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The Boys from Brazil

The Boys from Brazil

THRILLER: USA, 1978
Regie: Franklin J. Schaffner
Darsteller: Laurence Olivier, Gregory Peck, James Mason, Lilli Palmer, Bruno Ganz

STORY:

Der jüdische Journalist Barry Kohler kommt in Paraguay einem Zirkel geflohener Nazis um Dr. Mengele auf die Spur und kontaktiert den in Wien lebenden Nazijäger Esra Liebermann. Der berüchtigte KZ-Arzt plant mittels 94 geklonter Knaben die Herrschaft der Nazis auferstehen zu lassen und das Vierte Reich zu schaffen.

KRITIK:

Wer von "The Boys from Brazil" historisch präzise Geschichtsaufarbeitung erwartet, der ist hier ebenso fehl am Platz, wie der gepflegte Cineast in einer Jerry Bruckheimer Produktion. Franklin J. Schaffner, bekannt durch "Der Planet der Affen", verfilmte den weltweiten Bestseller von Ira Levin, der auf abenteuerliche Weise historische Tatsachen mit abstrusester Science Fiction verbindet. Eine Vorlage also, die für die teils skurrilen Auswüchse des Kinos der 70er wie geschaffen scheint. So ist der Thriller, trotz vergleichsweise hohem Budgets und damit einhergehendem Staraufgebot, wohl eher dem Trash-Genre zuzuordnen.

In den Hauptrollen agieren der famose Laurence Olivier als Ezra Liebermann und Gregory Peck in der wohl ungewöhnlichsten Rolle seiner Karriere, als Mengele. Es ist vor allem das Spiel dieser beiden Herren, das den Thriller aus dem Pool der durchschnittlichen Filme hervorhebt. Olivier tritt somit zwei Jahre nach "Der Marathonmann" erneut in einem Film auf, der sich mit den Umtrieben untergetauchter Nationalsozialisten beschäftigt, nur findet er sich diesmal auf der konträren Seite des Spektrums von Gut und Böse wieder. Er lehnt seinen Charakter augenscheinlich am bekannten Nazijäger Simon Wiesenthal an, das verraten Optik und Herkunftsort. Für die Szenen, die in Wien spielen, wurde auch in der Bundeshauptstadt gedreht. Schaffner präsentiert dem Zuseher Aufnahmen aus der Innenstadt, entlang des Rings sowie die vorbeiziehenden, charakteristischen Strassenbahngarnituren.

Ähnlich hervorragend, wenn auch viel unerwarteter, mimt Gregory Peck den ebenso größenwahnsinnigen wie sinisteren Nazi-Arzt, der die 20 Jahre seit seiner Flucht an unheilvollen Klonprojekten gearbeitet hat. Man fühlt sich nicht von ungefähr an Dr. Moreau erinnert. Eine Leistung, die ich dem ehemaligen Sunnyboy Hollywoods, über den Kritikerguru Roger Ebert einst schrieb "I doubt if he could be vulgar if he tried.", nie zugetraut hätte. Man gewinnt den Eindruck, dass Peck und Olivier ihre Charaktere oft eher parodieren, als ernsthaft mit Leben füllen. Dies verleiht dem Film stellenweise einen leicht schwarzhumorigen Unterton, was in der deutschen Synchronisation leider größtenteils verläuft.

Aber nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch die weiteren Rollen sind ausgezeichnet besetzt. Neben James Mason, der als Handlanger Mengeles das Projekt durch Liebermann gefährdet sieht und sich in der Folge gegen seinen Chef wendet, treten Lilli Palmer, Rosemary Harris und Bruno Ganz auf.

Nun verfügt "The Boys from Brazil" grundsätzlich über mehr als solide Zutaten: eine spannende Inszenierung, einen kuriosen, aber durchaus originellen Twist und die bereits erwähnten Darsteller, wäre da nicht der für mich überzogene "Showdown" am Ende des Films, also die direkte Konfrontation zwischen Mengele und Liebermann.

The Boys from Brazil Bild 1
The Boys from Brazil Bild 2
The Boys from Brazil Bild 3
The Boys from Brazil Bild 4
The Boys from Brazil Bild 5
FAZIT:

"The Boys from Brazil" ist ein A-Budget-Thriller mit B-Movie-Feeling, der gekonnt zwischen provokanter Geschichtsfälschung, Science Fiction und Horror pendelt. Auch wenn Schaffner hier nicht die Qualität von "Der Planet der Affen" und "Papillon" erreicht, bekommt der Film von mir vor allem aufgrund der hervorragenden schauspielerischen Leistung das Prädikat sehenswert. Bleibt zu hoffen, dass das vor ein paar Jahren angekündigte Remake von Brett Ratner mittlerweile im Sand verlaufen ist.

WERTUNG: 7 von 10 diabolisch grinsenden 13-Jährigen
Gastreview von Matthias
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