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The Saddest Music in the World

The Saddest Music in the World

DRAMA/KOMÖDIE/MUSICAL: CAN, 2003
Regie: Guy Maddin
Darsteller: Isabella Rossellini, Mark McKinney, Maria de Medeiros

STORY:

Winnipeg 1933 - die Zeit der grossen Depression. Die kanadische Stadt ist zum vierten Mal hintereinander zur "Welthauptstadt der Trauer" gekürt worden. Um Trink-Touristen aus den prohibitionsgeplagten USA anzulocken, organisiert die beinamputierte Bierbaronin Lady Port-Huntly (Isabella Rossellini) einen Wettbewerb um die traurigste Musik der Welt.

Aus allen Kontinenten reisen trinkfeste Virtuosen tränenreicher Melodien an, um in einer Art "Songcontest der Depressionen" gegeneinander anzutreten. Dem Sieger winkt ein Bierbad und ein stattliches Preisgeld von 25.000 "Depression Era Dollars".

Die möchte gerne Lady Port-Huntlys notorisch lügender Ex-Liebhaber Chester Kent einsacken. Konkurrenz bekommt er von seinem Bruder Roderick, der als "Gavrilo" für Serbien antritt, und ihrem Vater, Fyodor Kent - einem saufenden Ex-Chirurgen, der Port-Huntlys Beine auf dem Gewissen hat. Das turbulente Musiktournier kann beginnen und die alten Familienkonflikte brechen in voller Wucht auf...

KRITIK:

Eine beinlose Bierbrauerin, ein Chirurg, der mit der Bogensäge operiert, ein Sänger, der den Künstlernamen jenes serbischen Attentäters trägt, der den ersten Weltkrieg auslöste: Nein, mangelnde Fantasie kann man dem kanadischen Filmemacher Guy Maddin wahrlich nicht vorwerfen.

Und mangelndes Stilbewußtsein ebensowenig: Neben all den Fantasy-Motiven, der surrealistischen Ausstattung und den kuriosen Musical-Einlagen fällt die expressionistische Stummfilm-Ästhetik der 20er sofort ins Auge: Fast durchgängig in Schwarz-Weiß gehalten, von Weichzeichnern verfremdet, von halluzinatorischen Lichteffekten durchzogen, wirkt der Film wie ein postmoderner Remix der Werke von Friedrich Wilhelm Murnau bis Sergej Eisenstein.

Inhaltlich dreht sich alles um unerfüllte Liebe, sexuelle Obsessionen und dunkle Familiengeheimnisse - die mit viel schwarzem Humor vor dem Zuseher ausgebreitet werden.

Ein Film also, der in keine Schublade passt - und dessen komplexe Story vom Zuseher anfangs etwas Aufmerksamkeit einfordert. Im Halbschlaf reinzappen und berieseln lassen ist hier definitiv nicht drin. Doch wer sich drauf einlässt, wird mit einem Film belohnt, wie er ihn gewiss noch nie gesehen hat. Diverse Festival-Preise und Jubelkritiken, wohin man blickt und klickt, sollten wohl Kaufanreiz genug sein.

Das Berliner Label Cinema Surreal präsentiert The Saddest Music in the World in einer liebevollen Aufmachung, komplett mit umfangreichen Booklet. Als Extras gibt's fünf Kurzfilme von Guy Maddin: Cowards Bend The Knee (60 min.)
Sissy-Boy-Slap-Party (6 min.)
Sombra Dolorosa (7 min.)
A Trip To The Orphanage (4 min.)
The Heart Of The World (6 min.)

The Saddest Music in the World Bild 1
The Saddest Music in the World Bild 2
The Saddest Music in the World Bild 3
The Saddest Music in the World Bild 4
FAZIT:

Surreale Songcontest-Parodie, schwarzhumoriges Familiendrama, kunstsinnige Verbeugung vor dem Expressionismus der 20er-Jahre: Die Schublade, in die diese wundervolle Indie-Produktion passt, muss wohl erst gezimmert werden. Murnau, Buñuel und Lynch lassen herzlich grüßen...
Open you mind for a different view, aber wirklich!

WERTUNG: 7 von 10 biergefüllte Beinprothesen
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