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The Killer Is Still Among Us

The Killer Is Still Among Us

OT: L'assassino è ancora tra noi
GIALLO: ITALIEN, 1986
Regie: Camillo Teti
Darsteller: Francesco Capitano, Mariangela D'Abbraccio, Bruno Minniti

STORY:

Ein Liebespärchen vergnügt sich in einem Auto. Da erscheint ein unbekannter Killer und erschießt sie beide und bearbeitet die Frau anschließend noch ein wenig mit dem Messer. Als die Polizei den Tatort untersucht, ist auch die Kriminologiestudentin Christina Marelli (Mariangela D'Abbraccio) dabei. Der Mord geht auf das Konto des (real existierenden) "Monsters von Florenz", über den Christina gerade ihre Abschlussarbeit schreibt. Kurz darauf bekommt sie einen bedrohlichen Telefonanruf. Doch Christina stellt weitere Nachforschungen an und bringt ihr eigenes Leben immer mehr in Gefahr...

KRITIK:

Der Film THE KILLER IS STILL AMONG US bildet zusammen mit GIALLO A VENEZIA und THE NEW YORK RIPPER das Trio Infernale der berüchtigsten Gialli der Filmgeschichte. Die beiden, wesentlich bekannteren, letztgenannten Filme verbindet die exzessive Darstellung von Sex und Gewalt. Aber das ist auch schon der einzige gemeinsame Nenner.

Mario Landis GIALLO A VENEZIA (1979) ist ein durch und durch schmieriges Machwerk, ein billiges und langweiliges Softsex-Filmchen, das noch nicht einmal sexy ist, und das deshalb mit ein paar krassen Goreszenen aufgepeppt wurde. Dagegen spielt Lucio Fulcis THE NEW YORK RIPPER (1982) in einer ganz anderen Liga. Der Film ist zwar ebenfalls ziemlich schmierig, aber das sehr bewusst. Mit einigen budgetbedingten Abstrichen, ist der Film durchaus virtuos inszeniert und kann sogar als eine recht zynische Gesellschaftskritik gelesen werden. Doch wie steht es nun um Camillo Tetis 1986 erschienenen THE KILLER IS STILL AMONG US?

Zunächst einmal fällt auf, dass der Film ein Nachzügler ist. Denn die Entstehungszeit von GIALLO A VENEZIA und THE NEW YORK RIPPER markiert genau den Höhepunkt der sich seit Mitte der 70er immer weiter steigernden Sex- und Gewaltwelle des Genres. Aber 1986 waren viele Regisseure bereits wieder umgeschwenkt und haben nach anderen Wegen gesucht, dem Giallo neues Leben einzuhauchen. THE KILLER IS STILL AMONG US nimmt dabei zwischen beiden Strömungen eine Mittelstellung ein.

Der nüchterne Inszenierung erinnert über weite Stecken an einen TV-Krimi. Die für das Genre einstmals typische Virtuosität vermisst man hier fast vollkommen. Auf der anderen Seite kommt dies jedoch auch dem angestrebten Realismus zu Gute. Denn, wie bereits gesagt, wird hier eine Mordserie beschrieben, die damals tatsächlich die Stadt Florenz in Angst und Schrecken versetzt hat. Die schauspielerischen Leistungen sind alle im grünen Bereich und der Hauptdarstellerin Mariangela D'Abbraccio gelingt es dem Film ein emotionales Zentrum zu geben. Im Gegensatz zu GIALLO A VENEZIA schafft es THE KILLER IS STILL AMONG US auch eine weitestgehend durchgehende, wenn auch nur mäßige, Spannung aufzubauen.

Die einzigen Szenen, die ein wenig atmosphärischer inszeniert sind, sind die nächtlichen Bedrohungs- und Mordszenen. Hier ist mir insbesondere die teilweise recht originelle Soundkulisse positiv aufgefallen. Bis auf die eine Szene, dem der Film seinen zweifelhaften Ruf verdankt, sind diese Szenen jedoch niemals übermäßig grafisch. Und obwohl es sich hier um einen Mörder von Liebespärchen handelt, wird auf die ausgewalzte Darstellung von Sexszenen gänzlich verzichtet.

Die Darstellung hat mich ein wenig an den thematisch verwandten ZODIAC von David Fincher erinnert, wobei dessen Klasse jedoch niemals auch nur annäherungsweise erreicht wird. Aber ich glaube, dass der Regisseur Camillo Teti mit THE KILLER IS STILL AMONG US schon so etwas ähnliches wie Fincher vor hatte. Aber die hier gezeigten Ermittlungsarbeiten bleiben zumeist recht uninteressant. Stattdessen bezieht der Film seine Spannung hauptsächlich aus der Frage, ob nicht gar Christinas Freund, der Arzt Alex (Francesco Capitano) der Killer ist.

Für einen Giallo ungewöhnlich ist der Schluss von RHE KILLER IS STILL AMONG US. Und ohne hier groß spoilern zu wollen, muss ich sagen, dass in diesem Fall die äußerst harte Szene direkt davor schon Sinn macht, damit das Ganze überhaupt so funktionieren kann. Aber es ist eben auch genau diese eine Szene, die das Level an misogyner Gewalt in GIALLO A VENEZIA noch einmal deutlich toppt. Doch ich kann dem User in der IMDb beipflichten, dass ihm derjenige leid tut, der sich nur wegen dieser einen Szene auf die Suche nach diesem Film macht.

Wer vergleichbare Perversitäten sucht, der soll sich lieber Lars von Triers ANTICHRIST anschauen. Das würde zumindest zwei entscheidende Vorteile mit sich bringen. Erstens steht dieser prätentiöse Möchtegern-Arthouse-TorturePorn (auch die zweite Silbe wird hier groß geschrieben!!!) wahrscheinlich in der nächsten Videothek um die Ecke. Und zweitens fällt es bei einem Film von dem selbst erklärten wichtigstem Regisseur der Welt schon wesentlich einfacher zu vermitteln, dass man eben ein echter Cineast ist, der sich auch nicht vor schwierigen Werken scheut, und kein degenerierter Perversling auf der Suche nach dem neuesten, ultimativen Kick ...

Aber das größte Problem von THE KILLER IS STILL AMONG US liegt wohl gerade darin, dass der Film einen eigenen Weg geht und sich damit zwischen alle Stühle setzt. Wer sich hier auf einen gemütlichen Krimiabend einstellt, der erlebt sein blaues Wunder, aber der eingefleischte Gorehound wird sich trotzdem über weite Strecken nur langweilen. Und dem Liebhaber klassischer Gialli wird die unspektakuläre Inszenierung nerven ...

The Killer Is Still Among Us Bild 1
The Killer Is Still Among Us Bild 2
FAZIT:

THE KILLER IS STILL AMONG US ist bei weitem nicht so schlecht, wie seine teilweise vernichtenden Kritiken vermuten lassen. Ihm fehlt ganz einfach die nötige Brillianz, um einen wirklich ganz überzeugen zu können. Was, neben einer berüchtigten Szene, bleibt, ist ein recht interessanter, aber keineswegs herausragender Film.

WERTUNG: 5 von 10 unerfreulich überraschten Liebespärchen
TEXT © Gregor Torinus
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