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The Possession of Joel Delaney

The Possession of Joel Delaney

HORROR: USA, 1972
Regie: Waris Hussein
Darsteller: Shirley MacLaine, Perry King, Lisa Kohane, David Elliot

STORY:

Norah liebt ihren jüngeren Bruder Joel abgöttisch und auch ihre Kinder halten Joel für den "besten Onkel der Welt". Doch plötzlich stimmt etwas nicht mehr mit Joel. Er legt ein sonderbar aggressives Verhalten an den Tag und spricht über Nacht perfekt spanisch. Es scheint, als hätte der Geist eines Serienmörders, dessen Leidenschaft das Köpfen von Frauen war, Besitz vom lieben Onkel Joel ergriffen…-

KRITIK:

Stand ofdb heute, 7. 11. 2009: THE POSSESSION OF JOEL DELANEY ist noch ohne Bewertung. Was wohl den Rückschluss zulässt, dass den Film hierzulande kaum einer gesehen hat. Was haben wir also im Player - eine untergegangene Perle oder ein Streifen, der zu Recht der Vergessenheit anheim gefallen ist?

Darüber dürften sich die Gelehrten streiten, denn zumindest in den USA hat der nicht unumstrittene Film einige Freunde. Doch ich wage mal zu behaupten, dass ein Film, der so schwer in die Gänge kommt wie die POSSESSION OF JOEL DELANEY beim heutigen Publikum wenig Chancen hat. Großer Gott, die ersten 50 Minuten waren selbst mir, der jede Minute vom landläufig nicht gerade im Ruf eines rasanten Films stehenden VAMPYROS LESBOS spannend fand, viel zu langsam. Müde Zeitgenossen dürften da ziemlich schnell den Kampf mit Morpheus verlieren, während auf dem Bildschirm die Handlung unbeeindruckt weiter im Schneckentempo voran kriecht.

Doch man muss diesem Werk aus den frühen Siebzigern auch etwas zugestehen: Es verquickt zu einem filmgeschichtlich frühen Zeitpunkt das Übernatürliche mit dem Serienkillerflick und ist damit legitimer Pate von Streifen wie SHOCKER, PENTAGRAMM oder DÄMON. Und ja, er wartet mit Besessenheit und Exorzismus noch vor dem EXORZIST auf; aber mit letzterem verbietet sich dann doch jeder weitere Vergleich.

Bemerkenswert ist allerdings Husseins unverblümtes Suggerieren, dass die Beziehung der Geschwister Norah und Joel einen Geschmack von Inzest hat. Da scheint Shirley MacLaine doch ein verbotenes Auge zuviel auf ihren "kleinen Bruder" Perry King zu haben und irgendwie scheint das anfangs mehr im Mittelpunkt des Interesses zu stehen als die Seelenwanderung eines verstorbenen hispanischen Frauenmörders in Joels Körper.

Dennoch überzeugt der extrem abwechslungsreiche und stimmige Score von Joe Raposo auch in den zähesten Passagen. Und von denen gibt es reichlich in der langen Zeit, in welcher THE POSSESSION OF JOEL DELANEY mehr Narkosemittel denn Film ist. Nach fünfundvierzig Minuten kommt dann mit einer seltsamen Geburtstagsfeier ein Zwischenhoch. Was noch intensiviert wird, als Shirley MacLaine kurz darauf eine Leiche findet und ziemlich befremdlich darauf reagiert. Der Verstörung folgt aber sogleich wieder der Gang in die Oase der Langatmigkeit.

Doch dann - die letzten zwanzig Minuten im Strandhaus, in welches Norah mit ihren Kindern geflohen ist. Garstigkeitswarp ein; Anzug der Härteschraube. Perry King mutiert zum furchteinflößenden Vorzeigepsychopathen. Und der ganze Film tut es ihm gleich. Plötzlich kippt der bis dahin sterbenslangweilige Flick sogar ins Grenzwertige, wenn Kinder ohne Rücksicht auf das Alter der Darsteller durch Demütigungsparcours a la HOUSE ON THE EDGE OF THE PARK oder LA SETTIMA DONNA geschickt werden. Vor dem Bildschirm ist man plötzlich wieder hellwach und denkt sich "What the fuck…" bei der letzten herben Viertelstunde.

Zurück zur Eingangsfrage. Lohnt der Film? Schwer zu sagen. THE POSSESSION OF JOEL DELANEY hat was von einem Fußballspiel, das bis zur 85. Minute torlos und öde vor sich hin plätschert, bis es dann urplötzlich in den Kästen scheppert und es als Zugaben noch ein paar rüde Fouls und rote Karten gibt. Im Nachhinein wird man ein solches Spiel sicherlich nicht als verschwendete Zeit betrachten. Auch wenn objektiv und als Ganzes betrachtet zuvor einiges im Argen gelegen hat. Aufgrund des intensiven Endspurts, der Fotografie und der Filmmusik in Addition mit dem Merkwürdigkeitsbonus hätte der Okkultthriller auf den letzten Metern sogar fast noch den Sprung auf die 6 Punkte-Marke geschafft. Allerdings nur fast… Denn 80 Minuten mehr oder weniger Langeweile sind auch nicht so leicht wegzudiskutieren. Ansehen kann man ihn sich trotzdem; und sei es nur um dem Film seine Notenjungfräulichkeit bei der ofdb zu nehmen…

The Possession of Joel Delaney Bild 1
The Possession of Joel Delaney Bild 2
The Possession of Joel Delaney Bild 3
The Possession of Joel Delaney Bild 4
FAZIT:

So was habe ich selten erlebt. Zuerst lullt dieser Okkultthriller seine Zuschauer mit dramaturgischem Schneckentempo fast in den Schlaf, bevor er in den letzten 20 Minuten plötzlich die grenzwertige Kelle auspackt und sich mit einer Extraportion Garstigkeit aus dem Fadefilmetopf zieht…

WERTUNG: 5 von 10 Dominosteinen
TEXT © Christian Ade
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