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Verurteilt - Der Fall Jefferson

Verurteilt - Der Fall Jefferson

OT: A Lesson Before Dying
DRAMA: USA, 1999
Regie: Joseph Sargent
Darsteller: Don Cheadle, Mekhi Phifer, Cicely Tyson, Irma P. Hall, Brent Jennings

STORY:

Typsicher Fall von zur falschen Zeit am falschen Ort: Als ein Spirituosenhändler im Laufe einer Auseinandersetzung erschossen wird, befindet sich auch der schwarze Jefferson am Tatort. Im vom Rassismus geprägten Amerika der 40er Jahre Grund genug um den jungen Mann hinter Gitter zu bringen. Vor dem "weißen" Gericht wagt Jeffersons Verteidiger eine zweifelhafte Strategie: Er stellt den jungen Mann als einen Idioten nicht viel intelligenter oder zivilisierter als ein Tier dar und spricht ihm jegliche menschliche Verhaltensmuster ab. Jeffersons Patentante will sich damit nicht abfinden und setzt alles daran, dass er wieder das Gefühl bekommt ein Mann zu sein...

KRITIK:

Es sind die kleinen Dinge, die in "Verurteilt" den allgegenwärtigen Rassismus im Süden der USA der 40er Jahre zeigen. Der Verkäufer, der die schwarzen Kunden anders behandelt als die weißen, die "getrennten" Lebensräume, seien es Schulen oder Bars.

Das zweite das ins Auge, oder eher ins Ohr sticht: Der breite Südstattakzent einiger, vor allem weiblicher, Schauspieler. Also wenn man sich dem Film im englischen Originalton zu Gemüte führt.

Aber nun zum Film. In "Verurteilt" geht es um eine Frau, der es weniger darum geht für ein gerechtes Urteil für ihren Schützling zu sorgen, sondern mehr darum, dass er trotz der Demütigungen die er während seines Prozesses erdulden musste in Würde sterben kann. Als Mann und nicht als Tier.

Doch Jefferson ist durch den Prozess zu einem gebrochenen und vor allem wütenden Mann geworden. Und darum kommt eine weitere Figur ins Spiel, die sich langsam mehr und mehr zum Dreh und Angelpunkt der Geschichte mausern soll. Der junge Lehrer Grant Wiggins, der von Jeffersons Mutter gedrängt wird, ihren Sohn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Er soll den Todeskandidaten wieder Würde und Selbstachtung lehren und zeigen was es heißt ein Mann zu sein. Doch was bedeutet das schon? Ein Mann zu sein? Und was bringt Wiggins mit um jemanden solche Dinge lehren zu können?

Nun, anfangs scheint es recht wenig zu sein. Wiggins ist zwar der einzig wirklich gebildete Schwarze im Umkreis von einigen Meilen, weshalb die Leute ihm auch Achtung entgegenbringen, doch ist er im Grund ein von Selbstzweifel geplagter Mensch wie jeder andere auch. Mit den hohen Erwartungen die tagtäglich an ihm gesteckt werden, wird er nur schwer fertig. Und nun soll er sich auch noch um einen jungen Todeskandidaten kümmern, der wütend in seiner engen Zelle hockt und niemanden an sich heran lässt.

Seine stärksten Momente hat der Film tatsächlich, wenn die beiden Männer in Jeffersons enger Gefängniszelle aufeinander treffen. Dann hat der Film teilweise sogar etwas kammerspielartiges.

Ansonsten wirkt der Film manchmal etwas zu sehr theoretisch. Es gibt viele lange Monologe, in denen eine Menge bedeutungsschwangere Sachen gesagt werden. Durch die Leistungen der Schauspieler werden diese Szenen zwar auch lebendig, aber hin und wieder wirkt das Ganze einfach zu bemüht.

Obwohl der Film natürlich auch viele Anregungen beinhaltet. Als Zuseher wird man mit Ansichten und Ideen konfrontiert, die man so vielleicht vorher noch nicht gesehen hat. Es ist halt auch ein schwieriges Thema, dessen sich "Verurteilt" annimmt.

Die Komplexität der Geschichte ist sicher auch darin geschuldet, dass es sich bei "Verurteilt" um eine Literaturverfilmung handelt. Ich kenn das Buch zwar nicht, aber "A lesson before dying", scheint zumindest recht gerne im Unterricht gebraucht zu werden.

Das passt dann irgendwie auch wieder. "Verurteilt" ist solide gemacht, Musik, Bilder, etc. sind stimmig, wenn auch selten innovativ. Es dauert zwar eine Weile und dem Film gelingt es, nicht zuletzt aufgrund seiner Darsteller, den Zuschauer sogar emotional zu packen. Und das ist einmal die Hauptsache. Das es dem Film am Ende gelingt zu dem ganzen theoretischen Überbau auch noch eine emotionale Komponente hinzuzufügen.

Wie bereits mehrfach erwähnt, liegt das vor allem an den Darstellern. Don Cheadel (Hotel Ruanda) liefert eine berührende und vielschichtige Performance ab. Grant Wiggins scheint wie für ihn gemacht zu sein. Mekhi Phiffer (8 Mile) überzeugt anfangs vor allem durch seine psychische Präsenz. Er bringt die Wut, aber auch den verschütterten Schmerz seiner Figur glaubhaft rüber.

Verurteilt - Der Fall Jefferson Bild 1
Verurteilt - Der Fall Jefferson Bild 2
Verurteilt - Der Fall Jefferson Bild 3
Verurteilt - Der Fall Jefferson Bild 4
Verurteilt - Der Fall Jefferson Bild 5
FAZIT:

Interessante Romanverfilmung die sich mit tollen Darstellern komplexen Themen nähert. Neben Rassismus geht es um Würde, die Frage was den Menschen von den Tieren unterscheidet, Religion und was einem Mann zu einem Mann, zu einer Persönlichkeit macht.

WERTUNG: 6 von 10 aus Kinderhänden überreichten Abschiedsgeschenken
TEXT © Gerti
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