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The Strange Story of Olga O.

The Strange Story of Olga O.

OT: La Strana storia di Olga O.
GIALLO: ITALIEN, 1995
Regie: Antonio Bonifacio
Darsteller: Florinda Bolkan, David Brandon, Stéphane Ferrara, Serena Grandi

STORY:

Olga O. (Serena Grandi) befindet sich in psychiatrischer Behandlung, da sie von geheimnisvollen, gewalttätigen Alpträumen gequält wird. Dann erhält sie auch noch bedrohliche Anrufe und meint in ihrer Wohnung überfallen geworden zu sein. Dreht Olga jetzt endgültig durch, oder was ist hier eigentlich los?

KRITIK:

THE STRANGE STORY OF OLGA O. ist der vorletzte Film, zu dem der Giallomaestro Ernesto Gastaldi das Drehbuch geschrieben hat. Und erstaunlicherweise stellt sein Skript eine Rückbesinnung zu seinen Anfängen im Genre dar. So erinnert OLGA O.weit mehr an den von Gastaldi sowohl geschriebenen, als auch inszenierten und eher bedächtigen LIBIDO (1965), als an seine wesentlich bekannteren und dynamischeren Gialli wie dem KILLER VON WIEN.

Auch von der optischen Seite her ist OLGA O. für einen Spätgiallo aus der Mitte der 90er Jahre durchaus ungewöhnlich, ja ich möchte sogar fast sagen, nahezu gediegen, geraten. Er übertrifft damit die meisten TV-Gialli dieser Zeit um Längen, so auch den ebenfalls von Antonio Bonifacio inszenierten APPUNTAMENTO IN NERO aka BLIND DATE (1990). Doch das verwundert nicht ganz so sehr, wenn man weiß, dass hier Luigi Kuveiller hinter der Kamera stand. Und der zeichnete sich für den Look einer ganzen Reihe hochkarätiger Giallo-Klassiker verantwortlich, unter anderem für Argentos PROFONDO ROSSO, den Übergiallo schlechthin.

So beginnt OLGA O. gleich mit einer, in grelles Licht getauchten, hyperrealistischen Traumsequenz, die fast wie ein zeitgemäßes Update des Stils von Argentos TENEBRAE wirkt. Nur wird diese relative Gediegenheit keines Wegs den gesamten Film über durchgehalten. Zwischendurch sinkt das visuelle Niveau leider doch immer mal wieder auf den allseits bekannten 90er-Jahre-TV-Look ab. Doch insgesamt muss man anerkennen, dass hier zum Teil relativ erfolgreich versucht wurde neue visuelle Akzente zu setzen.

Der moderne Look steht dabei in einer interessanten Spannung zu der ziemlich gemächlich voranschreitenden Handlung. Wie der Vergleich mit LIBIDO bereits nahelegt, ist OLGA O. vielmehr das einfühlsame Psychogramm einer von einer schmerzhaften Vergangenheit gepeinigten Seele, als der übliche flotte Mörderreigen nach Rasiermesserart. Doch damit solch ein eher langsamer Film den Zuschauer trotzdem über die gesamte Laufzeit zu fesseln vermag, dazu benötigt man wenigstens in den Hauptrollen möglichst fähige Charakterdarsteller. - Bei LIBIDO waren diese tatsächlich so gut, dass sie die mangelnden visuellen Reize des Films durchaus auszugleichen im Stande waren.

Doch OLGA O. zeigt leider, dass dies umgekehrt nicht wirklich funktionieren kann. Denn die dralle, aus Lambeto Bavas DELIRIUM bekannte Serena Grandi schaut Mann sich zwar sehr gerne an, aber bei dieser Rolle wirkt die Dame leider offensichtlich ein wenig überfordert. Das gleich gilt für den ihren Mann spielenden David Brandon (ebenfalls bekannt aus DELIRIUM und aus Soavis STAGEFRIGHT). Und wirkt die Grandi streckenweise einfach nur leicht apathisch, so verwechselt David Brandon auch schon mal das Schneiden von Grimassen mit der Darstellung komplexer Emotionen...

The Strange Story of Olga O. Bild 1
The Strange Story of Olga O. Bild 2
The Strange Story of Olga O. Bild 3
FAZIT:

Der aus der Feder von Altmeister Ernesto Gastaldi stammende THE STRANGE STORY OF OLGA O. ist ein für die Mitte der 90er-Jahre durchaus ungewöhnlicher Film. Insbesondere auf visueller Ebene vermag OLGA O. eigene Akzente zu setzen und stellt einen der wenigen Fälle dar, welche die Bezeichnung Neo-Giallo tatsächlich zu rechtfertigen vermag. Doch auch wenn die dralle Serena Grandi zwei schwerwiegende Argumente für ihre Wahl als Hauptdarstellerin ins Feld führen kann: Ihre waren Qualitäten offenbart sie dann doch eher in den recht zahlreich eingestreuten sleazigen Szenen. Aber als die von den Gespenstern der Vergangenheit verfolgte Olga, wirkt sie dann leider doch oft reichlich verloren...

WERTUNG: 6 von 10 Wahnvorstellungen (oder auch nicht...)
TEXT © Gregor Torinus
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