OT: A Clockwork Orange
SCI-Fi, DRAMA, SATIRE: GB, 1971
Regie: Stanley Kubrick
Darsteller: Malcolm McDowell, Patrick Magee, Adrienne Corri
Da macht einer eine Menge durch: Alex, ein jugendlicher Rowdy, prügelt und vergewaltigt sich durch den ersten Teil des Films, kommt bald ins Gefängnis und nutzt dann eine neue Resozialisierungsmethode, die verspricht, jede Gewaltbereitschaft in einem Menschen auszulöschen. Eine düstere Zukunftsvision nach einem Roman von Anthony Burgess, den man auch unbedingt lesen sollte.
Alex ist Musikliebhaber, besonders von klassischen Werken wie Beethovens Neunte Symphonie. In die Schule geht er nicht so gern. Er simuliert lieber körperliches Unwohlsein, um zu schwänzen und in Plattenläden Mädchen abzuschleppen. Doch da ist noch dieser Erziehungsbevollmächtigte, der Alex - vergebens - ins Gewissen redet. Und seine Droogs beginnen plötzlich, Eigeninitiative zu zeigen, was Alex als Anführer sehr missfällt.
Alex kriegt 14 Jahre Freiheitsentzug. Und auch das Gefängnis ist kein Ort zum Wohlfühlen: Der Wärter hat eine deutlich sadistisch-militante Ader und ein homosexueller Häftling fühlt sich zu Alex äußerst hingezogen. So kommt es, dass sich Alex an den Priester hält, bei ihm den Messdienst macht und die Bibel kennen lernt. Mutiert er dadurch zu einem frommen Christen? Nein! Er zeigt sich vielmehr fasziniert von dem überaus brutalen Inhalt der heiligen Schrift und träumt davon, die Rolle des Aggressors zu übernehmen, während Christus das Kreuz trägt.
Die pure Gewalt trifft auf die Ungerechtigkeit, jemanden durch einen Griff ins Hirn ändern zu wollen. Alex ist der Erzähler und zieht den Zuschauer damit auf seine Seite. Dieser Blick weg vom Täter wird schon vom eigenen Slang verstärkt, den Burgess den Jungs im Roman in den Mund legt. Man braucht ein wenig, um die Worte zu verstehen, doch wenn dies mal soweit ist, wird man Teil der Gruppe und befürwortet ihre Taten.
Es ist eine düstere Zukunft, die Stanley Kubrick in seinem Film illustriert. Alex - Hauptfigur und Erzähler der Geschichte - bietet eine Orgie an Gewalttätigkeiten, die zugleich faszinierend und abstoßend wirkt. Kubricks Werk ist technisch perfekt, ästhetisch raffiniert und entzieht sich gleichermaßen einer eindeutigen Interpretation, verzichtet darauf, eine moralische Position zu beziehen.