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The Room Next Door

The Room Next Door

OT: La stanza accanto
GIALLO: ITALIEN, 1994
Regie: Fabrizio Laurenti
Darsteller: Mark Benninghoffen, Coralina Cataldi-Tassoni, Thomas Patrick, Mary Sellers

STORY:

Im Jahre 1940 kehrt Martin Yakobowsky (Mark Benninghoffen) nach 15 Jahren aus Chicago in das Dorf in Iowa zurück, wo er aufwuchs. Er verließ den Ort nachdem dort ein Dreifachmord geschah, bei dem er gegen den Hauptverdächtigen aussagte, welcher daraufhin auf dem elektrischen Stuhl landete.

Doch Martin hat Probleme sich genau daran zu erinnern, was er damals tatsächlich beobachtet hatte. Und zudem meint er in seinem Hotel seltsame Geräusche aus dem Nachbarzimmer zu hören, obwohl dieses nur als Abstellraum genutzt wird. Dies alles, sowie die Tatsache, dass inzwischen fast jeder im Ort davon überzeugt ist, dass damals ein Unschuldiger für dieses grauenhafte Verbrechen verurteilt wurde, treiben Martin dazu nun selbst Nachforschungen anzustellen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen...

KRITIK:

Der Spätgiallo THE ROOM NEXT DOOR (1994) erinnert nicht von ungefähr sowohl von seinem Story-Aufbau, als auch von seinem Setting an Pupi Avatis fast dreizig Jahre zuvor entstandenes Meisterwerk THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS (1976). Denn auch wenn der Regisseur Fabrizio Laurenti ein relativ unbeschriebene Blatt ist: das Drehbuch zu seinem Film stammt von keinem geringeren als von Pupi Avati himself!

Schon seinen Horrorthriller THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS hat man bereits als einen Gegenentwurf zu den damals in Italien üblichen Thrillern bezeichnet. Und tatsächlich erschien dieser Avati schon damals als einer der heimlichen Autorenfilmer unter den italienischen Genre-Regisseuren der 70er Jahre. Und inzwischen ist der Herr auch mehr ein gern gesehener Gast auf diversen "seriösen" Filmfestivals und dreht fast nur noch alle zehn Jahre mal wieder einen anständigen Genrefilm ...

Da freut es den Fan natürlich umso mehr, wenn er zumindest das Drehbuch für einen richtigen Giallo verfasst. Und in der Tat finden sich in THE ROOM NEXT DOOR derart zahlreiche Elemente aus seinem Klassiker THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS wieder, dass dieser Film teilweise sogar als eine Art inoffizielles Sequel bezeichnet wird. - Nachdem ich den Film neulich selbst gesehen habe, würde ich jedoch weniger von einem Sequel, als von einer Art Variation sprechen ...

Denn inhaltlich knüpft dieser Spätgiallo keineswegs an Avatis Klassiker aus den 70er Jahren an. - Wie die Inhaltsangabe bereits klar zeigt, spielt die Handlung diesmal auch nicht in Italien, sondern in den USA. Dabei vermute ich, dass dies mehr den damaligen Geldgebern bzw. der Tatsache geschuldet ist, dass sich das italienische Genrekino dieser Zeit allgemein stark am amerikanischen Markt orientiert hat.

Wie dem auch sei, jedenfalls kommt dies in diesem konkreten Fall sogar dem Film zugute. Denn so bietet dieser ein schönes historisches Setting im Amerika der 40er Jahre, das alleine schon einiges dafür tut, dass THE ROOM NEXT DOOR wesentlich atmosphärischer als das Gros der in den 90er Jahren in Italien gedrehten Streifen ausfällt. Dieses historische Ambiente und die Tatsache, dass auch dies ein Film ist, der nur sehr langsam, aber dafür zugleich sehr bestimmt seine bedrohliche Atmosphäre aufbaut, erinnern jedenfalls sehr stark an THE HOUSE WITH THE LAUGHING WINDOWS. Und auch hier dreht sich alles um eine düstere Vergangenheit, die je länger man in ihr wühlt, immer mehr die Gegenwart einzuholen droht.

Unterstützt wird das Ganze durch durchweg solide darstellerische Leistungen. Insbesondere der Schauspieler Mark Benninghoffen vermag den komplexen Martin Yakobowsky recht überzeugend Gestalt zu verleihen. Und auch inszenatorisch liegt der Film deutlich über dem gängigen Niveau seiner Zeit.

Im direkten Vergleich zu THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS zieht THE ROOM NEXT DOOR jedoch erwarteterweise aus atmosphärischer Sicht eindeutig den Kürzeren. - Auch wenn die Story an sich wieder sehr gut ist: so richtig erinnerungswürdige Szenen gibt es hier leider nur sehr wenige. Streng genommen fällt mir da eigentlich sogar nur genau eine einzige ein. - Diese fand ich dann aber tatsächlich echt verblüffend anders und gelungen. Es handelt sich dabei um eine Szene, die ich hiermit als meinen bisher heißesten Kandidaten für den erotischsten Rasiermessermord aller Zeiten nominieren möchte!!!

The Room Next Door Bild 1
The Room Next Door Bild 2
The Room Next Door Bild 3
The Room Next Door Bild 4
The Room Next Door Bild 5
FAZIT:

Wo Pupi Avati draufsteht, da ist auch Pupi Avati drin! - Und so ist auch der von ihm geschriebene THE ROOM NEXT DOOR aus dem Jahre 1994 ein atmosphärischer Psychothriller geworden. Die Brillanz seines Giallo-Meisterwerks THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS erreicht dieser Spätgiallo zwar leider nicht. - Aber zur Entschuldigung muss gesagt werden, dass Avati hier ja auch nicht selbst Regie geführt hat. - Aber ein kleines, verstecktes Juwel ist dieser Film dann doch und für eine eindeutige Empfehlung langt es hier allemal!

WERTUNG: 7 von 10 Blicke durch das Loch in der Wand in die Vergangenheit
TEXT © Gregor Torinus
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