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Steven Seagal: The Keeper

Steven Seagal: The Keeper

OT: The Keeper
ACTION: USA, 2009
Regie: Keoni Waxman
Darsteller: Steven Seagal, Liezl Carstens, Arron Shiver, Johnnie Hector, Steph DuVall

STORY:

Steven Seagal ist ein Cop aus L.A., der von seinem Partner verraten wird. Aber er weiß, dass er verraten wird und darum stellt er sich nach einem Attentat komatös, um seinen Partner dazu zu bringen ihn im Krankenhaus umzubringen - um ihm natürlich zuvor zu kommen. Nach dieser harten Nummer quitiert Seagal den Dienst und heuert als Bodyguard für Nikita an, die Tochter eines wohlhabenden Geschäftsmannes. Als Nikita entführt wird, setzt Seagal alles daran sie zu befreien - und er macht keine Gefangenen.

KRITIK:

STEVEN SEAGAL'S THE KEEPER ist der erste Seagal-Film der von Keoni Waxman inszeniert wurde und wer an diesem Punkt in Seagals Filmographie steht, der wird sich freuen zu hören, dass Waxman nach THE KEEPER noch etliche Seagal-Filme inszeniert hat – inklusive 8 Folgen der "TV-Serie" TRUE JUSTICE.

Waxman ist geschickt darin, Seagal zu lenken und vermutlich auch zu motivieren. So "bei der Sache" war der Meister schon eine ganze Weile nicht mehr, auch wenn bereits DTV-Spätwerke wie URBAN JUSTICE oder PISTOL WHIPPED einen ziemlich gut aufgelegten Seagal präsentieren konnten, so wird das von THE KEEPER noch um einiges getoppt. Seagal scheint wirklich Spaß bei den Dreharbeiten gehabt zu haben und sich mit der Rolle, wenigstens ansatzweise, zu identifizieren.

Selbst den etwas doofen Anfang spielt er mit dem nötigen Augenzwinkern. Anders wäre das auch nicht zu ertragen, denn ganz ehrlich, dass Seagal sich seinem Partner gegenüber totstellt, mag ich ja noch glauben. Dass er aber ein ganzes Krankenhaus zum Narren hält und sich einfach komatös stellt und ein Nickerchen hält, das ist doch etwas zu viel des Blödsinns. Als Referenz an HARD TO KILL - indem Seagal tatsächlich im Koma lag und anschließend mit den Bösewichtern aufräumte taugt diese Sequenz aber definitiv. Ansonsten ist sie eher zum Vergessen und erweckt den Eindruck es mit einem der schlechteren DTV-Streifen Seagals zu tun zu haben.

Das ist allerdings schnell vorbei, denn spätestens wenn Seagal im Flieger nach Texas sitzt um einem alten Freund zu helfen, geht es steil bergauf. Und kurz darauf gibt es auch schon den ersten guten Arschtritt-Moment für Seagal. Er wird mit der Limousine vom Flughafen abgeholt. Unterwegs sieht sein Fahrer, wie dessen Schwester von zwei Schlägern bedroht wird und greift ein. Natürlich ist er aber nur Limousinenfahrer und bekommt deshalb selbst was auf die Mütze – Auftritt Seagal. Mit lieb gewonnener Überheblichkeit verteilt Seagal so die ersten HandgelenksbrücheTM und Backpfeifen, und es wird eins ganz klar – das muss ein guter Seagal-Film werden.

Dabei ist es besonders schön, dass THE KEEPER nicht nur nach vorne prescht und Action und Handlung über die Figuren stellt. Wie bereits in PISTOL WHIPPED – der sich auch viel Zeit genommen hatte um die Beziehung zwischen Seagal und seiner Tochter zu beleuchten –, spielt das Zwischenmenschliche wieder eine größere Rolle. Seagal gibt sich viel Mühe und es macht sich schnell bemerkbar, dass er seinen Auftrag genießt, da ihm die Nähe zu seinem Schützling guttut – schließlich wird sie sogar so etwas wie eine Tochter für ihn und damit nicht nur ein Ersatz für seine verlorene Arbeitsstelle sondern auch sein kaum vorhandenes Privatleben.

Interessant ist, dass Nikita wohl mehr von Seagal will, als dass er bloß ihren Beschützer und Ersatzpapa mimt. In einigen Szene wird deutlich, dass sie nicht abgeneigt wäre, mit ihm in die Kiste zu springen, was Seagal aber deutlich ablehnt - glücklicherweise bleibt uns somit eine weitere unschöne Sexszene mit Seagal und einem viel zu jungen Mädchen erspart. Es drängt sich so der Verdacht auf, dass Nikita auch mit ihrem früheren Bodyguard ein Verhältnis hatte, vor allem da sie betont, dass er immer alles für sie getan hat. Das wäre auch nicht weiter verwunderlich, denn auch wenn ihr Vater fürsorglich ist, ist er eher mit seinen Geschäften beschäftigt und Nikitas Freund versenkt seine Nase lieber zwischen den Brüsten irgendwelcher Diskoschlampen als sich mit seiner Freundin zu beschäftigen.

Es sind vor allem auch die kleinen Momente, die STEVEN SEAGAL'S THE KEEPER zu einem guten Seagal-Film in dieser Phase der DTV-Ära Seagals machen. So hört Seagal wie Nikita ihrem Vater erzählt, dass sie sich wünscht, er hätte ihren Freund mal so richtig verprügelt. Das zaubert Seagal ein kleines Lächeln ins Gesicht, was direkt mit einem Spruch beehrt wird, darüber, dass er ja auch Lachen kann – das darf durchaus selbstreferentiell verstanden werden darf, da ja das Gerücht umgeht, Seagal hätte nur einen Gesichtsausdruck. Dabei hat er doch ein wirklich schelmisches Lächeln im Repertoire… bzw. hatte, denn 2019 sieht man davon nicht mehr viel hinter Fett, getönter Brille und Schenkelbürste.

In diesem Sinne: "Tja, ich denke das ist der Lohn für 20 Jahre Hingabe und Einsatz."

Steven Seagal: The Keeper Bild 1
Steven Seagal: The Keeper Bild 2
Steven Seagal: The Keeper Bild 3
Steven Seagal: The Keeper Bild 4
FAZIT:

Der direkte Vorgänger DRIVEN TO KILL mag in der Gewaltdarstellung deutlich heftiger und allgemein roher sein, dafür bietet THE KEEPER aber eine weitestgehend kohärente Handlung mit einigen leisen Tönen. Und trotzdem ist die Gewalt nicht ohne, das Aikido schöner anzusehen und deutlich ausgefeilter. THE KEEPER hat einige humorvolle Momente, mehr Steven Seagal und weniger Double und für einen DTV-Actioner sogar ein paar Emotionen zu bieten. Der gesamte Anfang mit der, noch vor dem zweiten Akt abgeschlossenen, Betrugs- und Rachegeschichte zwischen Seagal und seinem Partner hätte allerdings deutlich gestrafft werden können und wirkt deplatziert.

Alles in allem aber ist THE KEEPER eine ziemlich runde Sache, zwar kein NICO und auch kein MARKED FOR DEATH, aber ein gerne gesehenes Highlight in Seagals DTV-Ära. Außerdem, Seagal mit einem Cowboyhut auf dem Kopf ist fast so lustig anzusehen wie Seagal mit einer Babykatze auf der Schulter.

 

WERTUNG: 7 von 10 Schüssen durchs Kopfkissen.
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