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Triple 9

Triple 9

COP-FILM: USA, 2016
Regie: John Hillcoat
Darsteller: Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Woody Harrelson, Kate Winslet, Aaron Paul

STORY:

Triple 9 ist der polizeiinterne Code für Officer down, also für den Fall, dass ein Polizist verletzt oder getötet wird. Und genau diesen Code will in Atlanta eine Bande aus korrupten Cops und Gangstern am Gängelband der dort agierenden jüdischen Russenmafia auslösen. Grund: ein Ablenkungsmanöver, um ungestört ihren bislang größten Coup landen zu können.

KRITIK:

Klar spricht so einiges gegen Filme wie "Triple 9". Etwa, dass das Genre des Cop-Films weißgott schon überreich an überragenden wie auch grottigen Beispielen ist. Dazu kommt, dass korrupte Cops per se schon lange nichts Schockierendes mehr an sich haben. Also scheinbar nichts, was man nicht schon gesehen hätte. Und dennoch, so viel kann ich schon verraten, für Freunde dieses Genres zahlt sich im Falle von "Triple 9" ein Kinobesuch definitiv aus.

Zum Beispiel wegen der mehr als luxurösen Besetzung. Kate Winslet etwa als abgrundtief böse Mafia-Patin - meines Wissens ihre erste Rolle als astreiner Bösewicht - sollte man einfach gesehen haben. Casey Affleck als good Cop und auf der anderen Seite Chiwetel Ejifor, Antony Mackie und Aaron Paul als auch mal von Gewissensbissen gebeutelte Cop-Gangster schaut man sowieso immer gerne zu. Zum Drüberstreuen gibt's noch "The Walking Dead"-Superstar Norman Reedus und "Wonder Woman" Gal Gadot in Minirollen. Und schließlich ist da noch die Seele des Films, Woody Harrelson als schwer suchtgebeutelter Detective, der dennoch als einziger den Überblick zu bewahren scheint.

Woody Harrelson, das ist mir bei "Triple 9" einmal mehr klar geworden, ist einfach der Beste. Mit seiner schieren Präsenz schafft er es, einfach jedem noch so mittelmäßigen Film Glanz zu verleihen. Er, der eine Nebenrolle in einem Blockbuster wie "Die Tribute von Panem" genauso hinknallt wie er seinem hinreißenden schwulen Gigolo in Paul Schraders "The Walker" ganz ohne Overacting eine an die Nieren gehende Tiefe verleiht. Und der völlig zu Unrecht im Falle von "True Detective" immer erst nach Matthew McConaughey genannt wurde. Denn Woody Harrelson adelt einfach alles, wo er mitspielt und daher kann ich ihn einfach nicht oft genug sehen. Mehr Woody für bessere Filme, bitte!

Was die teils etwas wirre Handlung betrifft, und damit bin ich wieder zurück bei "Triple 9", deren Details sind eigentlich nebensächlich. Und ich muss auch zugeben, ich habe in der OV, obwohl ich einige Zeit in Atlanta verbracht habe, nicht jede Kleinigkeit verstanden. Das Wichtigste ist ohnehin recht schnell klar bzw. wird nach und nach aufgerollt - wie die Beziehung der Gang zur Mafia und die Motivationen der diversen Protagonisten auf beiden Seiten des Gesetzes. Es hilft also, sich einfach zurück zu lehnen und Szene für Szene wirken zu lassen. Belohnt wird man dafür mit Sequenzen wie der einer Razzia in einem Viertel mit überwiegend latinostämmiger Bevölkerung. Denn eine dermaßen dichte, spannungsgeladene und bis ins Detail perfekt gedrehte Sequenz bekommt man nur sehr sehr selten in Film und Fernsehen zu sehen.

Abgesehen davon ist "Triple 9" ein erstaunlich ruhiger, wenn auch manchmal etwas unkonzentrierter Film. Und auch wenn am Ende natürlich vieles ganz anders verläuft als geplant, halten sich schockierende Twists in Grenzen bzw. werden relativ gelassen exekutiert. Am Ende schließlich kommt dann noch fast ein klitzekleiner Funken Poesie auf. Alles gut. Oder auch nicht.

Triple 9 Bild 1
Triple 9 Bild 2
Triple 9 Bild 3
Triple 9 Bild 4
Triple 9 Bild 5
Triple 9 Bild 6
Triple 9 Bild 7
FAZIT:

Regisseur John Hillcoat ("The Road") hat einmal mehr sehr viel richtig gemacht. "Triple 9" ist keine Neuerfindung des Rads, aber eine überaus sehenswerte Ergänzung des Genres Cop-Film. Kollege Harald ist nahezu komplett euphorisch. Von mir gibt's ganz leichte Abstriche wegen einiger Unkonzentriertheiten bei Dramaturgie und Inszenierung. Aber das ist letztlich Jammern auf hohem Niveau.

WERTUNG: 8 von 10 aus dem Müll gekramte Jointstummel
Dein Kommentar >>
christoph | 28.05.2016 00:33
leute also ich fand ihn unbedeutend, kurz um.

freundin ist sowieso eingeschlafen und mir wars einfach auch nur wurscht was da abgeht (vielleicht weil auch sehr konstruiert die ganze innerfamiliäre erpressgschicht da).
mein puls, nicht ein einziges mal über 90 bei dem film


6von10 nagut, aber mehr?! wofür denn?

sry
>> antworten
Harald | 10.05.2016 19:48
Perfekt, alles gesagt.

Was mich an diesem Film so sprachlos gemacht hat, war die Kaltschnäuzigkeit, mit der diese irre argen Szenen mehr oder weniger beiläufig präsentiert wurden.
Die Folter-Opfer im Kofferraum und die eingepackten Zähne.
Die abgetrennten Köpfe.
Die Szene mit dem Fuß des Wachmanns.
Die Art und Weise, wie Irina beseitigt wurde.

Eine Bösewicht-Kate Winslet gab's übrigens schon in DIVERGENT.
Johannes | 11.05.2016 08:34
Dass du DIVERGENT kennst, ist natürlich wieder klar. :D

@Woody: Ich mag ihn auch sehr als abgesifften Einhändigen in Kingpin.
Monika | 11.05.2016 11:34
@Harald:
Mit den Grausamkeiten und Brutalitäten hast du absolut recht. Und erschreckender Weise hab ich's selbst auch recht beiläufig wahrgenommen. Ich glaub Serien wie "Game of Thrones", "True Detective" & Co haben mich da in den letzten Jahren zwar nicht abgestumpft, aber meine persönliche Grenze des Erträglichen angehoben. Es ist wohl was anderes, wenn man etwas häppchenweise dann und wann in einem Film präsentiert bekommt oder eben wöchentlich.
Und danke für den Hinweis mit "Divergent". Nach "Twilight" und "Die Tribute von Panem" musste ich auch mal eine Teenie-Saga auslassen. ;-)

@Johannes:
Ja, Woodys 90er-Jahre Opus hab ich nicht erwähnt, weil damals fand ihn glaub ich eh jeder cool, oder? :-)
Harald | 28.05.2016 11:01
Moi, KINGPIN. Den muss ich dringend wieder mal sehen. Bin, seit ich Amazon Prime entdeckt hab, eh ziemlich in Retro-Komödienstimmung.
>> antworten


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