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Violation

Violation

DRAMA/HORROR: CAN, 2020
Regie: Dusty Mancinelli, Madeleine Sims-Fewer
Darsteller: Madeleine Sims-Fewer, Anna Maguire, Jesse LaVercombe, Obi Abili

STORY:

Um Miriams Ehe mit Caleb ist es nicht zum Besten bestellt. Nämliches gilt für ihre Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Greta. Bei einem gemeinsamen Wochenende in einer Waldhütte brechen alte Konflikte wieder auf. Die Situation eskaliert, es kommt zu sexueller Gewalt - und Gegengewalt. Am Ende wird von einer Person nichts mehr übrig sein - im Wortsinne.

KRITIK:

Vier junge Menschen in einer Waldhütte. Aber anders als sonst.

VIOLATION ist der mittlerweile vierte Film des Regie-Duos Madeleine Sims-Fewer and Dusty Mancinelli in Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Jesse LaVercombe.

Der Film feierte seine Premiere am letztjährigen /slashfilm-Festival und ist nun auf Prime Video zu sehen. Ich gebe zu: Die Erstsichtung am /slash war für mich ein zwiespältiges Erlebnis. Ich war einerseits völlig überfahren von der tatsächlich schwer erträglichen, grenzüberschreitenden Gewalt. Und andererseits völlig ratlos, da ich - blame it on lacking English skills - vieles von den Dialogen schlicht nicht verstanden habe.

Nun, bei der Zweitsichtung auf Prime ist dieses Problem dank der Untertitel nicht mehr virulent. In den ersten dreißig Minuten entspinnt sich ein sehr dialogreiches Familien/Beziehungsdrama, in dem viel und explizit über Sex - bzw. die Abwesenheit desselben gesprochen wird. Miriam versucht, ihre Ehe mit Caleb zu retten. Fragt ihre Schwester um Rat. Bekommt aber nur Plattitüden als Antwort. Sie vertraut sich Gretas kumpelhaftem Mann Dylan an. Viel Alkohol ist im Spiel. Flirtet Miriam mit ihrem Schwager? Nutzt er ihre emotionale Verwundbarkeit aus? Ja, das tut er, auf die maximal ekelhafte Art und Weise. 

Ich will nicht zu viel spoilern. Der Film wurde als Rape & Revenge-Thriller etikettiert. Man weiß, worauf man sich einlässt. Und ist dennoch überrascht, mit welcher Kompromisslosigkeit hier zu Werke gegangen wird. Unglaublich auch, worauf sich die Darsteller eingelassen haben: Spiel mal an einen Stuhl gefesselt eine male full frontal nudity Szene und stehe dabei deinen Mann wie Rocco Siffredi. Ich glaube nicht, dass es viele Schauspieler gibt, die sich das trauen bzw. vor einer Kamera dazu überhaupt in der Lage sind. Und es spricht auch für das große Vertrauen, das am Set geherrscht haben muss. Wie Eingangs erwähnt, ist VIOLATION bereits die vierte gemeinsame Arbeit dieses Teams. Man merkt, dass Regisseur und Schauspieler über viele Jahre eine enge Beziehung aufgebaut haben, die auf Respekt und gegenseitigem Vertrauen beruht. Das ist wohl die Grundvoraussetzung, um sich so weit aus seiner Komfortzone heraus zu bewegen, wie in diesem Film.

Was dann folgt, ist ein Frontalangriff auf die Magennerven. Dass nach der - ich nenne es jetzt einmal - Rache-Tat - der Film noch vierzig Minuten weiterläuft, hat nicht nur mit der non-linearen Erzählweise zu tun. Sondern mit dem bitteren Fazit, dass die Traumata bleiben, auch wenn der Trauma-Verursacher physisch vernichtet ist.

Aber lassen wir das Dusty Mancinelli in seinen eigenen Worten erklären.
"For us, we were really focused on trying to create a visceral experience for the audience that captures the post-traumatic stress that the body goes through, specifically with residual trauma. We love revenge films and we wanted to do something different within that space. We noticed that when we were thinking about our own fantasies that are so tantalizing when you think about wanting to enact revenge on someone we were far more interested in looking at the consequences of revenge."
Quelle: nightmarishconjurings.com

Anders als bei den pädagogisch wenig wertvollen Klassikern des Genres wie zum Bespiel I SPIT ON YOUR GRAVE gibt es hier eben keine erlösende Katharsis. Life goes on, will uns der Film sagen. Mit schlimmen Beschädigungen.

Violation Bild 1
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FAZIT:

Zwei Paare verbringen ein Wochenende miteinander. Es kommt zu einem Übergriff, der Gegengewalt nach sich zieht. Beziehungsdrama in der ersten, Rape & Revenge-Thriller in der zweiten Hälfte. Maximal kontroverses Low Budget-Kino, nach der Premiere am /slash-Festival jetzt auf Prime Video.

WERTUNG: 8 von 10 Kabelbinder
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