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The Call - Leg nicht auf!

The Call - Leg nicht auf!

OT: The Call
THRILLER: USA, 2013
Regie: Brad Anderson
Darsteller: Halle Berry, Abigail Breslin, Morris Chestnut, Michael Eklund

STORY:

Wenn jemand den Notruf wählt, kann es passieren, dass Jordan abhebt. Sie arbeitet in der LAPD-Notruf-Zentrale, ist zuständig für den Erstkontakt mit Anrufern, beruhigt diese wenn nötig, gibt Tipps und schickt die Einsatzkräfte los. Auch wenn ein Großteil der Anrufe für Jordan nur Routinefälle darstellen, kann es immer wieder mal vorkommen, dass Jordans Verhalten am Telefon zwischen Leben und Tod entscheidet. Ein kleines Fehlverhalten, eine kleine Unachtsamkeit und alles kann aus sein. Wie im Falle von Leah Templeton. Jordan gibt sich die Mitschuld am Tod der jungen Frau und zieht sich aus der Telefonisten-Tätigkeit zurück. Doch dann ruft ein verzweifeltes Mädchen an. Es behauptet entführt worden zu sein und sich im Kofferraum eines Autos zu befinden. Jordan weiß, dass sie die Nerven bewahren muss...

KRITIK:

Es hätte so schön sein können. Fast wäre der kleine Marktschreier in mir übergegangen "The Call" als kleines Meisterwerk zu bezeichnen. Mit der Freude, die einem packt, wenn Film die Erwartungen übertrifft, saß ich vor der Leinwand, schon kurz davor zu grinsen. Endlich mal wieder ein richtig guter Psychothriller, der trotz Hollywoodbesetzung weder zu dick aufträgt oder gar rührselig daherkommt und zudem durch den Focus auf eine Notrufzentrale und ihre Mitarbeiter, mal was anderes zeigt, dachte ich.

Doch ich hatte mich zu früh gefreut.

Dabei hat doch alles so schön begonnen. Nach einem zum Fingernägel kauen verleidenden Einstieg, schafft es "The Call" die Spannung aufrecht zu halten. Die großartigen Schauspieler, aller voran Halle Berry und Abigail "Little Miss Sunshine" Breslin tragen ihr Übriges dazu bei. Das Bild, das der Film von der Arbeit in der Notrufzentrale zeigt, wirkt in meinen Augen durchaus glaubwürdig, auch als Außenstehenden wird einem schnell klar, dass das kein 0815-Job oder eine Tätigkeit für Leute die schnell die Nerven verlieren, ist.

Ganz nebenbei schafft es "The Call" aber auch die Menschen am Ende der Leitung sichtbar zu machen. Oder besser gesagt: Halle Berry schafft es den Menschen hinter dem Telefonisten sichtbar zu machen. Ihre Jordan ist taff und verletzlich zugleich. Jemand der auch in schwierigen Situationen die richtigen Worte findet. Jemand dessen Stimme Zuversicht und Stärke aussendet. Ihr Auftreten am Telefon wirkt konträr zu ihrem zierlichen Körper. Nicht von ungefähr erklärt eine Figur im Film einmal, als er Jordan das erste Mal sieht, dass er sie sich größer vorgestellt hätte.

Mit Abigail Breslin gelang es Regisseur Brad Anderson ("Der Maschinist") zudem eine weitere interessante Schauspielerin für "The Call" zu gewinnen. Und was soll ich sagen: Auch sie meistert ihre schwierige Rolle famos.

Was die Regie selbst betrifft gibt es eigentlich auch nichts auszusetzen. Anderson versteht es gekonnt Spannung zu erzeugen. In Erinnerung bleibt zum Beispiel eine Shopping-Mall Szene, relativ zu Beginn des Films. Als Zuseher weiß man sofort, dass etwas passiert. Man kann sich sogar schon ausmalen was passieren wird. Und trotzdem starrt man gebannt auf die Leinwand.

Ja, "The Call" hat eigentlich alle Zutaten für einen richtig spannenden kleinen Psychothriller. Aber was nützen die feinsten Zutaten wenn zum Schluss nur der x-te "Schweigen der Lämmer" Abklatsch rauskommt? Und seinen wir doch mal ehrlich, "Das Schweigen der Lämmer" ist ein paar Nummern zu groß für "The Call".

Tja, so kanns gehen. Ich hatte mich wohl zu früh gefreut. Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Spätestens bei der Szene an der Tankstelle, die schon etwas übertrieben war. Aber sei's drum. Gibt schlechtere Filme.

The Call - Leg nicht auf! Bild 1
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The Call - Leg nicht auf! Bild 5
The Call - Leg nicht auf! Bild 6
FAZIT:

"The Call" hätte eigentlich das Zeug zu einem, zugegeben nicht gerade innovativen, aber dafür hochspannenden Psychothriller gehabt. Tolle Schauspieler, interessante Geschichte, reichlich Spannung und geschickt inszeniert. Da drückt man auch gerne ein Auge zu, wenn der Film eigentlich eine simple Story voller Allgemeinplätzen erzählt. Leider haut sich der Film am Ende selbst in die Pfanne, indem er einfach mal so die Logik und seine Zurückhaltung über Bord wirft, nur um zum Schluss wieder in einem übertriebenen 08/15 Psycho-Showdown zu enden.

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TEXT © Gerti
Dein Kommentar >>
Erich H. | 10.08.2013 22:48
Falls es dich beruhigt, die Journalisten des Filmmagazins "Deadline" behaupten, dass für die deutsche Kinoauswertung ein Alternativende gewählt wurde, das deutlich vom düstereren der US-Kinofassung abweicht.
Trotzdem gute Besprechung, die ihn mir irgendwie dann doch wieder schmackhaft macht.
Gerti | 11.08.2013 08:15
Omg, das mit dem alternativen Ende wußte ich gar nicht. Hab den Film aber zufällig OV (also auf Englisch gesehen) und kann jetzt gar nicht sagen was für ein Ende mir serviert worden ist.
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