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Serie in Schwarz

Serie in Schwarz

OT: Suite noire
NEO-NOIR (TV-SERIE): F, 2009
Regie: Emmanuelle Bercot, Orso Miret, Guillaume Nicloux, Brigitte Roüan u.a.
Darsteller: Lubna Azabal, Jean-Quentin Châtelain, Francis Renaud, Yann Trégouët

STORY:

Bei der SUITE NOIR handelt es sich um eine sehr interessante Miniserie des französischen Fernsehens aus dem Jahre 2009, bei dem acht Kriminalromane von acht verschiedenen französischen Autoren von acht verschiedenen französischen RegisseurInnen verfilmt wurden.

KRITIK:

Dabei handelt es sich weniger um eine Serie im klassischen Sinne, da die acht jeweils einstündigen Krimis inhaltlich nicht zusammenhängen. Verbunden sind diese (Fernseh-)Filme lediglich durch die Tatsache, dass jeder einzelne im weiteren Sinne als ein Neo-Noir bezeichnet werden kann. Bei einzelnen Vertretern dieser Reihe erscheint diese Zuordnung allerdings ein wenig fragwürdig. Doch wer könnte sich solch eine Bezeichnung denn eher erlauben, als die Franzosen?!

Denn schließlich war es der französische Filmkritiker Nino Frank, der im Jahre 1946 den Begriff "Film noir" als eine Bezeichnung für einen neuen Trend von düsteren Thrillern aus den USA geprägt hatte. Und diese Filme wiederum waren inspiriert von amerikanischen Hardboiled-Autoren, deren Bücher in Frankreich mit schwarzen Einbänden erschienen. Sie waren also ebenso "noir" wie der italienische Giallo, der von in gelben Einbänden erschienenen Mystery-Thrillern inspiriert wurde, "giallo" war.

Und "Suite Noir" hieß auch die von Jean-Bernard Pouy angeregte Reihe von Kriminalromanen, welche die Vorlage für die SERIE IN SCHWARZ lieferte. Bei deren filmischer Umsetzung arbeiteten alle Regisseure eng mit den jeweiligen ursprünglichen Autoren zusammen. Letztere waren zumeist auch an der Drehbucherstellung beteiligt bzw. haben diese zum Teil gleich noch komplett selber geschrieben. Diese Herangehensweise hat sicherlich dazu beigetragen, dass es sich bei der SUITE NOIR um ein insgesamt sehr gelungenes Projekt handelt.

Die komplette Serie ist soeben bei dem Label Edel:Motion (Arte Edition) erschienen. Die Veröffentlichung bietet jeweils zwei Filme auf vier DVDs mit der deutschem Synchronisation und dem französischem Originalton. Die dicke Softbox steckt in einer sehr schönen schwarzen Hardbox und bietet neben kurzen Interviews bzw. einem Making Of zu jedem Film ein Booklet mit kurzen Infos zu den einzelnen Filmen und den entsprechenden Buchveröffentlichungen. Dies ist eine sehr schöne deutsche DVD-Veröffentlichung, die diesem interessanten Projekt durchaus gerecht wird.

Serienmörder wider Willen

Der mit NÄCHSTE AUSFAHRT MORD betitelte erste Teil der Reihe ist eine rabenschwarze Komödie. In ihr wird der ebenso erfolgreiche wie harmlose Saubermann Gabriel (Manuel Blanc) aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände ungewollt zum Serienmörder. Na ja, ganz so ungewollt geschieht dies nun auch wieder nicht, denn sobald erst einmal das erste Opfer da ist, müssen eben die potentiell das Saubermann-Image gefährdenden Zeugen beseitigt werden ...

VITRAGE À LA CORDE ist der Debütfilm des Comiczeichners Laurent Bouhnik und der optisch am stärksten durchstilisierte Teil der SERIE IN SCHWARZ. Leider gereicht dies diesem Filmchen jedoch nicht wirklich zum Vorteil, da er oftmals recht billig daherkommt. Auf mich wirkte dieses Flick jedenfalls ein wenig wie die TV-Variante von MORTAL TRANSFER. Wobei die schablonenhafte Figurenzeichnung zwar den Comic-Effekt verstärkt, nicht jedoch das Interesse des Zuschauers am Handlungsablauf. Trotzdem bleibt das immer groteskere Züge annehmende Geschehen in seiner Skurrilität hinreichend unterhaltsam, um einen bis zum Ende bei der Stange zu halten.

Kochen will gelernt sein!

Immer wieder diese unsägliche Sellerie-Remoulade! Die kann natürlich kein wahrer Gourmet auf die Dauer ertragen. Nur allzu verständlich, dass der Weinhändler Gerard (Nils Arestrup) seine der hohen Kochkunst unfähige Ehefrau eines Tages im Affekt am Esstisch erschießt. Das einzige Problem hierbei: Wo bekommt der anspruchsvolle Feingeist nun eine neue Köchin her?

Zum Glück lernt Gerard per Zufall eine obdachlose junge Frau kennen, die sich in der Küche sehr schnell als eine wahre Zauberin entpuppt. Aber so ganz unfehlbar ist leider auch sie nicht ...

SCHIESSEN SIE AUF DEN WEINHÄNDLER ist der zweite Film der SUITE NOIR und der zweite Film auf der ersten DVD der aktuellen Veröffentlichung von Edel:Motion. Diese beiden Teile bilden zusammen ein gutes Duo, da beide Filme durch einen unglaublich pechschwarzen Humor gekennzeichnet sind. Davon abgesehen ist TIREZ SUR LE CAVISTE jedoch wesentlich ruhiger und ernsthafter gehalten und wirkt in seiner ersten Hälfte fast wie ein schwarzhumoriges Drama. Die erste halbe Stunde erscheint dann auch fast schon wieder ein wenig konventionell. Doch in der zweiten Hälfte zeigt sich dann, dass hier ein wirklich intelligenter Autor die Vorlage geliefert hat. Und nach einer Stunde ist klar, dass dies einer der besten Teile der SERIE IN SCHWARZ ist, den nur seine kürzere Laufzeit von einem Kinofilm unterscheidet!

Rock´n´ Roll-Daddy

PAPAS MUSIK, der dritte Teil der SUITE NOIR ist eine klassische Vater-Sohn-Geschichte: Als der geschiedene und ruinierte Musikproduzent Jules (Antoine Chappey) herausfindet, dass sein eigener Sohn ein vielversprechender Nachwuchsmusiker ist, drängt er sich sofort auf, dessen Band zu produzieren. Mit der Finanzierung der Studioaufnahmen zu deren erster Veröffentlichung versucht sich Jules ganz ungeniert die verlorene Liebe seines Sohnes zurück zu kaufen und nebenher auch noch sein eigenes Business zu retten. Ganz klar, dass dies - zumindest in einem Film noir - nur schiefgehen kann...

Der Regisseur Patrick Grandperret sagt selbst in dem Interview zu seinem Film, dass dieser zumindest für eine Minute am Ende zu einem Film noir werden würde. Ob es sich deshalb nun allerdings tatsächlich um einen richtigen Film noir handeln würde, dass wisse er nicht. Viel mehr habe ihn die Vater-Sohn-Geschichte gereizt, da diese ihn fatal an die Beziehung zu seinem eigenen Sohn erinnert habe.

Ist natürlich schön für diesen Regisseur, dass er durch diese kleine Arbeit eine Möglichkeit bekommen hat, die offensichtlich verkorkste Beziehung zu seinem eigenen Sprössling ein wenig aufzuarbeiten. Weshalb dieser Beitrag nun aber ein Teil der SERIE IN SCHWARZ geworden ist, vermag ich nicht so recht zu sagen. Jedenfalls verhindert nur der grandios spielende Antoine Chappey, dass man nicht sofort das Interesse an dieser wenig aufregenden, leicht durchschaubaren Story verliert...

Knast-Radio

Christa ist die Moderatorin einer Radio-Sendung, in der sie einsame und frustrierte Knackis zu Worte kommen lässt. Als einer von ihnen entlassen wird, sorgt sie nicht nur dafür, dass er einen Job bei ihrem Radio bekommt, sondern beginnt auch noch eine leidenschaftliche Affäre mit ihm. Doch dieser Manu treibt sein ganz eigenes Spiel...

NUR DJS GIBT MAN DEN GNADENSCHUSS ist der zweite Film auf der zweiten DVD der SERIE IN SCHWARZ und bildet wiederum zusammen mit dem dritten Teil ein loses Doppel. Beide Teile sind, wie bereits an den jeweiligen Titeln erkenntlich, durch das Thema Musik miteinander verbunden. Und auch ON ACHÈVE BIEN LES DISC-JOCKEYS erzählt erneut eine Vater-Sohn-Geschichte, die hier jedoch unter anderem durch die zusätzlich im Zentrum der Geschichte stehende Liebesbeziehung verkompliziert wird.

Davon abgesehen könnten diese beiden Filme kaum verschiedener sein. Denn während PAPAS MUSIK ebenso abgehangen, wie die titelgebende Mucke wirkt, handelt es sich bei DJS um ein wirklich spannendes Filmchen, das auf gekonnte Weise Elemente des Drama mit einer Thrillerhandlung verknüpft und das durch relativ unaufdringlich eingebrachte sozialkritische Untertöne zusätzlich aufgewertet wird. Dies ist eindeutig ein starker Beitrag zu der SERIE IN SCHWARZ.

Falsches Geschlecht und falsche Scheine

DIE KÖNIGIN DER PFEIFEN handelt von der abgerissenen "Annabelle", die unglücklicherweise in den Körper eines Mannes geboren wurde. Obwohl sie bereits seit Jahren ihr Geld für eine Geschlechtsumwandlung spart, scheint diese für sie weiterhin in weiter Ferne zu liegen, ein Umstand, der sie bis an den Rand des Selbstmords treibt. Glücklicherweise bekommt sie unverhofft die Gelegenheit sich an einem größeren Deal mit Falschgeld zu beteiligen, doch damit gehen ihre Probleme erst richtig los...

LA REINE DES CONNES ist einer der originellsten und auch eindeutig einer der allerbesten Beiträge der SUITE NOIR. Die Geschichte bietet eine(n) wirklich ungewöhnliche(n) ProtagonistenIn, mit dem/der wirklich bis zum Ende mitgefiebert werden kann. Und so ungewöhnlich wie die geschilderte Ausgangslage, so entwickelt sich auch der weitere Handlungsverlauf.

Hinzu kommt, dass dieser Film, ebenso wie DJS nicht nur äußerst spannend, sondern auch sozial engagiert daherkommt, ohne dass die Freude des Zuschauers durch einen penetrant erhobenen Zeigefinger getrübt wird. Dabei ist dieser Beitrag im direkten Vergleich zu DJS noch eine gute Spur raffinierter und zugleich subtiler ausgefallen. Dies ist eindeutig ein Fernsehfilm, der mit etwas längerer Laufzeit auch sehr gut für die große Leinwand geeignet wäre.

Viel Tamtam um Nichts

Ambroise arbeitet als Illustrator für einen drittklassigen Herausgeber von Schauergeschichten. Als er den Autor des geplanten neuen Buchs: DAS TANTAM DER ANGST zuhause trifft, vermacht ihm dieser eine ganze Kiste voll von (faulem?) Voodoo-Zauber. Als Ambroise dann auch noch herausfindet, dass er der Besitzer des letzten Exemplares eines unschätzbar wertvollen alten Designerstuhls ist, scheint sich das Blatt für den chronisch unterbezahlten Zeichner endlich gewendet zu haben. Doch natürlich kommt alles ganz anders als erwartet und nur zu natürlich, dass der schüchterne Nobody nun völlig durchzudrehen beginnt...

Die Inhaltsangabe von DAS TANTAM DER ANGST lässt vermuten, dass es sich hier um einen recht originellen Beitrag zur SERIE IN SCHWARZ handeln könnte. Und tatsächlich machen die äußerst skurrile Charaktere dieser Geschichte zunächst einmal wirklich Laune. Hinzu kommt, dass einen zahlreiche Zeitsprünge bis kurz vor Ende darüber im Unklaren lassen, was hier nun wirklich geschieht bzw. warum hier was bereits geschehen ist.

Doch zu diesem Zeitpunkt dürfte dies einem Großteil der Zuschauer auch bereits ziemlich egal sein. Denn tatsächlich entpuppt sich DAS TANTAM DER ANGST mit seinem aufgesetzten Slapstick-Humor recht bald als ebenso dämlich, wie der Titel des (zumindest in der deutschen Fassung) titelgebenden Schundromans. Dieses Filmchen mag vielleicht die Liebhaber groben Klamauks entzücken. Doch allen anderen rate ich doch eher ab.

Wer schön sein will muss leiden!

Ein alter Bekannter beauftragt den in Marseille lebenden Privatdetektiv Corbucci mit dessen ersten Fall. Es geht um Ermittlungen zu dem mysteriösen vorzeitigen Ableben einer Dame, die sich einer Schönheits-OP unterzogen hatte. Corbuzzis Freude über seine erste berufliche Herausforderung verfliegt jedoch immer mehr, desto tiefer er in einen Sumpf aus mafiösen Machenschaften und Korruption eintaucht, dessen wahre Ausmaße er viel zu spät erkennt...

SCHÖNHEIT MUSS STERBEN ist der Beitrag der SUITE NOIR, der sich am stärksten am klassischen Film noir orientiert. Hierbei gelingt der Regisseurin Brigitte Roüan ein durchaus unterhaltsamer und spannender Neo noir, der eine zunächst scheinbar kleine Geschichte als Anlass nimmt, um ein schier undurchdringliches Geflecht aus kriminellen Verbindungen zwischen einer skrupellosen Wirtschaft, einem bestechlichen Polizeiapparat und korrupten Politikern aufzudecken.

So entpuppt sich LE DEÉBARCADÈRE DES ANGES am Ende als ein mediterraner politischer Thriller, wie man ihn in den 70er Jahren vor allem in Italien kannte und dessen damals wohl exponiertester Vertreter ein gewisser Damiano Damiani war. Jener hatte mit ALLEIN GEGEN DIE MAFIA nicht nur die anspruchsvollste europäische Krimiserie der 80er-Jahre, sondern 1971 mit DER CLAN DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT sogar den kommerziell erfolgreichsten italienischen Film aller Zeiten geschaffen. Wer will da noch behaupten, dass sich Anspruch und Unterhaltung gegenseitig ausschließen würden ?!?

Black is noir

Sara kommt aus dem Kongo illegal nach Paris und muss dort ihre Schulden für das Flugticket und die falschen Papiere als Prostituierte abarbeiten. Neben ihrer Arbeit als Professionelle malt sie und träumt von einer Karriere, wie sie der von Andy Warhol entdeckte Michel Basquiat geschafft hatte. Als Sara das Geld zur Rückzahlung ihrer Schulden bereits fast zusammen hat, wird es ihr gestohlen und ihre Mitbewohnerin ermordet. Doch Sara hat keineswegs vor sich ihrem Schicksal zu ergeben...

DIE STADT BEISST zeigt ein schonungsloses Portrait eines schwarzen Paris, das ausnahmslos von Prostituierten, Dealern und Junkies bevölkert zu sein scheint und wie man es bisher eigentlich nur von Filmen aus den USA her kannte. Doch der hehre sozialkritische Anspruch kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Story im Endeffekt nicht wirklich zu zünden versteht. Übrig bleibt das relativ interessante Portrait einer gleichermaßen verlorenen, wie zum Widerstand gegen ihr Schicksal entschlossenen Frau.

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FAZIT:

Bei der SUITE NOIR handelt es sich um ein ebenso anspruchsvolles wie gelungenes Projekt des französischen Fernsehens, bei dem acht verschiedene französische Regisseure acht Kriminalgeschichten von acht verschiedenen französischen Autoren verfilmt haben. Auch wenn nicht jeder Beitrag wirklich überzeugen kann, so sind selbst die weniger gelungenen Teile der SERIE IN SCHWARZ immerhin noch durchschnittlich. Der überwiegende Teil dieser jeweils einstündigen Filme ist jedoch wirklich gut und einige sogar sehr gut geworden. Insgesamt kann hier bedenkenlos eine klare Empfehlung ausgesprochen werden!

WERTUNG: 7 von 10 tragikomische Helden im düsteren Frankreich der Gegenwart
TEXT © Gregor Torinus
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