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Sommer in Orange

Sommer in Orange

KOMÖDIE: DE, 2011
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Petra Schmidt-Schaller, Amber Bongard, Georg Friedrich, Oliver Korittke

STORY:

Auf der Suche nach Erleuchtung zieht eine Gruppe von Bhagwan-Anhängern Anfang der 80er Jahre vom hippen Berlin in ein bayrisches Provinznest. Flugs wird ein alter Bauernhof zu einem "Therapiezentrum" erklärt und mit Urschreitherapie und Mediation begonnen. Die Dorfbevölkerung hat wenig übrig für die "Verrückten", die halbnackt durch den Garten tanzen und Bäume umarmen. Probleme und Missverständnisse sind also vorprogrammiert ...

KRITIK:

"In Bayern? Seid ihr bekloppt? Wart ihr da schon Mal? Ihr seid doch vollkommen bekloppt..."

"Sommer in Orange" erzählt die Geschichte einer Bhagwan-Kommune, die in der bayrischen Provinz aufmischt. Interessanterweise werden die Erlebnisse aus Sicht eines Kindes erzählt. Das liegt daran, dass Drehbuchautorin Ursula Gruber in "Ein Sommer in Orange" ihre eigene Kindheit verarbeitet. Gruber wuchs tatsächlich unter Bhagwan-Anhängern auf und hatte damit nicht gerade das einfachste Los gezogen.

Ursprünglich als Drama geplant, entstand dann irgendwie doch eine Komödie, die aber auch durchaus einen ernsten Hintergrund hat. Erzählt wird die Geschichte von Lili (Amber Bongard) und ihrem kleinen Bruder, den einzigen Kindern, die in der Kommune leben. Beide tun sich anfangs schwer, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen, nicht zuletzt da die anderen Kinder den orange gekleideten Geschwistern ablehnend gegenübertreten. Vor allem Lili leidet sehr unter der Situation, muss sie doch allein mit ihrem Bruder und ihren Problemen klarkommen, während ihre Mutter (Petra Schmidt-Schaller) lieber ihre Kindheit aufarbeitet und die anderen Kommune-Mitglieder (u.a. Georg Friedrich und Oliver Korittke) auch nur mit sich selbst beschäftigt sind.

"Oh Mann Leute, Liebe, Liebe schließt alle Menschen mit ein."

Klingt ja erst einmal eher nach einem Drama, das Ganze. Dass der Stoff aber durchaus auch über komisches Potential verfügt, zeigt Regisseur Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt ist länger tot) recht eindrücklich. Zugegeben, der Gedanke, dass ein bigottes bayrisches Provinzkaff von durchgeknallten Hippies überrannt wird, ist ja auch ganz lustig. Und die Konstellation sorgt für allerlei komische, teils aber auch recht platte Szenen.

"Naja, Herr Pfarrer, Sie wissens jo selber, wir san normerlweise net so, aber des..."

Auch wenn "Sommer in Orange" jetzt eher mit dem Holzhammer als mit feinen, hintersinnigen Humor aufwartet, so rennt der Schmäh doch recht ordentlich, was dazu führt, dass der Film im Großen und Ganzen unterhaltsam ist. Dies liegt nicht zuletzt am spielfreudigen Cast. Man merkt den Schauspielern an, dass sie wohl eine mordsmäßige Gaudi gehabt haben dürften.

"Sag mal geht das denn überhaupt. I mein, jetzt rein energetisch gesehen, der totale Supergau.."

Allerdings zündet nicht jeder Gag. Für meinen Geschmack waren ein paar Schmähs doch zu sehr Bauerntheatermäßig. Ist aber Geschmackssache.

Dadurch, dass Ursula Gruber ihre eigenen Erlebnisse verarbeitet, kann man "Sommer in Orange" sogar ein wenig als eine Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit ansehen. Soll heißen: Nicht nur die bigotte Dorfbevölkerung bekommt ihr Fett weg, nein es sind vor allem die ach so offenen Love und Peace-Jünger, die ordentlich demaskiert werden. Ist halt nicht so einfach mit der freien Liebe wenn Gefühle wie Eifersucht ins Spiel zu kommen. So was ist natürlich lustig anzusehen. Klar, dass man sich als Zuseher irgendwann die Frage stellt, wer denn nun die wahren Spießer sind.

"Der will dich doch nur pudern..."

Trotz alldem ist "Sommer in Orange" leider nicht der große Wurf geworden. Der Film ist unterhaltsam, in seinen besten Momenten entlarvend und gut gespielt. Allerdings ist ein Großteil der Figuren an der Grenze zur Karikatur angelegt oder haben diese streckenweise schon überschritten. So was kann teilweise ja ganz lustig sein, führt allerdings dazu, dass einem die Figuren und ihr Schicksal größtenteils egal sind. Außerdem sind solche Dinge im Drama-Teil tödlich. Klar, die Schauspieler geben ihr Bestes und versuchen ihren Figuren auch etwas Erdung zu geben, aber wenn das Drehbuch keine wirklichen Ecken und Kanten zulässt meist vergebens. Dadurch, dass einem die Figuren und ihr Schicksal nicht nahegehen wirkt der ruhigere, dramatischere Teil des Films leider viel zu oft einfach nur öde.

"Mei Muatter zieht sich auf jeden Fall net nokat aus und tanzt im Garten rum!"

Dennoch ist "Sommer in Orange" eine unterhaltsame Komödie, aus der Geschichte hätte man aber weitaus mehr herausholen können.

Sommer in Orange Bild 1
Sommer in Orange Bild 2
Sommer in Orange Bild 3
Sommer in Orange Bild 4
Sommer in Orange Bild 5
Sommer in Orange Bild 6
Sommer in Orange Bild 7
Sommer in Orange Bild 8
Sommer in Orange Bild 9
FAZIT:

Mit "Sommer in Orange" schuf Regisseur Marcus H. Rosenmüller eine nette "Culture-Clash"-Komödie, die durchaus auch ernste Töne anschlägt. Auch wenn der Film lustig und entlarvend zugleich ist, so ist der Film in gewisser Weise auch ein wenig enttäuschend.

Etwas feinsinniger Humor und mehr Tiefe bei den Figuren hätten dem Film gut getan und vielleicht sogar dazu geführt, dass einem das Geschehen auf dem Bildschirm nicht nur unterhalten sondern sogar berührt.

Vielleicht waren meine Erwartungen nach Wer früher stirbt ist länger tot einfach zu hoch. Dabei ist "Sommer in Orange" eigentlich kein so schlechter Film. Aber halt auch kein wirklich guter.

 

WERTUNG: 5 von 10 Gruppenumarmungen
TEXT © Gerti
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