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The Childhood Friend

The Childhood Friend

OT: L'amico d'infanzia
GIALLO: ITALIEN, 1994
Regie: Pupi Avati
Darsteller: Amy Galper, Jim Ortlieb, Jason Robards III, Joe Ryan, Mary Sellars

STORY:

Nach dem Tod des TV-Moderators Duncan Mackay wird der 40-jährige Arnold Gardner sein Nachfolger bei "The Twenty-fifth Hour". Dessen sehr persönlicher Stil kommt beim Publikum gut an und macht die Show innerhalb kurzer Zeit zu einem großen Erfolg.

Doch Arnolds Glück wird schon bald darauf durch den Erpresser Eddie Greenberg getrübt. Der ist ein ehemaliger Freund aus Arnolds Kindheit und Jugendzeit, der nun krank,erfolglos und neidisch auf den erfolgreichen Arnold ist. Deshalb will Eddy nun, dass sich sein ehemaliger Freund während seiner Sendung zu einem dunklen Fleck aus seiner Vergangenheit bekennt. Und um Arnold tatsächlich dazu zu bringen, ist dem bereits des Lebens überdrüssigen Eddy wirklich jedes Mittel recht...

KRITIK:

"Wie macht dieser Mann das bloß?" Das war die Frage, die ich mir schon nach kurzer Zeit beim Betrachten von THE CHILDHOOD FRIEND (1994) gestellt habe. Besagter Mann ist in diesem Fall der italienische Kultregisseur Pupi Avati, dessen bekanntester Film der Horror-Giallo THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS (1976) ist.

Doch anders als sein berühmter Genre-Klassiker, oder auch der ebenfalls von Avati geschriebene THE ROOM NEXT DOOR aus dem gleichen Jahr, spielt THE CHILDHOOD FRIEND in der damaligen Gegenwart. Genauer gesagt spielt der Film in und um Chicago. Und im Prinzip hat dieses Psychodrama die gleiche kalt-sterile Optik, wie auch die meisten amerikanischen Filme jener Zeit.

Aber irgendwie schafft es Pupi Avati, dass bei ihm trotzdem fast jede Einstellung einfach etwas besser und auch ein wenig interessanter, als bei den meisten vergleichbaren Filmen aussieht. Ja, im Prinzip wirkt in THE CHILDHOOD FRIEND fast jede Einstellung ziemlich durchkomponiert. Das soll jetzt jedoch nicht heißen, dass dieser Spätgiallo visuell besonders extravagant wäre.

Es sind mehr die kleinen Details, die den Unterschied machen. Dabei muss ich ehrlich gestehen, dass ich oft gar nicht genau sagen konnte, worin die nun jeweils genau liegen. Mal habe ich gemerkt, dass in einer Nahaufnahme mit einem Weitwinkelobjektiv gearbeitet wurde, dann war es mal eine kurze Kamerafahrt. Aber oft musste ich mich eben auch einfach fragen "Wie macht dieser Mann das bloß?"

THE CHILDHOOD FRIEND ist ein Film, der sich - wie für Avati typisch - nur äußerst langsam vom Drama zum Thriller entwickelt. Im Gegensatz zu den anderen beiden genannten Filmen aus seiner Feder, bleibt THE CHILDHOOD FRIEND im Prinzip auch bis zum Ende mehr ein Charakterdrama, als dass er sich zu einem vollblütigen Psycho- oder gar einen Horror-Thriller verwandeln würde. Darin hat mich dieser Film ein wenig an den auch thematisch stark verwandten CACHÉ (2005) von Michael Haneke erinnert.

Doch im Gegensatz zu dem drögen Anti-Thriller des Puristen Haneke wartet THE CHILDHOOD FRIEND dann doch noch mit genügend gelungenen Genre-Elementen auf, um insbesondere gegen Ende nicht nur eine thrillermäßige Spannung zu erzeugen, sondern den Zuschauer auch wirklich emotional mitzureißen. Somit zeigte der Italiener bereits ein Jahrzehnt vor CACHÉ, was europäische Autorenfilmer zu leisten vermögen, wenn sie keine Berührungsängste mit dem Genrekino haben.

THE CHILDHOOD FRIEND ist bisher leider nur in Italien bei FilmAuro auf DVD erschienen. Die DVD hat zwar ein gutes Bild, bietet jedoch als einzige Sprachoption Italienisch ohne jede Form von Untertiteln. Dies ist umso bedauerlicher, als bei der durchgehend englischsprachigem Besetzung der Originalton ebenfalls Englisch sein dürfte.

The Childhood Friend Bild 1
The Childhood Friend Bild 2
The Childhood Friend Bild 3
The Childhood Friend Bild 4
FAZIT:

THE CHILDHOOD FRIEND gehört zu den eher unbekannten Spätgialli der 90er Jahre. Dies dürfte jedoch weniger an den durchaus vorhandenen Qualitäten dieses von Pupi Avati stammenden Werks liegen. Für meine Begriffe ist dies eindeutig einer der deutlich besseren italienischen Genre-Produktionen aus dieser Zeit.

Deshalb vermute ich, dass der Film deshalb in weitestgehende Versenkung verschwunden ist, weil er sich irgendwo auf der Grenze zwischen spannendem Psychothriller und ernsthaften Charakterdrama bewegt. Sprich: THE CHILDHOOD FRIEND schert sich keinen Deut um ein Schubladendenken, das immer schön sorgfältig zwischen reinem Unterhaltungs- und "anspruchsvollem" Autorenfilm unterscheidet. Und vielleicht war der Regisseur Pupi Avati gerade mit dieser unverkrampften Herangehensweise seiner Zeit einfach ein Stückchen zu weit voraus ...

WERTUNG: 7 von 10 mit der Schrotflinte im Mund angesehene TV-Shows
TEXT © Gregor Torinus
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