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The Furies

The Furies

HORROR: AUS, 2009
Regie: Tony D'Aquino
Darsteller: Airlie Dodds, Linda Ngo, Taylor Ferguson

STORY:

Nachdem sie gemeinsam mit ihrer beste Freundin entführt wurden, erwacht Kalyla alleine, eingesperrt in einer dunkle Kiste mitten im australischen Outback. Nach kurzer Zeit sieht sie sich auf der Suche nach ihrer Freundin mit blutrünstigen Angreifern konfrontiert.

KRITIK:

In einer anderen Kritik zu THE FURIES ist zu lesen, der Film habe eine Agenda, eine zumindest angedeutete politische Intention. Anderorts wurde er gar als "feministische Propaganda" bezeichnet. Und wohl war, der eröffnende Dialog sowie ein gleich zu Beginn in eine Unterführung geschmiertes "fuck patriarchy" könnten einen durchaus auf diesen Gedanken bringen. Ich glaube hingegen, der Einstieg ist höchstens als bissiger Kommentar gedacht, denn was in der restlichen Laufzeit folgt hat für mich nur wenig bis gar keine politischen Zwischentöne.

Doch der Reihe nach. Nachdem Kaylas (Airlie Dodds) beste Freundin besagten Spruch auf die Wand gebracht und die Beiden besagten Dialog geführt haben, werden sie auch schon entführt und die Handlung damit ins Laufen gebracht. So erwacht Kayla einige Zeit später irgendwo in einem australischen Wald, eingesperrt in einer dunklen Kiste und sieht sich von nun an mit blutrünstigen Angreifern konfrontiert. Was spannend und etwas verwirrend beginnt, kommt einem dann aber doch relativ schnell sehr vertraut vor. Denn, was das Script angeht, hat sich Tony D'Aquino in seinem ersten Langfilm leider viel zu sehr auf altbekannte Genre-Konventionen verlassen. Die Handlung ist Großteils belanglos und wenig innovativ, die Dialoge in manchen Fällen sogar geradezu dumm und bei einer gewissen Figur musste ich mir doch mehr als einmal an den Kopf greifen. Die für den Horrorfilm typischen Fehlentscheidungen, ohne die der Streifen nach einem Bruchteil seiner eigentlichen Laufzeit schon vorbei wäre, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Doch immerhin ist die Handlung alles in allem - mit einer Ausnahme - schlüssig und relativ gradlinig, so steht sie wenigstens dem Genuss der eigentlichen Highlights nicht im Weg. Diese beginnen beim Cast, hier sticht vor allem Airlie Dodds aus der Menge hervor, holt sie doch eine ganze Menge aus ihrem Charakter und dem schwachen Script heraus. Sie wirkt in ihrem Handeln stets glaubwürdig und hat genug Charisma, um den Film über Strecken hinweg auch allein zu tragen.

Ihre Kollegen und Kolleginnen machen ansonsten ein durchweg ordentliches Bild, einzig Linda Ngo fällt hier eher negativ auf, hat mit ihrer Rolle aber auch keinen einfachen Job. Was den Film schlussendlich aber wirklich äußerst unterhaltsam macht, sind die Parts, in denen es dann zur Sache legt. Das Special Effects Team hat hier - gerade auch mit Blick auf das eher schmale Budget - nahezu Wunder vollbracht was die praktischen Effekte angeht. Hier wurde einfach mit einer gewissen Hingabe zum Genre und dem Gore selbst gearbeitet und der Film ist damit vielen seiner Kollegen in einer ähnlichen Nische voraus. Aus rein technischer Sicht gibt es ansonsten wenig Erwähnenswertes, daher glücklicherweise aber auch wenig zu bemängeln.

Der Vollständigkeit halber, hier aber kurz zusammengefasst: D'Aquino inszeniert unauffällig, aber durchwegs ordentlich. Die Kameraarbeit wartet teils mit wirklich schönen Bildern der australischen Landschaft auf, ist schlussendlich aber auch nur durchschnittlich. Das Editing ist teils etwas zu hektisch, grade in Dialogsequenzen hätte es ein wenig ruhiger zugehen dürfen.

Was also darf man sich unterm Strich von THE FURIES erwarten? Einen gradlinigen Slasher der mit Blut nicht geizt und auch damit umzugehen weiß. Einen kleinen, sehenswerten Beitrag zum Genre aus Down Under dessen Regisseur man ruhig im Auge behalten darf. Aber feministische Propaganda? Nun gut, die Rollen sind hier - zumindest anfangs - klar verteilt: Frauen müssen sich gegen ausschließlich männliche Angreifer zu Wehr setzen. Doch ist diese äußerst klischeehafte Geschlechter-Aufteilung im Horror-Genre schon seit Jahrzehnten verankert und wurde auch bisher nicht mit zwangsläufig mit einer Agenda in Verbindung gebracht. Dennoch wird der Film vom Verleih explizit als "female-driven survival thriller/horror" vermarktet und in Werbetexten auf den "mehrheitlich weiblichen Cast" hingewiesen.

Diese Aussagen verkommen aber zum reinen Marketing-Gewäsch, ist doch die Crew im Hintergrund überwiegend männlich. Ich glaube, hier wird in das Script und vor allem aber auch das Marketing mehr hineininterpretiert als notwendig. Will der Verleih mit solchen Aussagen gewisse Zielgruppen ansprechen? Durchaus. Allerdings orte ich die Intentionen dahinter eher bei einer leicht provokanten Vermarktung, um in einem stark übersättigten Markt etwas Aufmerksamkeit zu generieren, als in politischen Absichten. Dafür ist das Ganze inhaltlich dann doch zu trivial.

The Furies Bild 1
The Furies Bild 2
The Furies Bild 3
The Furies Bild 4
FAZIT:

Ein unkomplizierter Slasher der mit ordentlich umgesetzten Gore und einem guten Cast punkten kann, dafür aber auf Seiten der Handlung völlig versagt. Dennoch empfehlenswert für Genre- Liebhaber.

WERTUNG: 6 von 10 Körperteilen
Gastreview von Kilian Reichl
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