekretärin in der Anwaltskanzlei des exzentrischen Mr. Grey. Stück für Stück kommen die beiden sich näher, auf eine Art, wie sie es nie für möglich gehalten hätten...

KRITIK:

Jahre bevor mit FIFTY SHADES OF GREY die Disney-Version von BDSM die feuchten Träume von braven Hausfrauen aufgepeppt hat oder dafür gesorgt hat, dass in den Baumärkten der Vororte regelmäßig die Kabelbinder ausverkauft sind. Und ebenso Jahre bevor jede Mutti plötzlich ihr eigenes Safeword hatte - wie es ein Bekannter von mir treffend ausgedrückt hat -, kämpfte Regisseur Steven Shainberg dafür, mit SECRETARY, Mary Gaitskills gleichnamige Kurzgeschichte über eine Dom/Sub-Beziehung, für die Leinwand zu adaptieren.

Im prüden Amerika war der Stoff natürlich viel zu heiß, denn Andersdenkende sind dort gar nicht gern gesehen und wenn es um Sex geht - dabei muss es ja noch nicht mal Sex "abseits der Norm" sein -, dann brennt dem gemeinen Ami schon mal die ein oder andere Sicherung durch. In Hollywood hatte Shainberg keinen Erfolg damit, Geld für seine Vision auftreiben. Glücklicherweise entschied er sich schließlich nach New York zu gehen und fand dort mit den beiden Produzenten Andrew Fierberg und Amy Hobby zwei Leute, die ihn in seinem Vorhaben unterstützen wollten.

Als Maggy Gyllenhaal und James Spader mit an Bord waren, gelang es schließlich auch genügend Financiers zu überzeugen in den Film zu investieren. Doch auch mit den beiden Stars war es schwer genug genügend Geld aufzutreiben, denn die Reaktion der meisten Leute an die Shainberg, Fierberg und Hobby herantraten waren nach eigener Aussage Shainbergs erst einmal die entsetzte Frage, ob SECRETARY denn ein Softporno werden sollte.

Doch weiter an der Realität kann dieser Gedanke gar nicht vorbeigehen, denn mit SECRETARY hat Shainberg alles andere als einen Softporno gedreht. Stattdessen hat er eine warme und intime Komödie geschaffen, deren Humor aus den Figuren kommt. Nicht über sie und ihre - in manchen Augen - vermutlich skurrilen Vorlieben lachen wir, sondern mit ihnen. Genauso wie wir mit ihnen leiden und fühlen. Es ist wahrlich fantastisch zuzusehen, wie Lee Holloway und Edward Grey Stück für Stück zu eigener und gegenseitiger Akzeptanz gelangen und endlich ihr Glück im Leben finden können.

Besonders Grey will sich lange selbst nicht eingestehen, beziehungsweise kann sich nicht eingestehen, wie er fühlt. Das mag daran liegen, dass er bisher niemanden hatte finden können, der seine Neigungen teilt, mit dem er sie hätte ausleben können, was zu einigen negativen Erlebnissen und Erfahrungen geführt hat. Zum Beispiel mit seiner Ex-Frau, der er seit der Trennung versucht aus dem Weg zu gehen. Weil er Angst davor hat zu sein wie er ist, stößt er am Ende sogar Lee weg. Und erst durch ihren Liebesbeweis findet er zu sich selbst und kann sich schließlich akzeptieren.

Lee hingegen hat weniger Probleme sich selbst ihre sexuellen Wünsche und ihr Verlangen einzugestehen. Das liegt natürlich vor allem daran, dass ihre Ergebenheit als Sub für sie eine Erlösung darstellt. Dass sie endlich die Erfüllung findet, die sie so lange in ihrer Selbstverstümmelung oder auch in der zum Scheitern vorbestimmten Beziehung mit Peter gesucht hat. Indem sie zu sich selbst findet, hilft sie ebenso Mr. Grey mit sich ins Reine zu kommen.

Es dürfte sich von selbst verstehen, dass ein Film wie SECRETARY hautpsächlich von der Chemie der beiden Hauptdarsteller lebt und leben muss. Es ist ein ganz großer Glücksgriff, dass Shainberg sowohl Maggie Gyllenhaal als auch James Spader für die beiden Hauptrollen gewinnen konnte. Jeder für sich verkörpert seine Rolle in einer unbeschreiblich intensiven Art und Weise. Diese beiden, das sind Lee Holloway und Edward Grey. Sie sorgen dafür, dass die Figuren zu atmen beginnen, zu fühlen, zu denken - einfach zu leben. Und dafür, dass wir sie gerne auf ihrem Weg begleiten.

In diesem Sinne: "Ich fühle mehr, als ich jemals gefühlt habe."

Secretary - Womit kann ich dienen? Bild 1
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Secretary - Womit kann ich dienen? Bild 7
FAZIT:

SECRETARY ist ein umwerfend charmanter Film, eine ruhige und dezent schwarze Komödie mit dem Herz am rechten Fleck. Niemals gibt er seine Figuren der Lächerlichkeit Preis. Sensibel, mit der richtigen Mischung aus Humor und Drama, erzählt er die Geschichte eines Paares, das zu sich selbst findet. Denn am Ende geht es in SECRETARY nicht um ein Dom/Sub-Verhältnis, nicht mal um BDSM im Allgemeinen. Nein, es geht schlicht und einfach um die Liebe zwischen zwei Menschen. Die Liebe zu sich selbst. Und um die Kraft sich selbst und seine Gefühle zu akzeptieren.

WERTUNG: 10 von 10 Löffel von dem Kartoffelpüree, ein Stück Butter und vier Erbsen.
Dein Kommentar >>
Noema | 10.05.2016 14:05
Mein erster Beitrag auf eurer wunderbaren Seite, zu einer wunderbaren Rezi zu einem wunderbaren Film!

Und die 10 von 10 passen ja so was von!
>> antworten
Harald | 05.05.2016 21:37
Tolle Review, viel, viel besser als mein Uralt-Text, den ich jetzt gleich gelöscht habe.
Erich H. | 15.05.2016 11:16
Großartige Review von einem wirklich guten Film. Und ein Schock, Spaders Filmname Grey. Anderseits kriegt "Shades of Grey" einen ganz anderen Kontext dadurch.
Harald | 15.05.2016 12:29
Der nächste Schock: James Spader heute. Ich meine, wir alle werden älter. Aber er ist kaum mehr wiederzuerkennen.
Johannes | 15.05.2016 15:14
Hmm, finde ich jetzt gar nicht so schlimm. Ich denke, wenn er sich die Haare wieder wachsen lassen würde, sähe er gleich 10 Jahre jünger aus.
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