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Shotgun Stories

Shotgun Stories

INDEPENDENT: USA, 2007
Regie: Jeff Nichols
Darsteller: Michael Shannon, Douglas Ligon, Barlow Jacobs, Michael Abbott Jr., Travis Smith, David Rhodes

STORY:

Das südöstliche Arkansas. Son, Boy und Kid Hayes leben in ärmlichen Verhältnissen und arbeiten hart für ihren geringen Lohn. Als der Vater der drei Brüder von seiner neu gegründeten Familie beerdigt wird, löst die Grabrede Sons eine blutige Fehde aus.

KRITIK:

Son, Kid und Boy. Schon die Namen der Jungen lassen auf das Verhältnis schließen, das der Vater der mittlerweile erwachsenen Männer zu seinen Söhnen hatte. Während er die drei Jungs aufzog, trank der Vater (der im Film nicht zu sehen ist), überließ die Erziehung der überforderten Mutter um die Familie kurze Zeit später zu verlassen, trocken zu werden, dem Christentum beizutreten und eine neue Familie zu gründen.

Es entstehen neue Hayes Jungs: Cleaman, Mark, John und Stephen. Charakterlich veränderte sich der Mann und machte mit dieser Familie anscheinend alles richtig. Da ist es nicht weit her geholt, dass Son, Kid und Boy, zusätzlich aufgehetzt von der von Depressionen zerfressenen Mutter, Hassgefühle auf Daddys neue Familie projizieren.

Diesem Hass macht Son auf der Beerdigung des Vaters Luft und löst so eine Tragödie aus.

Zurückhaltend und unaufdringlich kommt das Erstlingswerk von Jeff Nichols daher. Geprägt von einem ruhigen Folk-Soundtrack und immer wiederkehrenden Landschaftsaufnahmen schlägt Nichols von Anfang an eine ruhige Gangart ein. Denn der Film lebt nicht von plakativen Gewaltbildern oder den üblichen Merkmalen von Rachedramen im amerikanischen Kino.

Shotgun Stories lebt vom Unausgesprochenen und vom nicht Gezeigten. Die Gewalt des Films liegt im Subtext, verbirgt sich in kleinen Details die jedoch eine große Wirkung entfalten. Vieles bleibt unausgesprochen und im Verborgenen. Und genau das geht buchstäblich unter die Haut, denn die Vorstellungskraft des Zuschauers birgt meist viel mehr Wucht und Dramatik als das gezeigte Bild.

Auch konzentriert sich Nichols nicht auf die Darstellung von Rache, sondern auf die Folgen für die Betroffenen. Genau das hebt Shotgun Stories von thematisch vergleichbaren Werken ab. Eine griechische Tragödie sozusagen, denn jeder der Beteiligten ist verstrickt in Schuld und kann sich aus dieser nicht mehr befreien.

Jede Handlung der Beteiligten verschlimmert die Blutfehde weiter. Auf diese Weise fällt es dem Zuschauer schwer sich auf eine Seite zu schlagen, es fehlt die Legitimation der Gewalt, wenn es diese überhaupt je gegeben hat.

Auch schauspielerisch wird hier alles richtig gemacht, vor allem Michael Shannon zeigt das von ihm gewohnte Niveau.
Ein beeindruckender Film, der meines Wissens nur im Original zu sehen ist, eine deutsche Fassung ist mir jedenfalls nicht bekannt.

Shotgun Stories Bild 1
Shotgun Stories Bild 2
Shotgun Stories Bild 3
Shotgun Stories Bild 4
FAZIT:

Shotgun Stories macht dem Independentfilm alle Ehre, wem Winter's Bone und Monsters Ball gefallen hat, sollte hier zuschlagen!

WERTUNG: 8 von 10 sich selbst einschaltende Autoradios
TEXT © Djan Hajo
Dein Kommentar >>
Djan | 01.08.2011 00:45
wieder ein paar böse rechtschreibfehler, es heisst natürlich Legitimation, nicht Legimitation....
sorry...
Mauritia M. | 03.08.2011 21:44
"Legimitation" ist aber eine interessante, vielleicht sogar diskussionswürdige Wortkreation :)
Djan | 14.08.2011 15:10
sollte man im duden eintragen lassen!
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