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This Ain't California

This Ain't California

MOCKUMENTARY: Deutschland, 2012
Regie: Marten Persiel
Darsteller: Kai Hillebrand, Nora Decker, Titus Dittmann

STORY:

Die 1980er Jahre: der 10-jährige Denis ist Sportschwimmer in Magdeburg-Olvenstadt. Um ein Ventil für den Leistungsdruck, dem ihn sein Vater aussetzt, zu schaffen, basteln er und seine Freunde die Rollen alter Rollschuhe unter diverse Bretter - sie sind somit die Skateboarder der DDR...

KRITIK:

Wer meine Besprechung von BONES BRIGADE kennt, der ahnt es schon. Ich bin der gepflegten Rollbrettfahrerei nicht abgeneigt und deshalb interessiert, an allerlei filmischen Material, über diesen Sport. Ach was sag ich? Über diese Lebenseinstellung! Hinzu kommt mein Interesse an der Deutschen Demokratischen Republik, an welchem meine Freundin, die immerhin noch über 6 Jahre des "Realsozialismus" selbst erlebt hat, zugegebenermaßen nicht ganz unschuldig ist. Deshalb empfinde ich es schon beinahe als meine Pflicht, diese Review zu schreiben.

Als ich THIS AIN'T CALIFORNIA sah, entfuhr mir ein ernstgemeintes: "WOW!" Nicht weil mich die Geschichte so berührte, nicht weil die Macher ihr Handwerk so gut beherrschten und auch nicht weil die Dokumentation insgesamt so gelungen war. Nein, sondern weil ich mir dachte: "Wie um Himmelswillen konnten diese Jungs so sein? So lässig, so anarchisch, so avantgardistisch? Und das in der DDR?! Die fahren Skateboard, lungern rum, feiern Partys, scheißen aufs System und filmen das Ganze auch noch andauernd. In den 1980ern?"

Das da was nicht stimmen konnte, war klar. Aber was? Zuerst einmal gibt es bei genauerem Hinschauen, Ungereimtheiten in der Geschichte: Die Hauptfigur Denis "Panik" Paraceck verschwindet ebenso, wie er aufgetaucht ist, im Nichts; die "Ost-Skater-WG" wohnt plötzlich in einer Wohnung, die niemand bezahlt (man stelle sich vor, auch im "Realen Sozialismus" gab es Miete!); es findet reger Austausch mit dem Westen statt, den die Staatsicherheit seelenruhig hinnimmt; und so weiter; Dann fallen einige, nennen wir sie, technische Diskrepanzen auf: elendslange Kamerafahrten; Aufnahmen in Frosch- und Vogelperspektive; diverse Effekte; und das alles mit einer Super-8 Kamera? Als Jugendliche? In der DDR? Schlussendlich agieren einige Akteure nicht gerade natürlich, ganz dezent ist ein Hauch von schlechtem Schauspiel zu spüren.

Nennen wir das Kind beim Namen: Bei THIS AIN'T CALIFORNIA handelt es sich nicht um eine Dokumentary, sondern vielmehr um eine Mockumentary. Ein Großteil des Filmes ist fiktiv, mit Darstellern nachgespielt, gefaked! Dies wäre eigentlich nicht weiter problematisch, wenn uns Regisseur Marten Persiel und sein Team (Ira Wedel/Drehbuch; Felix Leiberg/Kamera, Maxine Goedicke/Schnitt) darüber aufklären würden, was sie aber im Gegenteil mit aller Macht zu verhindern versuchen.

Ein Ansatz, der zugegebener Weise, meist richtig gut funktioniert. Denn gemacht, das muss man neidlos anerkennen, ist der Film echt prima. Sieht man von einigen etwas langwierig und pathetisch anmutenden Passagen ab, ist er echt schön anzusehen. Die Wechsel zwischen "Originalaufnahmen" aus der DDR, Gesprächen der Skater aus der Gegenwart, Interviews und Animationspassagen funktionieren meist einwandfrei, der Schnitt ist handwerklich sauber und auch die musikalische Untermalung passt. Ein Ansatz den ich als Zuschauer aber unehrlich und auch als unverantwortbar empfinde, insbesondere dann, wenn die Macher öffentlich um keinen Preis sagen wollen, welche denn nun gestellte und welche authentische Filmaufnahmen sind.

Immerhin gibt es einige wenige Lichtblicke. So habe man, laut einem FAZ-Interview, zumindest 25 Zeitzeugeninterviews geführt. Einige Originalaufnahmen, wenn auch nur bedingt von DDR-Skatern, sind sicherlich dabei und die Bilder der Euroskate ´88 in Prag sind überwiegend echt ECHT.

This Ain't California Bild 1
This Ain't California Bild 2
This Ain't California Bild 3
This Ain't California Bild 4
This Ain't California Bild 5
FAZIT:

Eigentlich ist THIS AIN'T CALIFORNIA ein guter Film geworden. Er beinhaltet viele schöne, teilweise sogar authentische Bilder von DDR-Skatern, ist weitgehend stark inszeniert und verfügt über einen tollen Soundtrack. Es muss einem jedoch klar sein, dass man hier keine Dokumentation im Player hat. Eine Tatsache, die die Filmemacher zu kaschieren versuchen und somit eine Unehrlichkeit die dem Film nur schadet.

WERTUNG: 6 von 10 Johnny Depps deutsch-synchro-Stimmen
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