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Tod in Texas

Tod in Texas

OT: Into the Abyss
DOKUMENTARFILM: D, USA, UK, 2011
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Michael Perry, Jason Burkett, u. a.

STORY:

Werner Herzogs Dokumentarfilm begleitet zwei Männer die für den Mord an drei Menschen in den USA im Gefängnis sitzen. Einer lebenslänglich, der andere in der Todeszelle. Herzog spricht mit ihnen, ihren Angehörigen, den Familien der Opfer und allen anderen Beteiligten über die Tat und deren Folgen.

KRITIK:

Was wiegt ein Menschenleben? Und lässt sich ein Gleichgewicht wieder herstellen, indem man ein Leben für ein anderes nimmt? Essenzielle Fragen, die diese außergewöhnliche Dokumentation aufwirft. Und Fragen die so enorm wichtig sind, dass sie einen lange beschäftigen werden.

Sicherlich haben diese beiden verurteilten Männer ein unfassbares Verbrechen begangen. Sie schlachteten kaltblütig drei Menschen ab, weil sie ein Auto klauen wollten. Ein Auto, welches sich nach der Tat nur 72 Stunden in ihrem Besitz befand. Doch verdient einer der beiden den Tod dafür? Ist damit der Gerechtigkeit genüge getan? Ist das die Welt in der wir leben wollen, Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Hochsensibel und ohne jegliche Wertung geht Werner Herzog diesen Fragen auf den Grund. Herzog spricht mit Michael Perry, dem Todeskandidat, und steckt gleich zu Beginn des Interviews die Grenzen. Er müsse ihn weder mögen noch stehe es außer Frage, dass Michael ein abscheuliches Verbrechen begannen habe, dennoch verdiene er nicht den Tod dafür und er respektiere ihn als Menschen. Damit ist eigentlich alles gesagt.

Im Gegensatz zu anderen Dokumentationen über die Todesstrafe in den USA setzt Herzog nicht auf Schockmomente, stellt weder die eine noch die andere Seite an den Pranger, wirft uns nicht plakativ Gefühle vor die Füße, sondern nähert sich diesem schwierigen Thema mit Respekt für Täter und Opfer. Er bezieht nicht Stellung, sondern lässt alle Beteiligten zu Wort kommen und begegnet ihnen allen mit großem Respekt und Mitgefühl. Er stellt intelligente Fragen und vor allem absolut ehrliche Fragen.

Keine leichte Herangehensweise, aber absolut der richtige Weg, sich diesem Thema zu nähern. Denn nur so erreicht man beide Seiten. Sowohl die Gegner der Todesstrafe, als auch die Befürworter. Jeder, egal welche Stellung er bezieht, wird nach dieser Dokumentation über seine Argumente nachdenken.

Ich bin ein absoluter Gegner der Todesstrafe, da ich der Meinung bin, dass es unter keinen Umständen gerechtfertigt ist ein Leben zu nehmen. Somit wird man auch zum Mörder und ist nicht besser als der Täter. Dennoch denkt man nach dieser Dokumentation über seine Argumente nach, wenn man sieht wie leichtfertig und unüberlegt die Täter einfach drei Menschenleben genommen haben - für ein Auto. Nicht dass ich dadurch meine Position geändert hätte, aber ich habe zumindest über diese Dinge nachgedacht. Und ich bin der Meinung, dass es der anderen Seite auch so ergehen wird. Und schließlich macht das einen guten Film aus, dass man darüber nachdenkt und ihn nicht im DVD-Regal genauso weit nach hinten räumt wie im eigenen Hinterstübchen.

Herzog nimmt sich selbst sehr zurück, er führt die Interviews, beobachtet, sieht ganz genau hin und zeichnet somit ein Bild des Lebens. Tod in Texas ist offenkundig eine Dokumentation über den Tod, doch eigentlich ist das zentrale Thema das Leben, die Würde des Lebens und dass diese unantastbar ist. Also: Was wiegt ein Menschenleben und lässt sich ein Gleichgewicht wieder herstellen indem man ein Leben für ein anderes nimmt?

Tod in Texas Bild 1
Tod in Texas Bild 2
Tod in Texas Bild 3
Tod in Texas Bild 4
Tod in Texas Bild 5
Tod in Texas Bild 6
FAZIT:

Werner Herzogs Dokumentarfilm Tod in Texas ist ein absolut sehenswerter Film, da er zwar offenkundig den Tod thematisiert, aber damit nur die Bedeutung des Lebens herausstellt. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde des Lebens. Sensibel, aber nicht rührselig, nähert sich Herzog dem Thema der Todesstrafe. Er lässt alle Beteiligten zu Wort kommen, wertet nicht, lässt vieles unkommentiert und stellt die richtigen Fragen. Keiner wird sich danach dem entziehen können und sich unweigerlich fragen: Was wiegt ein Menschenleben?

WERTUNG: 9 von 10 Giftspritzen
TEXT © Nicky
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