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Wrong Turn

Wrong Turn

HORROR: D/USA, 2003
Regie: Rob Schmidt
Darsteller: Desmond Harrington, Eliza Dushku, Emmanuelle Chriqui, Jeremy Sisto, Kevin Zegers

STORY:

In den weiten Wäldern West Virginias treiben ein paar genetisch fragwürdige Gestalten ihr Unwesen. Und sie haben Appetit auf den jungen Medizinstudenten Chris, eine Gruppe Camper und Eliza Dushku.

KRITIK:

Hach ja, das amerikanische Hinterland. Fernab jeglicher Zivilisation ist es geprägt von Stille, entspannter Langsamkeit, endloser Weite, ungestörter Natur und degenerierten, mörderischen Mutanten-Kannibalen. Was liegt da näher als den Rucksack zu packen und mit Freunden soweit raus wie möglich zu fahren um ein paar Tage zu Tode gehetzt und aufgefressen zu werden? Eben. Und so kommt es immer wieder vor, dass junge Amerikaner auf ihren Touren auf Menschenhautmasken tragende Kettensägen-Fetischisten stoßen, durchschnittliche Familien in atomaren Testgebieten mit Einheimischen Bekanntschaft machen oder gar die unangenehm-aufdringliche Gastfreundschaft der Konföderierten auskosten dürfen.

Doch Amerikas Südstaaten haben noch weit mehr zu bieten – nämlich die unendlichen, bergigen Wälder West Virginias. Und genau dorthin führt es die Helden in WRONG TURN. Das ist zugleich eine nette Abwechslung zum sonstigen Backwood Slasher-Einerlei, denn staubige Landstriche und Sommerhitze gab’s schon zu genüge. Zumal Wälder rein prinzipiell eh schon mal was Gruseliges an sich haben. Und wenn die wenigen Einheimischen dann auch noch eine Sprache sprechen, die ich mit Englisch nicht unbedingt in Verbindung bringen würde – also, jetzt mal ganz ehrlich, ich habe täglich mit Schotten und Iren zu tun, aber deren Kauderwelsch ist rein gar nichts im Vergleich zu der Verbal-Mumbo Jumbo den diese West Virginianer hier von sich geben... So baut sich bereits von Beginn an, als Chris mit seinem schicken Ford Mustang über den Highway prescht, eine bedrohliche und wenig einladende Grundstimmung auf. Diese kann zwar nicht mit der nervenzerreibenden Atmosphäre eines TEXAS CHAINSAW MASSACRES mithalten, aber dennoch liegt die Bedrohung deutlich in der Luft. Zumal die Exposition und der Vorspann deutlich gemacht haben, und das ohne allzu viel vorwegzunehmen, dass es in dieser Gegend nicht gerade sicher ist.

Erfrischend ist zudem, dass es sich bei der Opfergruppe nicht um Freunde handelt, die saufend und kiffend durch die Lande fahren, sondern im Prinzip um einen zusammengewürfelten Haufen. Chris stößt erst auf seine späteren Mitstreiter, als er mit dem Auto in ihren Jeep kracht. Sie kennen sich nicht, lernen sich auf höchst unangenehme Weise kennen und müssen doch schon bald darauf fest zusammenhalten um aus einer noch viel unangenehmeren Situation herauszukommen. Bis auf die beiden Klischeekiffer-Nieten Evan und Francine – verdammt, wie die nerven, aber so viel kann ich schon verraten, die machen’s nicht lange in der Wildnis – sind die Figuren auch gar nicht mal so unscharf gezeichnet. Klar haben wir gewisse Grundcharaktere, wie den Cleveren, den Angsthasen, etc. doch davon abgesehen, sind die schon ein bisschen mehr als bloßes Frischfleisch.

Interessanterweise hat WRONG TURN auch kein Final Girl im eigentlichen Sinne zu bieten, denn Jessie und Chris teilen sich diese Rolle irgendwie, so dass das übliche Muster ein wenig aufgesprengt wird. Erfrischend ist dabei auch, dass weder Jessie noch Chris – von dem man das eigentlich fast schon erwarten würde – sofort zu krassen Überlebenskünstlern werden. Ganz im Gegenteil, sie versuchen einfach mit allem Mitteln zu überleben und haben schwer zu kämpfen, werden dabei gar traumatisiert. Ihre Entscheidungen sind sogar nachzuvollziehen und entziehen sich in den wenigsten Fällen dem gesunden Menschenverstand.

Was jedoch nicht bedeutet, dass das Drehbuch keine Logiklöcher zu bieten hat. So ist Chris‘ erste Entscheidung, die titelgebende Abzweigung falsch zu nehmen, nicht wirklich nachzuvollziehen. Ihm stehen zwei Straßen zur Verfügung, die eine ist eine große, breite Hauptstraße, die andere eine winzige Schotterpiste, die in den Wald hineinführt. Wer zum Geier würde schon die gruslige, enge Straße nehmen? Ganz egal, was auf dem Straßenschild steht. Des Weiteren ist es fraglich, wieso der Ranger der Forstaufsichtsbehörde allein losfährt um Leute zu suchen, die über Funk durchgegeben haben von blutrünstigen Killern verfolgt zu werden. Ganz besonders da die Gegend doch dafür bekannt ist, dass irgendwelche Eingeborenen ihr Unwesen treiben und des Öfteren mal Camper und andere Reisende vernaschen – höhö. Umso unlogischer ist dann schließlich auch die Entscheidung, wieder nur einen Ranger loszuschicken, nachdem bereits ein Ranger verschwunden ist. Und das in einem Gebiet, in dem menschenfressende Eingeborene hausen und vor kurzen eine Gruppe per Funk durchgegeben hat, dass sie von eben jenen verfolgt werden. Ihr merkt worauf ich hinaus will.

Aber, nun gut, ansonsten gibt es diesbezüglich nicht wirklich was zu meckern und es ist nun mal auch so, dass Horror dann am besten funktioniert, wenn auch mal unlogische Entscheidungen getroffen werden.

Die Inszenierung ist indes handwerklich routiniert und überaus solide. Rob Schmidt orientiert sich mit seiner Regie deutlich an Genrevorbildern ohne großartig etwas Neues hinzuzufügen. Aber das muss ja auch nicht immer sein, wenn das Ergebnis wie in diesem Fall ansonsten äußerst stimmig ist. Schmidt schafft es, wie bereits eingangs erwähnt, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Obwohl der erfahrene Zuschauer oftmals schon vorher weiß, was passieren wird, kann er diese auch durchgehend halten und es bleibt durchwegs spannend, was vor allem der moderaten Laufzeit von 80 Minuten zu verdanken ist – die jüngere Generation mag sich das vielleicht gar nicht mehr vorstellen können, aber es gab früher viele Filme, die eine Laufzeit von unter zwei Stunden hatten.

Da WRONG TURN vornehmlich auf Atmosphäre denn blutiges Rumgematsche setzt, gibt es Splatter und Gore nur gut dosiert zu sehen. Für den Gore-Ziegenpeter – Herschell Gordon Lewis hab‘ ihn selig – wäre das beim besten Willen zu wenig, aber dafür geht’s schon ordentlich zur Sache, wenn’s denn mal zur Sache geht. Die zersägten Leichen sind wirklich top umgesetzt und erst recht das Kannibalen Make-up ist verdammt gut gelungen, stammt es doch von keinem anderen als Legende Stan Winston.

In der Hauptrolle spielen Eliza Dushku, die schon deshalb einen Bonus hat, weil sie Eliza Dushku ist –und ein enges, weißes Top trägt – sowie Desmond Harrington als Chris. Beide spielen solide und überzeugen in ihren Rollen. Wenn wir von den Kiffern absehen, die eh nicht viel zu tun haben – und eigentlich daher auch nicht viel falsch machen (können) – , ist auch der Rest der Besetzung auf anständigem Horrorfilm-Niveau. Totalausfälle oder andere Lächerlichkeiten jedenfalls gibt es eigentlich nicht zu verzeichnen.

Gratuitous nudity gibt’s keine, aber das dürfte der zweite Teil wieder wettmachen – ich hab‘ da son Gefühl.

In diesem Sinne: „Drop your pants!“

Wrong Turn Bild 1
Wrong Turn Bild 2
Wrong Turn Bild 3
Wrong Turn Bild 4
Wrong Turn Bild 5
Wrong Turn Bild 6
FAZIT:

WRONG TURN ist durchaus solide Horror-Unterhaltung. Mit einigen Genre-Zitaten und bekannten Versatzstücken inszeniert Rob Schmidt einen durchwegs atmosphärischen und spannenden, kurzweiligen Backwood-Slasher, der die gorigen Exzesse der Südstaatler-Kannibalen nicht in den Vordergrund rückt sondern gut dosiert einsetzt. Naturgemäß ist nicht alles logisch, was passiert, aber mit nur 80 Minuten Laufzeit wird es nie langweilig und für Unterhaltung und Eliza Dushku im engen, weißen Top ist gesorgt.

WERTUNG: 7 von 10 Gebisssammlungen im Badezimmer.
Dein Kommentar >>
Chris | 19.10.2014 10:06
Gewohnt prächtiges Review zu einem immer wieder gerne
gesehenen Backwood-Horror, Jo. WRONG TURN, der erste, ist noch
ein starker, stimmungsvoller Vertreter seines Sujets. Der Zweite war
zwar blutiger, aber sehr viel austauschbarer. Danach hab ich mich
aus der Reihe ausgeklinkt.
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