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State of Play - Stand der Dinge

State of Play - Stand der Dinge

OT: State of Play
THRILLER: USA, 2009
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Russel Crowe, Rachel McAdams, Ben Affleck, Helen Mirren

STORY:

Newspaper-Thriller … vor der Jahrtausendwende ein Fixpunkt auf Leinwand und Mattscheibe, sind mit dem Siegeszug dieses bösen Internetz-Dings rar geworden. Mutige Reporter die ihr Leben und den Redaktionsschluss für die eine große Story aufs Spiel setzen, sind Auslaufmodelle. Heute machen Blogger die Nachrichten - die halten sich erst gar nicht lange mit unnötigen und kostspieligen Dingen wie Recherche auf, sie sind natürlich auch jünger, hipper und hübscher (Rachel McAdams) als ihre Urahnen in der Print-Redaktion (Russel Crowe). Regisseur Kevin Macdonald ("The Last King Of Scotland") bringt diese beiden Welten, die gar nicht so weit auseinander liegen, in diesem Remake der gleichnamigen BBC-Miniserie auf unterhaltsame und spannende Weise zusammen.

Gemeinsam mit dem alten Haudegen Cal McAffrey (Crowe) versucht die junge Online-Redaktuerin Della Frye (McAdams) den Mord an einem schwarzen Drogensüchtigen, der ins Visier einens professionellen Killers geraten ist, aufzuklären. Der hat auch gleich noch den zufällig vorbeikommenden Pizzalieferanten ins Koma geschickt. Wirklich brisant wird der Fall allerdings erst, als die Assistentin des aufstrebenden Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) vor die U-Bahn gestoßen wird: McAffrey stößt durch Zufall auf eine Verbindung zwischen den beiden scheinbar völlig unabhängigen Morden.

KRITIK:

Russell Crowe ist ein beeindruckender Schauspieler. Vor allem seine Wandlungsfähigkeit ist jedesmal wieder atemberaubend. Vom schwabbeligen, introvertierten Chemiker in "Insider" (1999) zum gestählten "Gladiator" (2000) war wohl seine beeindruckendste Metamorphose - doch auch in diesem Thriller übernimmt der gebürtige Neuseeländer eine Rolle, in der er ziemlich gegen den Strich besetzt wurde: ein alternder, aber von echter Druckwerschwärze überzeugter Redaktuer mit leichtem Hippie-Touch und Neigung zu Folk-geprägter Rockmusik.

Zwei Minuten Crowe in dieser Rolle und eine spektakulär inszenierte Verfolgungsjagd gleich zu Beginn des Films - mehr musste ich nicht sehen, um zu wissen, dass mir dieser Film gefallen wird. Nun ist diese Verfolgungsjagd keineswegs deshalb spektakulär, weil sie mit Explosionen und CGI vollgestopft ist - nein, sie ist so einfach gestrickt, wie nur möglich: böser Mann verfolgt vermeintlich guten Mann zu Fuß durch die Straßen einer Großstadt - und die ganze Szene dauert vielleicht 30 Sekunden. Die Stunts und die Verfolung wirken dabei aber derart real und plastisch, dass mich diese Szene beeindruckte.

Genau in dieser Tonart sollte es weiter gehen: der Film baut eine realistische, ruhig eingefangene Atmosphäre auf und versteht, daraus seine Spannung zu beziehen. Um von vornherein das angestaubte Image eines Newspaper-Thrillers abzulegen, bemüht sich Macdonald, die aktuellen Probleme des Printjournalismus in den Vordergrund zu rücken: natürlich steht die Zeitung wirtschaftlich nicht sonderlich gut da, wer will schon noch "die große Story lesen die in ein paar Tagen nur noch als Einwickelpapier taugt und vergessen ist".

Aber der Online-Ableger der Zeitung macht sich nicht schlecht, und so wird Crowe auch gleich eine Bloggerin an den Arsch getackert - das Kind muss ja was lernen, und der Redakteur hat vielleicht sogar die nötigen Infos, die zum Befüllen des Blogs nötig sind. Keine Frage dass der wiederum sich nicht allzu begeistert über seine neue Partnerin zeigt.

Abgesehen vom Redaktionsalltag ist "Stand der Dinge" in erster Linie ein Verschwörungs-Thriller. Die Morde führen direkt zu einer privaten Sicherheitsfirma, die für viele Milliarden von der US-Regierung militärische Aufträge erhält. Wo viel Geld im Spiel ist, geht erfahrungsgemäß wenig mit rechten Dingen zu, und wo Militär und Krieg mitmischt, braucht man über legale Geschäfte nichtmal nachzudenken.

Hier malt der Film vielleicht etwas zu sehr schwarz/weiss und überzeichnet aktuelle, reale Geschehnisse um Krieg und private Sicherheitsfirmen zu sehr. Ein Fehler, der aktuell vielen Filmen passiert, die einen Kommentar zur Gegenwart abgeben möchten, dabei aber derart übers Ziel hinausschießen, dass ein generell fiktives Szenario weit besser gepasst hätte als ein pseudo-dokumentarisches auf Speed. Eine Parabel sollte nunmal nicht zu offensichtlich sein - das Publikum kann sich auch für dumm verkauft fühlen, wenn man ihm bestimmte Sachen zu offensichtlich aufs Auge drückt.

Trotzdem - "State of Play" ist ein intelligenter, spannender Thriller mit hervorragender Besetzung und einem äußerst amüsanten Setting mitten in einer klassichen Zeitungsredaktion, der Blogs, Twitter und das ganze Internet um die Ohren fliegt.

State of Play - Stand der Dinge Bild 1
State of Play - Stand der Dinge Bild 2
State of Play - Stand der Dinge Bild 3
State of Play - Stand der Dinge Bild 4
State of Play - Stand der Dinge Bild 5
State of Play - Stand der Dinge Bild 6
FAZIT:

Russel Crowe als eingefleischter Printjournalismus-Hippie ist ein Genuss. Rachel McAdams als das moderne Blogger-Gegenstück nicht weniger ideal besetzt. Und das Setting im für Printmedien pre-apokalyptischen Blogging-Zeitalter einfach fesselnd und amüsant. Durchaus auch als ein Liebeslied auf die gute, alte gedruckte Zeitung zu sehen, ja sogar als Plädoyer … ohne dabei jedoch die "neuen Medien" zu verteufeln. Vielmehr versucht der Film, diese Welten zu verschmelzen - eine etwas zu romantisch-naive Vorstellung, aber gut, das gleicht die vielleicht etwas zu dick aufgetragene Story ganz gut aus.

Eine klare Empfehlung also für die Allgemeinheit. Und für jeden, der Redaktions-Thriller früher so gerne wie ich verschlungen hat, eine Aufforderung. Nein, ein … Befehl!

WERTUNG: 8 von 10 Hippies in der Zeitungsredaktion
TEXT © Bernhard König
Dein Kommentar >>
antivazindids | 13.01.2011 19:57
sehr intiresno, danke
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Harald | 21.02.2010 00:14
Ah, Bernhard ist wieder da! Comeback des Jahres, würd ich mal sagen :)
Ralph | 21.02.2010 00:28
Jawohl! Und ich mochte state of play auch sehr gerne:)
Nic | 21.02.2010 06:23
fand ich vergleichsweise schwach. da konnte sogar michael clayton mehr ;)
Nic | 21.02.2010 11:55
btw: Ghostwriter ist sehr ähnlich vom niveau her, aber besser inszeniert und gespielt mMn.
Bernhard | 25.02.2010 15:32
Zum Glück ist das Jahr noch jung ;)) ... versprech auch, künftig wieder regelmässiger was zu liefern ;)
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