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Todesschrei am Telefon

Todesschrei am Telefon

OT: Don't answer the Phone
SERIAL KILLER / URBAN SLASHER: USA, 1980
Regie: Robert Hammer
Darsteller: Nicolas Worth, Flo Gerrish, James Westmoreland, Ben Frank

STORY:

Hollywood wird von einem Serienmörder unsicher gemacht, der Frauen vergewaltigt und stranguliert; allerdings nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Und nun hat es der Irre auf die Radiopsychologin Lindsay Gale abgesehen. Kann deren Freund, der praktischerweise auch der in den Mordfällen ermittelnde Polizist ist, den Killer noch rechtzeitig unschädlich machen?

KRITIK:

Das von Alexandre Aja produzierte Remake von William Lustigs berüchtigten MANIAC hat kürzlich auf wundersame Weise die deutsche FSK-Prüfung überstanden. Was bedeutet, dass Elijah Wood alsbald ungeschnitten das Erbe von Joe Spinell in unseren Kinos antreten darf. Strike!

Ich stehe ja nicht unbedingt auf Remakes, aber auf dieses bin ich gespannt -war doch MANIAC nicht nur der kontroverseste und gewalttätigste, sondern auch einer der besten jener amerikanischen Filme, die Anfang der Achtziger die Großstadt als finsteren, verkommene und psychopathische Serienmörder ausbrütenden Moloch porträtierte. Serienmörder, die wie der seinerzeit von Joe Spinell und heuer von Elijah Wood dargestellte MANIAC Frauen skalpierten, Pennbrüdern mit der Bohrmaschine zu Leibe rückten (DRILLER KILLER), Damen mit einem Flammenwerfer rösteten (DON'T GO IN THE HOUSE) oder wie in NIGHTMARES IN A DAMAGED BRAIN auch vor Kindern nicht Halt machten...

Auch der vorliegende DON`T ANSWER THE PHONE (im deutschen Vertrieb wahlweise als TODESSCHREI AM (oder) TODESSCHREI PER TELEFON unterwegs) gehört zu dieser unzusammenhängenden Reihe Serial Killer-Flicks, die Ende der 80er mit McNaughtons HENRY - PORTRAIT OF A SERIAL KILLER noch einmal einen Höhepunkt hatte und nun mit dem MANIAC-Remake eventuell seine Wiederauferstehung feiert. 

Allerdings darf bezweifelt werden, dass auch DON'T ANSWER THE PHONE zu Neuverfilmungsehren kommt, denn viel mehr als die ohnehin fragwürdigen Lorbeeren einer Indizierung in Deutschland und des Video Nasty-Titel in Großbritannien hat der Film nicht zu bieten. Und dabei sorgt der manchmal an einem Stiefvater-, manchmal an einem Jesus-Komplex leidende Vietnam-Veteran und Pornofotograf, der in DON'T ANSWER THE PHONE Damen nachstellt, um sie zu strangulieren und post mortem zu vergewaltigen, im direkten Vergleich mit den oben genannten Kollegen noch für eher moderate Gewaltmomente. Auch wenn die Mordszenen stets ein Hauch von Sleaze umweht, liest es sich in der Beschreibung weit schlimmer als es ist. Was nach dem Erdrosseln kommt, wird dem Zuschauer erspart. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn ich denke, ein LUCKER THE NECROPHAGUS ist völlig ausreichend.

Dramaturgisch weiß der TODESSCHREI PER TELEFON ebenfalls kaum zu überzeugen. Wenn's einmal anfängt spannend zu werden, kommt ganz bestimmt eine komödiantisch gemeinte, aber tatsächlich absolut unlustige und außerdem viel zu langgezogene Puff-Razzia um die Ecke und bevor es zu verstörend wird, naht garantiert ein Overacting aus der ohnehin nur leidlich begabten Darstellerriege, um jedes mulmige Gefühl schon im Keim zu ersticken.

Abseits des Originaltons sorgt dann natürlich auch die deutsche Synchronisation selbst in Momenten höchster Not und Verzweiflung für befreiendes Schmunzeln. Da versucht nämlich in einer an sich wirklich prekären Situation unsere an einen Stuhl gefesselte Radiopsychologin den irren Frauenwürger mit einer Kindheitserinnerung an sein Hündchen zu besänftigen und scheint auch zunächst (Zitat Der Irre -mit weinerlicher Stimme-: "Ich habe ihn soooo lieb gehabt...") Erfolg damit zu haben, bevor eine andere Erinnerung (Der Irre - plötzlich stinksauer- : "Er schiss - hast du gehört? - er schiss den ganzen Orientteppich meiner Großmutter voll!") den ganzen schönen Plan zunichte macht. So was nennt man dann wohl unfreiwillige Komik am denkbar ungünstigsten Platz.

Wäre alles so schmierig-unangenehm wie die Atmosphäre in der zweiten Mordszene gewesen: DON'T ANSWER THE PHONE würde in Sachen Schockappeal einem MANIAC sicherlich nicht ganz so hoffnungslos hinterher hinken. Auch mit anderen produktionstechnischen Schwierigkeiten kam die Konkurrenz besser zu rande als Robert Hammer in seiner ersten und einzigen Regiearbeit. Den Machern von MANIAC oder HENRY stand bekanntermaßen ebenfalls alles andere als ein hohes Budget zur Verfügung und doch machten die Herren Lustig bzw. McNaughton aus dieser Not eine Tugend. Sie nutzten den billigen Look geschickt, um ihre Filme trostloser, düsterer und dadurch noch roher und effektiver wirken zu lassen. DON'T ANSWER THE PHONE hingegen schaut einfach nach dem aus, was er ist: Ein billiger urbaner Slasherflick.

Auch der im Jahre 2007 verstorbene Nicolas Worth, der hier den Würger spielt und eine recht stattliche Filmographie als Schauspieler hinterlassen hat, präsentiert sich mit Licht und Schatten. Mit lüsternem Wahnsinn unter seiner Strumpfmaske wirkt er zwar durchaus bedrohlich, doch insbesondere bei seinen narzisstischen Monologen im stillen Kämmerlein gleitet sein Spiel ein ums andere Mal doch ins unfreiwillig Komische ab. Somit bietet TODESSCHREI AM TELEFON auch keinen Psychopathen, der sich in der Liga der Spinells, Rookers oder auch Blosooms (einst ein überwältigender Ed Gein in DERANGED gewesen) behaupten könnte.

Todesschrei am Telefon Bild 1
Todesschrei am Telefon Bild 2
Todesschrei am Telefon Bild 3
Todesschrei am Telefon Bild 4
Todesschrei am Telefon Bild 5
Todesschrei am Telefon Bild 6
FAZIT:

Viel mehr als eine über filmische Qualitäten ohnehin kaum aussagekräftige Aufnahme in den bundesdeutschen Index und der britischen Video Nasty-Liste kann Robert Hammers einzige Regiearbeit nicht vorweisen. Und dabei sind die Gewaltmomente bei DON'T ANSWER THE PHONE noch eher moderat, wenn man ihn mit artverwandten, zeitgenössischen Serienkillerflicks a la MANIAC, DRILLER KILLER oder NIGHTMARES IN A DAMAGED BRAIN vergleicht. Was bleibt ist ein billiger urbaner Slasher mit einem Cast von überschaubarem Talent, der zwar ein paar sleazige Morde bietet, aber des Öfteren in die unfreiwillige Komik abgleitet. DER TODESSCHREI AM TELEFON ist zwar schmierig, doch entbehrlich.

 

WERTUNG: 3 von 10 psychopathischen Pornofotografen
TEXT © Christian Ade
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