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The Revenant

The Revenant

DRAMA: USA, 2015
Regie: Alejandro González Iñárritu
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter

STORY:

Amerika, in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts: Mitten im Indianer-Gebiert wird der Trapper und Pelztierjäger Hugh Glass von einem Grizzly angegriffen und schwer verletzt. Auf die Kameraden ist wenig Verlass: Als die Indianer näherkommen, lassen sie den Halbtoten im Wald zurück und fliehen. Doch Glass stirbt nicht. Sein Wille und sein Rachedurst lassen ihn in der menschenfeindlichen Wildnis überleben. Er wird zurückkommen - wie es der Filmtitel verspricht.

KRITIK:

Irre. Es ist gerade mal der 6. Jänner, und der Film des Jahres steht schon so gut wie fest. Nein, es ist nicht der neue Tarantino. Es ist nicht Batman vs. Superman. Und schon gar nicht Star Wars, danke der Nachfrage.

Nachdem der mexikanische Auteur Alejandro G. Iñárritu mit BIRDMAN ungewöhnlich komödiantische Töne angeschlagen hatte, regiert in THE REVENANT wieder der heilige Ernst. Und eine alttestamentarische Härte.

Der Film beginnt mit einem brachialen Gemetzel, das Iñárritu als eine Art Ballett der fliegenden Pfeile und Tomahawks inszeniert. Wo andere Regisseure auf Schnittgewitter setzen, um Dynamik zu generieren, durchschwebt die Kamera von Emmanuel Lubezki das Schlachtfeld in langen Plansequenzen. Der Trupp um Anführer Hugh Glass (unter seinem verwilderten Rauschebart kaum zu erkennen: Leonardo DiCaprio) wird rasch dezimiert. Wer kann, rettet sich auf ein Boot und treibt flussabwärts. Bald eskalieren die Spannungen. Und als Glass von einem Bären schwer verletzt und von seinen Kameraden im Wald zurück gelassen wird, stehen die Zeichen auf Überlebenskampf. Mensch gegen Natur.

Survival-Dramen, in denen der nackte, physische Überlebenskampf in feindlicher Wildnis ins Zentrum der Erzählung rückt, gab es in den letzten Jahren einige. Vincent Gallo irrte in ESSENTIAL KILLING halberfroren durch verschneite osteuropäische Wälder. Im australischen Survival-Horror-Drama VAN DIEMEN'S LAND trieben Hunger und Kälte eine Gruppe Strafgefangene zum Äußersten. Und in THE GREY musste Liam Neeson die Bedeutung des Sprichworts "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.

THE REVENANT übertrifft diese unterschiedlichen, auf ihre Weise großartigen Filme alle, in praktisch allen Belangen. Regisseur Alejandro G. Iñárritu begreift Kino als Überwältigungs-Spektakel für alle Sinne. Iñárritu und sein Kameramann Emmanuel Lubezki bombardieren das Publikum mit Bildern, die sich in die Netzhaut brennen. Das erwähnte Gemetzel am Filmbeginn. Die Bären-Attacke. Der Sturz in die Schlucht. Die Übernachtung im Pferde-Körper (frage nicht ...)

Iñárritu traf die ungewöhnliche Entscheidung, den Film chronologisch zu drehen. Emmanuel Lubezki bestand auf natürliches Licht. Und CGI sind sowieso Teufelswerk (wiewohl die unfassbare Bären-Szene selbstverständlich digitalen Urspungs ist). Dass diese cineastischen Reinheitsgebote die Outdoor-Dreharbeiten in der kanadischen Wildnis nicht gerade erleichterten, dürfte einleuchten. Prompt machten Gerüchte von überzogenen Terminen, gesprengten Budgets und Katastrophen in Apocalypse Now-Dimensionen die Runde.

Doch die Strapazen, die Schauspieler und Crew auf sich nahmen, haben sich gelohnt: THE REVENANT ist ein Film, der einen mit unvergleichlicher Wucht in den Kinosessel drückt. Ins Geschehen hineinsaugt. Den Überlebenskampf beinahe körperlich spürbar macht. Die Frostbeulen in DiCaprios Gesicht sehen verdammt echt aus, und auch sonst hat Leo das volle Method-Acting-Programm durch: Rohe Büffelleber essen, wo er doch Vegetarier ist. Ein Trapper-Bootcamp absolvieren und zwei Indianersprachen lernen. Wenn's diesmal wieder nichts wird mit dem Oscar, wie, bitte, sollte er diesen Parforceritt noch toppen?

The Revenant Bild 1
The Revenant Bild 2
The Revenant Bild 3
The Revenant Bild 4
The Revenant Bild 5
FAZIT:

Körperkino, brachial: In THE REVENANT kämpft Leonardo DiCaprio ums Überleben in eiskalter, feindlicher Wildnis. Vielleicht ist es verrückt, am 6. Jänner den Film des Jahres auszurufen. Ist THE REVENANT der APOCALYPSE NOW unter den Survival-Filmen? Welcher Film 2016 sollte diese cineastische Wahnsinnstat noch übertreffen? Möglicherweise das.
In diesem Sinne: "So lange du atmen kannst, wirst du kämpfen."

WERTUNG: 10 von 10 Frostbeulen
Dein Kommentar >>
W.L. | 07.09.2016 09:55
Also,möchte an dieser Stelle auch mal meinen Senf dazu tun,ausnahmsweise.
Es ist so ziemlich alles schon gesagt worden.Aber was für mich den ganzen Film unglaubwürdig macht,ist die Tatsache,das so eine Zerfleischerei mit dem Bären NIEMAND überleben würde,auch ein di Caprico nicht.Schade
>> antworten
an | 29.06.2016 00:12
Ich kann die euphorie verstehen. Die Inzenierung ist Top Sound ist gut. Nur Die Story ist so Flach und kurz, das hier dass writing wohl nicht so besonderst wichtig geommen wurde.

4 von 10 harte graßfressende Di Caprios von mir
>> antworten
Heinrich | 13.02.2016 15:37
Es tut mir leid, aber ich kann diesem Film nur sehr wenig abgewinnen und die allgemeine Euphorie nicht nachvolziehen.
Expliziteste Gewaltdarstellungen in dauernden Closeups sind für mich kein Überwältigungskino. Vielmehr verhindert der natürliche Abwehrreflex gegeüber diesen Bildern jede Immersion oder Identifikationsmomente mit den Figuren.
Die Geschichte beschränkt sich auf "Mann jagt anderen Mann und tötet anderen Mann".
Dank der sehr atmosphärischen Landschaftsbilder und der greifbaren Unwirtlichkeit der winterlichen nordamerikanischen Natur wird der Film lebendig. Die Darsteller oder die "Story" haben damit aus meiner Sicht nur sehr wenig zu tun.
Beim abschließenden Zweikampf musste ich, es tut mir leid, im Kino lauthals lachen und wie mir ging es tatsächlich auch einigen anderen Leuten.
Sollte Leo für diesen Film den längst überfälligen Oscar bekommen verliert die Academy an Bedeutung.
Um mal einen Vergleich zu ziehen: The Grey schlägt diesen Film in sehr vielen Kategorien und wäre meine Empfehlung für alle Survivalfilm-Freunde.
Wer gerne den aktuellen Werbefilm der Metzgerinnung genießen möchte ist mit "The Revenant" bestens beraten.
Beste Grüße,

Heinrich
Wolfgang | 18.02.2016 23:59
So unterschiedlich sind die Geschmäcker. The Grey war für mich ein klassischer "läuft am Dienstag 22:15h auf RTL2" Film.
The Revenant ein Kunstwerk in vielerlei Hinsicht. Visuell umwerfend.
Die Nahaufnahmen haben zum Immersion beigetragen, bei "Gewaltdarstellungen" war man beängstigend nahe am Geschehen.
>> antworten
Wolfgang | 16.01.2016 09:34
Für Filme wie diesen wurden Kinos gebaut, ich werde
mir dieses Kunstwerk noch mindestens ein zweites
mal auf der großen Leinwand geben.
Harald | 16.01.2016 10:46
Hier bitte einen gedrückten Like-Button vorstellen.
>> antworten
Andreas | 12.01.2016 09:42
Nach dem Ansehen, war mir vor allem eines: kalt!
Selten so im Kino gefrohren :-)

Der Film zeichnet sich aus durch ganz, ganz tolle
Bilder und Landschaftsaufnahmen... allein deswegen
schon sehenswert auf großer Wand! - Aber das war's im
Wesentlichen auch schon... Vielleicht waren meine
Erwartungen zu hoch nach dem hymischen Harald Review.
Oder es lag daran, dass ich wegen O-Ton und
Hinterwäldlerenglisch nur 70% verstanden habe, was
die Leute reden. Aber sicher bleibt leider: Die Story
ist ne sehr simple gestrickte Revenge-Geschichte ohne
jegliche Überraschung, geradlinig wie die A1 in
Oberösterreich.
(SPOILER: außer vielleicht, dass Di Caprio den Bösen
verschont am Schluss - aber dafür wird er in der
nächsten Sekunde (wieder berechenbar) gekillt. Schade
und ziemlich schwach.)

7 von 10 Kneipp-Bädern im eiskaltem Wasser
>> antworten
Djan | 11.01.2016 20:47
Apocalypse now ist der richtige vibe :-)
unglaublich... 10/10 tom Hard war auch der shit :-)
Wahnsinn alle beide
SPOILER
die messerstecherei und die bären Szene haben die
suchen nach ihres gleichen
SPOILER ENDE
>> antworten
thomas | 10.01.2016 22:13
Was heißt CGI sind Teufelswerk der ganze Bär ist zwar sehr gute CGI plus Büffel,Schnee usw aber hier wurde keineswegs darauf verzichtet.Di Caprio im Rambo Modus, warum das einen Oscar verdient weis ich nicht,der Typ nervt mich leider nur,besonders in Wolf of Wall Street
hier gibt er wenigstens kein maßloses overacting von ihm.Die Kamera von Lubezki ist Traumhaft ansonsten leider zu lange geraten aber das gehört zum guten Ton.Wenn das schon das beste war dann hoffe ich doch persönlich noch auf mehr,sehr viel mehr.
>> antworten
Monika | 09.01.2016 14:26
Auch wenn mich der Film nicht komplett weggeblasen hat, herausragend war er auf jeden Fall. 8 von 10 Bärenkrallen gäbs von mir. Und klar, den Oscar hat Leo sich längst verdient. Noch mehr allerdings für Vergangenes wie "The Wolf of Wall Street" oder "Django Unchained", wo man wirklich sieht, was für ein feiner Schauspieler er ist. Hier gings natürlich mehr darum, wie viel oage Sachen er für die Rolle auf sich genommen hat. Aber wurscht, möge er das goldene Manderl endlich kriegen. ;-) Im übrigen hat mich hier Tom Hardy fast noch mehr beeindruckt. Eine seiner besten Performances überhaupt. Außerdem sehr wichtig für den Film und auch herausragend: der Score! Doch, das passt schon alles sehr gut.
Ganz abgesehen davon: "Star Wars" hat mich so gut unterhalten, wie davor schon lange kein Film mehr. Wirklich sehenswert. Und natürlich spielt da wie dort Domhnall Gleeson mit, weil wo spielt der derzeit nicht mit. ;-)
>> antworten


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