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True Blood - Staffel 3

True Blood - Staffel 3

OT: True Blood - Season 3
HORROR: USA, 2010
Regie: Michael Lehmann, Scott Winant, John Dahl, Daniel Minahan, Alan Ball
Darsteller: Anna Paquin, Stephen Moyer, Sam Trammell, Ryan Kwanten, Rutina Wesley, Chris Bauer

STORY:

Bill wurde entführt und hält sich seitdem in Mississippi auf wo sich schon bald seine Wege mit denen Taras, Erics und Sookies kreuzen. Werwölfe jaulen den Mond an, Jason hat neue große Pläne und Sam wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Alles in allem steckt so ziemlich jeder Bewohner Bon Temps ganz gewaltig in der Scheiße. Business as usual, also.

KRITIK:

Wer gegen Ende der zweiten Staffel an einen glücklichen Ausgang dachte, an irgendetwas Positives, das den Bewohnern Bon Temps widerfahren könnte, am Ende gar ein Happy End – der hat entweder die vergangenen 23 Episoden verpasst oder die Gene eines unverbesserlichen Optimisten in sich. Doch, ich gebe zu, das nach der fulminanten, die Spannung stets steigernden und sich von Cliffhanger zu Cliffhanger hangelnden – pun intended, nech – 2. Staffel und dem bombastischen Showdown zwischen Sookie, Sam, Bill und Maryann ein Cliffhanger möglich wäre, der all das noch übertrifft und die Spannung bis zur nächsten Staffel fast unerträglich macht, war schwer zu glauben. Selbst den talentierten Machern TRUE BLOODs mochte man das nicht so recht zutrauen.

Doch letztlich packten sie am Ende der zweiten Staffel noch ordentlich was drauf. Jason erschießt Axe und Bill wird entführt, kurz nachdem er Sookie einen Heiratsantrag gemacht hat. Von wem lässt sich nicht einmal erahnen, dafür haben die Serienschöpfer schon gesorgt. Die selbigen haben freundlicherweise jedoch auch vorgesorgt, sollte sich jemand nicht mehr – oder nur bruchstückhaft – an die vorangegangen Ereignisse erinnern können. So stürmt in den ersten zwei Minuten eine gewaltige Bilderflut auf den Zuseher ein, die alle – ja, ausnahmslos – alle Handlungsstränge kurz aufgreift und wieder in Erinnerung ruft, in welcher Scheiße jeder einzelne der Charaktere steckt.

Allerlei neue Charaktere werden bereits zu Beginn eingeführt. Haben wir von der Existenz der Werwölfe bereits in Staffel 2 erfahren, treten sie hier zum ersten Mal aktiv in Erscheinung. Was in anderen Serien jedoch konstruiert hätte wirken können, überrascht ob der Weitsicht der Serienschöpfer nicht weiter. Es wurde bereits erwähnt, dass sie existieren und dass sie keine angenehmen Zeitgenossen sind, was sich alsbald bestätigen soll. Sie sind Proleten, saufen, V-en – für Werwölfe ist V die absolute Oberdroge schlechthin und das schon viel länger als die Menschen überhaupt von der Existenz der Vampire wissen. Kurzum sind Werwölfe meist bärtige, ungehobelte, langhaarige Schlägertypen, die sich in Kneipen aufhalten, in die sich sowieso nur ein bestimmter und kleiner, menschlicher Personenkreis verirrt. Entsprechend der Spiegelung der realen Welt im Bon Temps-Serienuniversum, sind Werwölfe also der White Trash der amerikanischen Gesellschaft.

Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel – so ist es durchaus davon abhängig, welchem Clan man angehört. Die grundlegenden Eigenschaften ähneln also denen, die es auch bei den Vampiren zu finden gibt – entweder man führt sich physischen Vorteilen seiner Art entsprechend, auf oder man bewahrt sich sein menschliches Wesen. Wobei Werwölfe damit weniger Probleme zu haben scheinen, als ihre bleichen Monsterkollegen – was höchstwahrscheinlich daran liegen könnte, dass Vampire tot sind… oder besser gesagt untot… und das sollte es durchaus schwer machen, sich seine Menschlichkeit zu behalten.

So schön so gut. Weniger hingegen, dass die Autoren gleich zu Beginn der dritten Staffel das Totschlagargument eines jeden Drehbuchautoren – aber gerne auch Romanautoren, newa, Joanne K. Rowling – rausholen, der nicht weiter weiß: Nazis. Verkaufen sich immer, kommen immer gut an – die sind schließlich nicht umsonst durch eine ganze Menge 7er Jahre Italo-Trashereien gehüpft. So bietet nun auch TRUE BLOOD Nazi-Werwölfe und Nazi-Vampire – wobei ich glaube, dass Nazi-Vampire relativ neu sind, korrigiert mich, wenn ich mich irre. Während jetzt allerdings viele andere Serien über den Hai gesprungen wären, machen die cleveren Schreiberlinge HBOs das ausgelutschte Nazi-Thema nicht zu einer großen Sache, einem wichtigen Handlungspunkt, sondern kramen dieses Thema nur raus um die gemeinsame Geschichte der Vampire und Werwölfe zu beleuchten  -das kann man so gelten lassen. Außerdem, Eric in SS-Uniform, das erzeugt sowieso ein wohliges „Das hab ich mir doch eh gedacht“-Gefühl.

Der Schwerpunkt liegt in dieser Staffel eindeutig auf Bills Entführung nach Mississippi, was für viel bitteres Bangen und tragische Dramen sorgt – wer hätt’s gedacht, nech. Bill und Sookies zarte Band wird erneut auf eine harte Probe gestellt, die härteste bisher, nicht nur während Bills Entführung und seinem – auch für ihn sehr schweren – Versuch Sookie zu beschützen, sondern auch als bekannt wird, was Sookie wirklich ist – jap, richtig gehört, hier erfahren wir’s endlich – und das dies sogar der Grund für Bills Auftauchen in Bon Temps ist. Sookie die während all dessen dem Schutz durch einen Werwolf unterliegt, zweifelt unterdessen an ihrer Beziehung zu einem Untoten, wäre es doch so viel einfacher einen lebenden, warmen Menschen zu lieben, selbst wenn er sich in einen  - laut meiner Freundin unglaublich süßen – Wolf verwandelt. Wer jetzt allerdings twilightresque Dreiecks-Beziehungsprobleme für schmachtende Mädchen im Bravoalter befürchtet, der sei beruhigt – wir sind hier immer noch in Bon Temps und das ist sehr weit entfernt von Forks. Hier sind Vampire noch echte Kerle – die einen mehr, die anderen weniger – und gehen grausigst drauf, wenn sie in die Sonne treten. Geglitzert wird woanders.

Bereits aus den Staffeln eins und zwei ist man gewohnt, dass fast alle Geschehnisse in einem gewissen Zusammenhang stehen und miteinander verknüpft sind. So ist auch in dieser, dritten, Staffel das Schicksal einiger Bewohner der Stadt des guten Wetters wieder eng verwoben mit dem der anderen. So wurde nicht nur Bill entführt, nein, auch Tara erleidet ein ähnliches Schicksal, wenn auch ihr Leidensweg um einiges Schlimmer ist als Bills. Der mag zwar ein wenig seiner Menschlichkeit zurück erkämpft haben, ist und bleibt jedoch ein Vampir. Die Erfahrungen die Tara dagegen machen muss, wirken auf ihre menschliche Seele und man fragt sich schnell, wie viel Scheiße diese Frau eigentlich noch durchleben muss und was sie noch alles durchzustehen vermag, bevor sich ihr Verstand letztlich in Luft auflöst und Tara in ein friedvolles geistiges Nirwana schickt.

Auch Eric ist, freilich, wieder mit von der Partie und man erfährt als Zuseher so einiges mehr über dessen Vergangenheit – von seiner Karriere als SS-Mann zusammen mit Godric, der im echten Leben wohl nie die Mindestanforderungen für den Eintritt in die SS erfüllt hätte. Die Einmischung Erics führt jedoch nicht bloß zu neuen Informationen und selbstredend zu neuen Konflikten, sondern auch zu jeder Menge Nacktansichten – wer Eric also so heiß findet, wie meine Freundin das tut… das hier ist die Staffel die’s zu schauen gilt… wobei das hier auch oftmals mit allerlei schwulen Momenten und Eintritten in den braunen Salon verbunden ist, also, watch out.

Sams Vergangenheit wird ebenso beleuchtet und verflogt ihn gar bis in die Gegenwart, was zu allerlei Problemen führt – wer hätt’s gedacht – und letztlich dazu führt, dass Sam sich fast in den sozialen Ruin treibt. Jason ist Jason und hat nach seinem Ausflug in die Miliz in Staffel 2 einmal mehr eine neue Berufung für sich entdeckt, was Andy an den Rand der Verzweiflung treibt. Daneben verliebt er sich mal wieder, erschießt jemand – schon wieder, diesmal wird sich jedoch niemand dafür interessieren – und erkennt letztlich zu was er wirklich berufen ist – ein Running Gag par excellence. Die zarte Bande zwischen Hoyt und Jessica – mein Lieblingshandlungsstrang TRUE BLOODs -, wird einmal mehr auf eine harte Probe gestellt und sorgt für einige heitere, aber leider auch viele tragische, gar unschöne Momente – es sieht nicht gut aus für die beiden.

Technisch bleibt indes auch Staffel 3 auf dem unglaublich hohen Niveau der ersten beiden Staffeln. Allen voran natürlich glänzen bei TRUE BLOOD die bleichen, übermüdeten, Tastaturen mit jeder Menge Red Bull-Flecken, benutzenden Schreiberlinge – ob die nun wirklich so aussehen kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber so kann man sich den durchschnittlichen Drehbuchautoren durchaus vorstellen, hehe. Den exzessiven, gar hypnotischen Wahnsinn, den Maryanns Auftauchen in Bon Temps noch eine Staffel zuvor verursachte, bekommen wir in Staffel 3 nicht mehr zu spüren, was jedoch eher gut denn schlecht ist, schließlich wäre das auch schwer zu toppen gewesen – so geht man hier lieber andere Wege. Stattdessen erdachten sich die Autoren Geschehnisse, die auf ihre eigene Art äußerst intensiv sind. Von zahlreichen Einfällen, die einen mal wieder die Kinnlade runterklappen lassen und es mit den verrückten Einfällen der Vorgängerstaffel dann sogar noch aufnehmen können  mal ganz abgesehen.

Auch schauspielerisch wird wieder mal einiges geboten. Während wirklich jeder hier seine Sache extrem gut macht, möchte ich im Prinzip nur die Leistung Rutina Wesleys (Tara) gesondert erwähnen, um ermüdendes Lobverteile ein wenig in Grenzen zu halten. Wesley, die ihre Sache bereits seit zwei Staffeln wirklich ausgesprochen gut macht und Tara extrem glaubwürdig zur Problemfrau mit absolut verkorkster Kindheit macht, setzt in Staffel 3 noch gewaltig eins drauf. All die Grausamkeiten, das schier unglaubliche Martyrium, das Tara durchleiden muss, mögen bereits auf dem Papier wie harter Tobak erscheinen, doch durch die realistische und verdammt intensive Darstellung Taras durch Rutina Wesley bekommt das Ganze eine fast schon beklemmende Intensität.

In diesem Sinne: „Tara, watch how fast I type motherfucker!”

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FAZIT:

Dass die überaus intensive und abgedrehte zweite Staffel TRUE BLOODs schwer zu toppen sein würde, war klar, eine Steigerung des drogenartigen Rausches, den ihre 12 Episoden auslösten gar unmöglich. Eine Kopie des Ganzen – undenkbar. Was die Macher TRUE BLOODS stattdessen geschafft haben, ist all das was Staffel 2 war zu nehmen und auf gleichem Niveau auf andere Art und Weise wieder zu etwas fesselndem, fantastischen zu machen. Mit allerlei abseitigem Humor gespickt, Gewalt en masse und einem Kunstblutverbrauch der selbst Peter Jackson die Blässe ins Gesicht treiben würde, schaffen es Drehbuchautoren, Regie und Darsteller ein Serienuniversum zu erschaffen, das ganz oben in der Liga mitspielt. Nie selbstzweckhaft, durchgeplant und mit einem Schuss Sozialkritik ist TRUE BLOOD Serienunterhaltung auf hohem Niveau, die auch in der dritten Staffel nicht nachlässt. Staffel 4 – ich kann’s kaum erwarten.

WERTUNG: 9 von 10 denkwürdigen Fernsehauftritten.
Dein Kommentar >>
Mr Nachfrag... | 25.11.2016 22:26
Generell bei Serien, aber speziell TBlöd...
Nach Staffel 3 gehts brutal bergab. Das Finale ist ein Schlag in die Fresse. Wie Pretty Woman mit Vampirsixpackwölfen. Peinlicher Dreck. Wo bleibt die Kritik für den (miesen) Rest?

Werden hier Serien nur in Episoden/Staffeln beurteilt? Bei CSI Zeug macht das ja Sinn und ist komplett egal. Aber Serien mit durchgehender Handlung und zuvor besprochenen Folgen/Staffeln einfach so fallen zu lassen ist voll doof. Menno.

Ernsthaft. Mittendrin eine Kritik, dann auch nach Jahren nichts mehr, obwohl die Serie vorbei ist. Nicht grad professionell, ihr Armaturen!
Harald | 26.11.2016 23:53
Von einer Hobby-Website Professionalität zu verlangen, ist aber auch sehr lustig.
>> antworten
Jesus von Heisenberger | 07.12.2011 08:18
Schöne Kritik, war wirklich toll zum Lesen. Ich bin grad
mitten in der 3. Staffel und ziemlich enttäuscht von True
Blood. Für mich ist die dritten Staffel mehr eine Soap.
Entstand in den ersten beiden Staffel der Suspense durch die
Handlung selbst, so wird in der dritten Staffel viel zu
künstlich versucht, Spannung zu erzeugen. "Er darf nicht
hinter unter Geheimnis kommen" und ähnliche Sätze. Sowas gabs
in den ersten beiden Staffeln nicht. Weils unnötig war. Aber
jetzt erwisch ich mich oft, dass ich auf der Couch sitze,
True Blood schaue, die Augen verdrehe und ein trotziges "bla
bla bla" rufe, wie ich es vorher nur von "Desperate
Housewives" kannte. Hilfe, ich bin in einer Soap gelandet!
Ich hab mir schon ernsthaft überlegt, ob ich manche Szenen
nicht mit fast forward anschaue. (Ton hör ich trotzdem, nur
doppelt so schnell.)

Naja, hoffentlich wirds in der zweiten Hälfte der dritten
Staffel wieder besser. Ich warte noch auf den Moment, in dem
mir die Kinnlade runterfällt. Im Moment sinds nur die
Augelieder.
Johannes | 07.12.2011 18:55
Erstmal Danke fürs Lob. :)
Ja, ich denke, dir wird die zweite Hälfte der Staffel besser gefallen - die legt nochmal ordentlich zu.
>> antworten
Erich H. | 05.10.2011 11:24
Oh ja, der Fernsehauftritt - beeindruckend.
Da dir vermutlich die gleiche DVD-Box wie mir vorliegt, solltest du vielleicht auch noch auf die Extras, um genau zu sein, die Minisodes eingehen, die es teilweise auch in sich haben.
Und Jessica - jaaah. Und wie sie im Angesicht der Werwölfe zum Rotkäppchen wir.
Ähm - ich glaub, ich komm vom Thema ab. Sehr gute Kritik.
Johannes | 06.10.2011 13:45
Ich bin bewusst nicht auf die Ausstattung der DVD eingegangen, da ich hier nur die Serie/Staffeln an sich besprechen möchte.

Was die Minisodes angeht, hat mir die mit Jessica und dem christlichen Fundamentalist in der Truckerkneipe am Besten gefallen. :)

Freut mich, dass dir auch diese Kritik gefällt. :)
>> antworten


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