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Steven Seagal: Attack Force

Steven Seagal: Attack Force

ACTION: RO/USA, 2006
Regie: Michael Keusch
Darsteller: Steven Seagal, Lisa Lovbrand, David Kennedy, Matthew Chambers

STORY:

Steven Seagal ist der Anführer einer Spezialeinheit, die bei einem Einsatz ausradiert wurde - bis auf Seagal natürlich, den kann keiner... Er sinnt also auf Rache und will die Regierungsstelle, die dafür verantworlich ist, zur Rechenschaft ziehen. Und Vampire oder so was in der Art bekämpft er auch noch. Hui...

KRITIK:

Gerade bei Seagals DTV-Filmen kommt es relativ häufig vor, dass die Produktionsfirma ein Drehbuch nimmt, das grob die Geschichte des Films enthält, Seagal vor die Kamera stellt und drauflos dreht. Hinterher, in der Post-Produktion, entscheidet sich dann um was es in dem Film endgültig gehen soll. Eventuell werden neue Szenen gedreht oder per Voice Over versucht eine Ordnung in das Chaos zu bringen. Das führt dann zu dem Phänomen, dass Seagal nicht nur als Person häufig gedoubelt wird, sondern dass sogar seine Dialoge und Voice Over von anderen Schauspielern gesprochen werden – die teilweise nicht mal eine ähnliche Stimme haben. Das ist freilich nur in der Originalfassung zu bemerken.

Allerdings erklärt dieser Umstand ziemlich gut warum viele Filme aus der DTV-Ära so eine total vermurkste Dramaturgie haben und meistens wenig bis keinen Sinn ergeben. SUBMERGED zum Beispiel, der vom Titel und der Werbung her eigentlich ein Action-Horrorfilm sein müsste, der auf einem U-Boot spielt und in dem Seagal es mit Mutantenzeuchs zu tun bekommt. Übrig geblieben ist davon eigentlich nur der Titel und die Tatsache, dass Seagal 15 Minuten lang auf einem U-Boot verbringt. Dass diese 15 Minuten noch die besten in dem Film sind, dürfte Beweis genug sein, dass die Methode nicht funktioniert.

Ein weiteren Beweis gefällig? Wie wär's mit dem dampfenden, stinkenden Haufen Scheiße der ATTACK FORCE ist? Ursprünglich als reines Horrorfilm-Projekt geplant in dem es um Vampire und sowas geht, wurden viele Szenen von der 2nd Unit nachgedreht, damit sich der Film letztlich um Drogen und die Mafia dreht… oder drehen sollte. Daraus resultiert dann, dass Seagal kaum zu sehen ist, noch lustloser spielt als sonst und der ganze Schwachfug vorne und hinten nicht zusammenpasst. Interessanterweise scheint es, wenn man sich die Produktionsgeschichte des Films näher ansieht, dass die die von Seagal angestrebte Fassung, die mit den Vampiren gewesen ist. Das Studio wollte wohl die Änderungen, um den Film bodenständiger – hust, hust – und actionlastiger zu machen.

Letztlich hat das aber nur dazu geführt, dass die Handlung von ATTACK FORCE dermaßen überfrachtet und verworren ist, dass THE FOREIGNER dagegen fast schon wirkt wie NICO. Und Sinn ergibt das Ganze in hundert Jahren nicht – dagegen wirkt selbst der Quatsch mit dem MK Ultra-Programm aus SHADOW MAN – ihr erinnert euch bestimmt, der Kampfstoff der Krebs und Grippe und alles andere auslöst, quasi die 42 der chemischen Kampfstoffe – richtiggehend clever ausgedacht. Um ehrlich zu sein bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich richtig verstanden habe um was es in ATTACK FORCE wirklich geht, muss aber auch gestehen, dass ich kurz eingenickt bin und nicht die kleinste Lust hatte noch mal zurückzuspulen.

Das ist umso trauriger, da der Film im Prinzip gar nicht schlecht hätte werden müssen. Michael Keusch – der den Vorgänger SHADOW MAN und den Nachfolgefilm UNSICHTBARER FEIND inszeniert hat – ist ein relativ fähiger Regisseur, so dass aus ATTACK FORCE ein anständiger B-Horrorfilm hätte werden können. Sogar mit Seagal hätte das funktioniert, und um ehrlich zu sein hätte ich schon Bock zu sehen, wie Seagal sich durch Horden von Blutsaugern prügelt und ihnen mit seinem Katana zeigt, was es heißt sich mit dem Meister anzulegen. Wesley Snipes könnte einpacken.

Gerade die Szenen in der alten Kirche oder Burg oder in was auch immer die Oberbösewichtin haust, sind zum Teil wirklich atmosphärisch in Szene gesetzt und überzeugen. Allerdings ist da der Film schon fast vorbei, den schlechten Eindruck der letzten 90 Minuten können sie damit auch nicht mehr wettmachen. Der Endkampf ist dann auch ziemlich enttäuschend und wenn man mal vom trashigen durch die Wände schleudern – wofür Seagal ganz lässig nur eine Hand braucht –, ist das alles ziemlich langweilig. Und die dämlichen Messer die Seagal einsetzt sind auch eher in die Kategorie Schwachfug einzuordnen.

Insgesamt gibt es wenige Seagalismen und im Endeffekt ist die einzige gute Szene mit Seagal die, in der er vom Geheimdienst verfolgt wird. Nachdem er dem Typen erklärt hat, dass er nicht gerne verfolgt wird, macht er das deutlich, indem Seagal eine saftige Backpfeife verschenkt. Das war's dann aber auch schon. Das bisschen, das Seagal im Film zu sehen ist, macht er eigentlich noch weniger als sonst, wodurch nicht einmal die Anwesenheit des Meisters noch ein bisschen Spaß rausholen kann. Und was der Quatsch mit den unzerstörbaren Supermessern soll, weiß ich auch nicht – da halte ich ja die Melonen-Explosionstechnik aus SHADOW MAN für sinnvoller.

In diesem Sinne: "Es gibt zwei Dinge über ihn zu wissen. Er ist ein harter Hund, und er ist ein harter Hund!“

Steven Seagal: Attack Force Bild 1
Steven Seagal: Attack Force Bild 2
Steven Seagal: Attack Force Bild 3
Steven Seagal: Attack Force Bild 4
FAZIT:

ATTACK FORCE ist handwerklich eigentlich recht ordentlich, vor allem im Finale. Aber leider strunzdoof und noch dazu sterbenslangweilig. Vielleicht sieht das in bierseliger Runde etwas anders aus, aber dafür will ich nicht garantieren. Dass dieser Film so ein Wrack ist, ist sicherlich seiner Produktionsgeschichte und dem Umstand geschuldet, dass er vom Studio massiv umgeschnitten wurde, aber das macht ihn ja nicht besser. Die Handlung ist Müll, die Action lau und die paar Szenen die funktionieren, kann man an einer Hand abzählen.

Damit ist ATTACK FORCE selbst für Seagal-DTV-Verhältnisse ziemlich mies.

WERTUNG: 3 von 10 saftigen Backpfeifen.
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