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Sweets from a Stranger

Sweets from a Stranger

OT: Caramelle da uno sconosciuto
GIALLO: ITALIEN, 1987
Regie: Franco Ferrini
Darsteller: Laura Betti, Athina Cenci, Barbara De Rossi, Marina Suma, Mara Venier

STORY:

In einer italienischen Stadt geht ein geheimnisvoller Killer um, der Straßenprostituierte mit einem Rasiermesser abschlachtet. Doch die patenten Damen wissen sich zu wehren, tun sich zusammen und ermitteln auf eigene Faust nach dem Täter...

KRITIK:

In der Tat ist bereits mit dieser äußerst knappen Inhaltsangabe fast alles gesagt, was man zu dem Giallo SWEETS FROM A STRANGER (1987) wissen muss. Auf der einen Seite handelt es sich hierbei um einen geradezu archetypischen Schlitzerfilm aus dem Land der eleganten Schwarzen Handschuhe. Doch dessen Grundthematik war in den späten 80ern, der Entstehungszeit dieses Filmchens, bereits dermaßen ausgelutscht, dass sie wirklich keine Oma mehr hinter dem Ofen hervorlocken konnte.

Deshalb versucht SWEETS FROM A STRANGER durch eine frische Herangehensweise etwas Leben in die bereits äußerst morschen Knochen des Genres zurück zu bringen. Und damit ist der Film im Prinzip durchaus erfolgreich, zugleich liegt aber auch genau hier seine größte Schwäche ...

Prostituierte waren im Giallo ja von jeher äußerst dankbare Opfer für düstere psychopathische Killer. Sicherlich liegt dies daran, dass sich so äußerst einfach die beiden Hauptkomponenten des Genres "Sex" und "Gewalt" zu eben jener typischen, stylischen sexualisierten Gewalt zusammenfügen ließen, wie sie für den Giallo eben kennzeichnend ist. Und das war in den 70er Jahren, also lange vor Alice Schwarzer und der freiwilligen Selbstzensur im Namen der politischen Korrektheit auch gar kein Problem.

Doch mit Beginn der 80er Jahre wehte allmählich auch in diesem Genre ein ganz anderer Wind. So sehen wir gerade in den Genreproduktionen aus diesem Jahrzehnt zahlreiche selbstbewusste Damen, die sich längst nicht mehr damit zufriedengeben, alleine die dekorativen Betthäschen abzugeben. Und dass selbst Prostituierte durchaus emanzipierte und durchsetzungsstarke Charaktere sein können, zeigte bereits MYSTERE (1983).

Und ebenfalls wie MYSTERE zeigt auch SWEETS FROM A STRANGER die Emanzipationsbemühungen der, in diesem Fall zu einer wahren Bürgerwehr vereinten, Damen aus dem horizontalen Gewerbe keineswegs auf eine verkniffene, sondern auf durchaus amüsante Weise. Nur sind es eben auch gerade die oft ziemlich langen Szenen, in denen die Nutten endlos über die als nächstes zu unternehmenden Schritte palavern, die dafür sogen, dass SWEETS FROM A STRANGER häufig unnötig an Fahrt verliert.

Davon abgesehen sind gerade auch diese Szenen der Zusammenkünfte der Nutten-Wehr mit am uninteressantesten inszeniert. Dabei weist dieses Filmchen durchaus auch einige ziemlich gelungene Genre-Momente auf. So weiß SWEETS FROM A STRANGER zum Teil recht gut die Stärken des klassischen Giallos - insbesondere in der Form der Mordszenen - mit denen der damals modernen Model-Murder-Mysteries (NOTHING UNDERNEATH, TOO BEAUTIFUL TO DIE) - z.B. beim sexy Anziehen und Schminken - zu verbinden.

Nicht, dass hier optisch wirklich große Momente geboten werden. Dazu ist die Inszenierung dieses ersten und einzigen Films durch Franco Ferrini viel zu durchschnittlich geraten. Aber in Verbindung mit der gelungenen musikalischen Untermalung - besonders der immer wieder aufgegriffene Leitsong ist ein echter Ohrwurm - reicht dies doch für ein angenehmes Filmerlebnis. - Und am Ende punktet SWEETS FROM A STRANGER dann noch einmal mit einer relativ originellen und zugleich sehr passenden Auflösung.

Sweets from a Stranger Bild 1
Sweets from a Stranger Bild 2
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Sweets from a Stranger Bild 5
Sweets from a Stranger Bild 6
FAZIT:

Der aus dem Jahre 1987 stammende SWEETS FROM A STRANGER versucht durch einen frischen Ansatz ein wenig frischen Wind in einen ansonsten urtypischen Giallo zu bringen. Dabei herausgekommen ist ein durchaus charmantes Filmchen, dass jedoch noch besser wäre, wenn hier etwas weniger palavert würde. Unterm Strich bleibt ein von seiner Machart sehr durchschnittlicher und zum Teil auch recht langatmiger Genre-Beitrag, der jedoch seine eigenen Reize besitzt. In Verbindung mit der durchaus vorhandenen Originalität seines Ansatzes vergebe ich hier 5,5 Punkte.

WERTUNG: 6 von 10 von Fremden entgegengenommene Süßigkeiten
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Marcel | 31.01.2011 23:47
Gar keine Süßigkeiten? Zuvor waren es doch noch fünf Lutscher + ein Bonbon...
Gregor | 01.02.2011 13:27
Gab anscheinend ein kleines technisches Problem...
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