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KOMÖDIE: DEUTSCHLAND, 1985
Regie: Dieter Pröttel
Darsteller: Mike Krüger, Susanne Uhlen, Claudia Neidig, Christian Wolff

STORY:

Mike Krüger ist Norbert, genannt Nobbie, und der kann's kaum fassen - eines Tages ist er schwanger. Damit wird sein bisher gemütliches Leben plötzlich verdammt kompliziert...

KRITIK:

Fast 10 Jahre bevor Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito zusammen Vater wurden, schlüpfte Mike Krüger, unter der Regie von Dieter Pröttel, in die Rolle des Mannes mit "Braten in der Röhre". Die Ähnlichkeiten sind schon frappierend, weswegen Pröttel, laut cinema, 1994 auch die Produzenten von JUNIOR verklagte. Ob was dabei rausgekommen ist, ist mir nicht bekannt, ich vermute aber eher nicht viel.

Jedenfalls ist JUNIOR der deutlich erfolgreichere und bekanntere Film der beiden, was nicht weiter verwunderlich ist, schließlich ist SEITENSTECHEN eine deutsche Produktion und noch dazu eine aus der großen Zeit der bundesdeutschen Blödel-Exploitation. Und JUNIOR hat Schwarzenegger und DeVito.

Aber dafür hat SEITENSTECHEN Mike Krüger und der war vor Äonen tatsächlich ein begnadeter Komiker. So gefällt er mir in der Rolle des rumhurenden Norbert – der aber irgendwie doch ein gutes Herz hat... so ein bisschen jedenfalls – eigentlich ziemlich gut. Klar, die Rolle unterscheidet sich nicht sonderlich von der des Mike in den Supernasen-Filmen. Aber Krüger ist auch eher Darsteller als Schauspieler.

So stolpert Nobbie von einer Situation in die nächste, denn trotz eigentlich stringenter Geschichte, ist SEITENSTECHEN so episodenhaft geraten, wie man es von der Blödel-Exploitation-Schmiede LISA Film gewohnt ist. Die Montage ist dabei der beste Freund des Regisseurs Dieter Pröttel – der ja schon DIE SUPERNASEN und ZWEI NASEN TANKEN SUPER mit Krüger und Gottschalk auf Zelluloid bannte – und jedes Mal, wenn der Film sich festzufahren scheint, gibt es erst mal eine Montage zur Auflockerung.

Bei diesen LISA Film-Blödelkomödien ist es außerdem fast Gang und Gäbe, dass Szenenübergänge fehlen, oder Zusammenhänge getrost ignoriert werden. In SEITENSTECHEN wird das fast schon zur Kunstform erhoben. So trennt sich in der Mitte des Films Norberts Freundin Monika von ihm. Am Ende, als Norbert dann bei Gottschalk im Fernsehen auftritt und er in der Maske sitzt, kommt sie plötzlich zur Tür rein. Sie umarmen sich, und es scheint, als wären sie wieder ein Paar – ohne, dass das auch nur irgendwie vorbereitet oder angedeutet worden wäre. Genauso sind Nobbies beste Freunde am Ende wieder zusammen, nachdem sie sich wegen ihm getrennt hatten – was wir davon erfahren ist, dass die beiden zusammen im Bett liegen und sich sagen, wie schön sie es finden, dass sie wieder zusammen sind. Ich würde ja wirklich gerne mal ein paar dieser Blödel-Exploiter Robert McKee geben, damit er eine Drehbuchanalyse dazu erstellt. Der arme Mann würde schlagartig 50 Jahre altern – was bei seinem Alter nicht ratsam wäre.

Eine der besten Szenen ist im Übrigen Nobbies Auftritt bei Thomas Gottschalks Show NA SOWAS! Zum einen natürlich, weil die beiden wieder zusammen vor der Kamera stehen. Zum anderen, weil das Ganze so improvisiert aussieht, dass man den Eindruck gewinnen könnte, es seien echte Ausschnitte aus der Show. Dass es Drehbuchseiten dafür gab, mag ich jedenfalls nicht glauben.

Vom Ende indes, fühle ich mich als Zuschauer mittelschwer betrogen. Die ganze Chose in einer "Oh, es war ja nur ein Traum"-Nummer aufzulösen, ist einfach nur beschämend blöd. Das ist so ziemlich die billigste und abgedroschenste Masche die man sich für so eine Geschichte als Auflösung ausdenken kann.

In diesem Sinne: "Treiben Sie Sport?" - "Reiten." - "Ich verstehe!"

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FAZIT:

SEITENSTECHEN ist bei weitem kein Meilenstein der Blödel-Exploitationschmiede LISA Film. Zwischenzeitlich zieht er sich ein wenig und Norberts – nie angesprochene – Fixierung auf Micky Maus ist leicht verstörend. Dazu kommt das extrem bekloppte Ende, das sich als mittelschwere Frechheit entpuppt. Dazwischen gibt es aber immer wieder lustige Momente und Krüger bringt genug Esprit mit, um den Quatsch dann doch zu retten. Gewiss kein Pflichtprogramm. Aber – eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit gegenüber deutscher 80er-Blödelei vorausgesetzt –  doch ganz nett für ruhige Sonntagvormittage.

WERTUNG: 5 von 10 merkwürdigen Micky Maus Pullovern.
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