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The Sinful Dwarf

The Sinful Dwarf

OT: Dvaergen
SEXPLOITATION: DäNEMARK, 1974
Regie: Vidal Raski
Darsteller: Anne Sparrow, Tony Eades, Clara Keller, Werner Hedmann

STORY:

Eine entstellte Alkoholikerin und ihr zwergwüchsiger Sohn halten sich blutjunge Mädchen in ihrem Speicher, die sie mit Heroin gefügig machen, an Freier verkaufen oder selbst als Sexsklavinnen missbrauchen. Als ein Pärchen ein Zimmer im Haus zur Untermiete bezieht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der blonde weibliche Part der Mieter ebenfalls unterm Dach landet…

KRITIK:

An seinem asozialen Tag im Jahr 1974 ist der Sexploitation-Gott offenbar höchstpersönlich vom Sleaze-Olymp hinab nach Dänemark gestiegen, hat seine niederträchtige Phantasie spielen lassen und einen Film gedreht. Der Titel: THE SINFUL DWARF.

Und dieser Film dürfte damals nur dem harten Kern der Grindhäuser - der sogenannten Raincoat-Crowd - zugesagt haben. Und dort auch nur denen, die sich am tiefsten hinter den am höchsten gestellten Krägen versteckt haben. Heute dürfte sich die Sachlage nicht grundlegend geändert haben, denn die "Mother of all Dwarfsploitation Films" (O-Ton: The Daily Grindhouse) ist eine richtig schäbige, verkommene Rabenmama. Eine Silberscheibe, die wohl die schmuddeligsten und widerlichsten 95 Minuten meines Lebens beinhaltet.

Schon die Pre-Vorspannsequenz - der Zwerg lockt eine mit zwei Zöpfen auf kindlich getrimmte Pornodarstellerin mit einem Spielzeug vom Stepping Stone-Spiel fort in einen Verschlag, wo er sie niederschlägt - stellt die Weichen auf Niedertracht.

Dann kommt mit ohrenlähmenden Gedudel der meschugge Vorspann mit musizierenden und tanzenden Plüschtieren und man denkt noch "Hey, das könnte psychotronisch werden…", aber nada.

Es wird einfach nur extrem ekelhaft und schmierig. Sowohl inhaltlich als auch handwerklich ist der SINFUL DWARF indiskutabel. Völlige Talentfreiheit hinter der Kamera, Talent- und Textilfreiheit vor der Kamera. Auf Drogenfertig geschminkte Pornoaktricen, pumpende haarige Männerärsche wie in einem richtig üblen Roughie und mittendrin Torben Bille als Titel gebender SINFUL DWARF.

Angeblich war Bille in seiner dänischen Heimat mal der lustige Liliputaner in einer TV-Show für Kinder. Hoffentlich hat keiner seiner kleinen Fans Bille in diesem Film gesehen. Das Idol als kleinwüchsiger Pimp und Drogenkurier beim Mädchen entführen, schlagen, peitschen; beim Heroinspritzen setzen und Spannen. Oder als irre kichernder Triebtäter wie er auf die großen Brüste von Anne Sparrow sabbert. Die Desillusionierung käme einer Naturgewalt gleich…

The Sinful Dwarf Bild 1
The Sinful Dwarf Bild 2
The Sinful Dwarf Bild 3
The Sinful Dwarf Bild 4
The Sinful Dwarf Bild 5Jack Black?
FAZIT:

Okay, ist kein Filmtipp, aber lasst mich euch warnen: Diesen Streifen als euren Beitrag zum gemeinsamen Filmabend mit den Schwiegereltern in spe und ihr braucht euch keine Gedanken mehr darüber zu machen, mit welcher Taktik ihr am Geschicktesten um die Hand der Tochter anhaltet. Das Thema wäre durch bis in alle Ewigkeit.
Dreckig, schmierig, asozial: Gegen den sündhaften Zwerg ist selbst der FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT hochseriöses Kino.

WERTUNG: 1 von 10 Trommeläffchen mit Heroin im Bauch
TEXT © Christian Ade
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1/10
Dein Kommentar >>
SergioSalvati | 20.12.2012 15:26
Kann ich nur zustimmen. Wo ist hier bitte
Talentfreiheit? Der Film ist ein echtes Meisterwerk,
wesentlich intelligenter und doppelbödiger, als es
auf den ersten Blick den Anschein hat. Die einzige
Schande im Zusammenhang mit diesem Meisterwerk ist
seine mangelnde Bekanntheit. Ich würde den Film,
zumindest was die Qualität betrifft, durchaus auf
eine Stufe mit dem Original-"Texas Chainsaw
Massacre" stellen. Und das meine ich keineswegs
ironisch.
Chris | 20.12.2012 23:59
Ja, mit manchen Filmen ist es manchmal so wie im richtigen Leben.
Manchmal ist vielleicht doch nicht der erste Eindruck der
entscheidende. Vor einigen Jahren waren meine Frau und ich zu
einem Polterabend eingeladen und ich traf dort auf einen Typen,
der mich (und ich wohl ihn) so angekotzt hat, dass es fast zu
Handgreiflichkeiten gekommen wäre. Ein paar Wochen später die
Hochzeit unserer Bekannten. Ein feines Ambiente mit per
Namensschildern zugewiesenen Plätzen. Und wer sitzt mir nicht
genau gegenüber? Richtig, dieser Typ! Zunächst sind wir
wahrscheinlich nur des Anstands wegen cool geblieben. Später
nach ein paar gemeinsamen Bierchen haben wir uns auch so richtig
gut verstanden. Den SINFUL DWARF hab ich seit meinem vor
einigen Jahren spontan nach dem ersten Gucken entstandenen Text
auch noch einmal wiedergesehen. Ich kam da mit ihm besser klar
als beim ersten Mal und wenn ich da eine Rezension verfasst hätte,
hätte sie sich sicherlich nicht so gelesen wie der heilige Zorn eines
verklemmten Spießbürgers... ABER trotzdem. Wenn ich auf dem
weiten Feld der Sexploitation oder meinetwegen des transgressiven
Sleaze an Meisterwerke denke, denke ich immer noch nicht an den
SINFUL DWARF, sondern eher an Sachen wie SINGAPURE SLING...
Aber weder meine noch deine Meinung sind die allgemeingültigen
und doch sind sie beide wichtig. Geben sie doch anderen Blicke auf
beide Seiten der gleichen Münze; nur eben aus anderer Perspektive.
Chris | 21.12.2012 00:02
PS: SINGAPORE SLING natürlich...
SergioSalvati | 21.12.2012 00:23
Kann ich nachvollziehen. Ich habe bei vielen Filmen
auch schon meine Meinung sehr stark geändert. So
spießig fand ich Deine Kritik auch gar nicht und ich
kann mir vorstellen, dass das sogar manche in der
Fanszene einschlägiger Streifen ähnlich sehen.

Beim "Sinful Dwarf" habe ich jedenfalls eher
bestenfalls unterhaltsamen Trash erwartet (wobei ich
Deine Kritik erst nach dem Ansehen las). Ich fand
den Film aber überraschend düster und er ging mir
wirklich sehr unter die Haut. Die Figuren und manche
Symbole (wie die niedlichen Spielzeuge, die
gleichzeitig als Drogenverstecke dienen) wirken
gerade im Rahmen der gesamten Handlung meiner
Ansicht nach sehr intelligent. Wobei ich nicht
ausschließe, dass das den Machern gar nicht bewusst
war. Der Streifen hat natürlich schon etwas
Linkisch-improvisiertes, was die Intensität meiner
Meinung nach allerdings eher noch verstärkt. Deshalb
auch mein Vergleich mit "Texas Chainsaw", bei dem
ich auch vermute, dass vieles den Machern während
des Drehs gar nicht bewusst war und er seine
Intensität vor allem glücklichen Umständen und
Zufällen zu verdanken hat. Wie der "Dwarf"-Regisseur
wirklich tickt und ob er noch einen aus meinen Sicht
so gelungenen Film gedreht hätte, wird man aber wohl
nie erfahren. Anscheinend war das seine einzige
Regie-Arbeit.
>> antworten
Glueckskeks | 13.09.2009 00:39
Die von Ihnen behauptete Talentfreiheit konnte ich in keinem Moment feststellen. Ich habe gesehen: großes Sex- und Dwarfploitationkino mit erschütternd surrealen Einlagen. Aber ganz klar ein kranker Film und nur nüchtern zu genießen. Für Freunde des ebenfalls skandinavischen "Thriller - a cruel picture" oder der kinky Michael und Roberta-Findlay-Filme der Sechziger. Ab 33.
>> antworten
Chris | 11.04.2009 18:59
@Harald
^^ Noch eine Anmerkung zu deiner Bildunterschrift. Ich darf mal vom Backcover der Severin-DVD zitieren:
"(...)Torben Bille - who looks disturbingly like Jack Black in a trash compactor(...)" ^^
>> antworten


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