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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
The Disaster Artist

The Disaster Artist

BIOPIC/DRAMA: USA, 2017
Regie: James Franco
Darsteller: James Franco, Dave Franco, Seth Rogen, Alison Brie, Ari Graynor, Josh Hutcherson, Jacki Weaver

STORY:

James Francos Biopic über den Hollywood-Outsider Tommy Wiseau, Schöpfer des bizarren Kultfilms "The Room".

KRITIK:

Der "Disaster Artist" nennt sich Tommy Wiseau. Seinen wirklichen Namen kennt niemand, genau so wenig wie sein Alter und seine Herkunft. Tommy Wiseau hat einen Traum: Er will Schauspieler werden. Dass ihm Talent, Aussehen und nicht zuletzt Sprachkenntnisse fehlen, ficht ihn nicht weiter an. Kurzerhand produziert er seinen eigenen, millionenteueren Film mit sich selbst als Hauptdarsteller und seinem WG-Mitbewohner Greg Sestero als Co-Star.

Das Werk hieß "The Room", verschlang sechs Millionen Dollar Produktionskosten ungeklärter Herkunft, bekam die nicht eben bescheidene Tagline "A film with the passion of Tennessee Williams" verpasst - und floppte brutal. Doch Wiseau lässt sich nicht unterkriegen. Er glaubt weiterhin an seinen Film, finanziert eine bizarre Plakat-Kampagne, und irgendwann geschieht ein Wunder: THE ROOM, als "schlechtester Film aller Zeiten" verlacht, avanciert zum ersten Mitternachtsvorstellungs-Kultfilm des neuen Jahrtausends, mit ausverkauften Vorstellungen auf Monaten hinaus.

Ich muss gestehen, dass ich THE ROOM bis heute nicht gesehen habe. Mit Filmen, die "so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind", kann man mich mittlerweile jagen. Genauer gesagt, nicht mit den Filmen an sich, sondern mit den begleitenden Rezeptions-Ritualen. Wenn ich lese, dass sich das Publikum für die Vorstellungen von THE ROOM wie die Darsteller verkleidet und synchron zum Geschehen auf der Leinwand mit Plastiklöffeln und Fußbällen um sich wirft, packt mich das kalte Grausen. Leute, die so etwas tun, gehen wahrscheinlich auch verkleidet auf Schlager-Parties und Helene Fischer-Konzerte, weil das ja auch so "trashig" und "kultig" ist.
Das Grauen, das Grauen ...

James Franco ist aber bekanntlich ein Guter. Nichts läge ihm ferner, als sich über Wiseau lustig zu machen. Franco hat verstanden, dass Wiseau eine tragische Figur ist, die all ihr Herzblut in einen Wahnsinnsplan investiert hat, der da lautet: Ich drehe einen Film. Obwohl ich nicht die geringste Ahnung davon habe, wie man das macht. Das Ergebnis ist ein sehr unterhaltsames, absurdes, aber niemals auf billige Lacher abzielendes Biopic, das seine schwer zu fassende Hauptfigur nicht lächerlich macht, sondern irgendwie bewundert. Verklärt oder gar heilig gesprochen wird hier aber niemand. Im Gegenteil, Franco spielt Wiseau als enigmatischen Sonderling, der sich Allüren und Ausbrüche leistet, die ihn nicht unbedingt als Sympathieträger ausweisen.

Thematisch fühlt man sich an Tim Burtons ED WOOD-Huldigung erinnert, aber auch an den 90er Indie-Hit LIVING IN OBLIVION, in dem Steve Buscemi verzweifelt versucht, einen Film zu drehen, ohne seinen Verstand zu verlieren.

Was uns der mit James Franco, seinem Bruder Dave Franco, Seth Rogen, Melanie Griffith und Zac Efron ausgesprochen prominent besetzte Film sagen will: Folge deinem Traum, so absurd er auch sein mag. Und: Nichts kann dich aufhalten, wenn du keine Ahnung hast, was du tust. Schön.

PS: Der "echte" Tommy Wiseau - sofern man das bei dieser Kunstfigur sagen kann - hat auch einen Gastauftritt - nach (!) dem Abspann.

The Disaster Artist Bild 1
The Disaster Artist Bild 2
The Disaster Artist Bild 3
The Disaster Artist Bild 4
The Disaster Artist Bild 5
FAZIT:

James Franco setzt dem Hollywood-Outsider Tommy Wiseau ein filmisches Denkmal. Das Ergebnis ist ein unterhaltsames Biopic, das die bizarre Pleiten- Pech- und Pannenserie der Produktion des späteren Mitternachts-Kultfilms THE ROOM nacherzählt. Ohne billige Lacher, mit größtmöglichem Respekt vor dem Herzblut, das der leider grotesk talentfreie, aber mit einem beachtlichen Ego ausgestattete Regisseur und Schauspieler Wiseau in sein Werk investiert hat. Da die Academy gut gemachte Filme über die Unterhaltungsindustrie liebt, gilt Francos Film als möglicher Oscar-Anwärter.

In diesem Sinne: "YOU ARE TEARING ME APART, LISA!"

THE DISASTER ARTIST läuft bis 29.1. im Wiener Gartenbaukino.
Wen's interessiert: THE ROOM bekommt ebenfalls zwei spätnächtliche Vorstellungen. 

WERTUNG: 7 von 10 Toiletten nur für den Regisseur
Dein Kommentar >>
Johannes | 23.01.2018 12:19
The Room unbedingt angucken, Harald. Geht auch ohne mit Plastiklöffeln zu werfen. :D
90ty | 26.01.2018 12:33
Ja, unbedingt angucken!
Wenn du "The Disaster Artist" als bizarr und grotesk empfunden hast, dann scheint James Franco viele Dinge richtig gemacht zu haben.
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