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Vital

Vital

OT: Vitâru
PSYCHODRAMA: JAPAN, 2004
Regie: Shinya Tsukamoto
Darsteller: Tadanobu Asano, Nami Tsukamoto, Kiki, Kazuyoshi Kushida

STORY:

In einem Interview hat Regisseur Shinya Tsukamoto den Plot von VITAL in einem kurzen Satz beschrieben: "Ein Medizinstudent seziert seine tote Freundin…"

KRITIK:

…die er bei einem Autounfall verloren hat, welcher ihm selbst ein langes Koma beschert hat. Als er erwacht, erwacht er ohne Erinnerung. Trotzdem beschließt er sein Medizinstudium, welches durch den Unfall unterbrochen wurde, wieder aufzunehmen. Im Anatomiekurs findet er den Leichnam seiner Freundin auf seinem Seziertisch vor und mit jedem Schnitt kehrt ein bisschen von der Erinnerung an ihre große Liebe zurück und gleichzeitig beginnt der schmerzhafte Prozess des Loslassens.

Eins vorweg: Gute Laune-Junkies oder Leute, die zu Depressionen neigen, sollten einen Bogen um VITAL machen. Denn hier haben wir einen 85-minütigen Runterbringer, der uns die Vergänglichkeit unserer Existenz und - noch schlimmer - die von unseren Lieben, recht schmerzhaft vor Augen führt. Es herrscht buchstäblich Beerdigungsstimmung. Es geht um Verlust und dem Damitfertigwerden. Es geht um schöne Erinnerungen, wenn sie schmerzhaft werden. VITAL ist die Trauerbewältigung seines Hauptprotagonisten. Und dies ist ein quälend langsamer Prozess, der sich natürlich auch auf das Filmtempo niederschlägt.

Klar sollte sein, dass VITAL einer dieser gefürchteten, japanischen Slowburner ist, die jeden actionsüchtigen Filmfan wahrscheinlich schon nach zehn Minuten die Vorspul- oder gar die Stopptaste betätigen lassen. VITAL hat auch mit Horror wenig zu tun. Es ist durch und durch ein tieftrauriges Psychodrama, das die einzige Spannung aus der Frage bezieht, in welcher Welt der trauernde Medizinstudent letztendlich seine Zukunft sehen wird - in der der Lebenden oder im Reich der Toten.

Bis diese Entscheidung fällt, bekommen wir eine kleine Prise asiatischer Abseitigkeit (die Kurztrips ins Reich des Würgesex), aber vor allem erhabene morbide Bild- und Szenenkompositionen, die in ihrer schmerzhaften Langsamkeit zwar alles andere als leicht verdaulich sind, die aber berühren und rühren.

Vital Bild 1
Vital Bild 2
Vital Bild 3
FAZIT:

Tsukamotos VITAL ist morbide Poesie aus dem Sezierraum, in welchem ein Medizinstudent Abschied von seiner großen Liebe nehmen muss. Eine Beerdigung im Zeitlupentempo. Bildgewaltig verfilmte Trauerbewältigung und menschliche Vergänglichkeit. Er bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Genialität und totaler Tristesse.
VITAL ist Lichtjahre vom Sonnenschein entfernt. Nach diesem Film ist in eurem Wohnzimmer definitiv niemand mehr in Partystimmung. VITAL ist etwas für die tristen Herbsttage, wenn die Blätter auf die Gräber fallen und ihr einen düsteren Abend noch düsterer machen wollt.

WERTUNG: 7 von 10 Erinnerungen an eine verlorene Liebe
TEXT © Christian Ade
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