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Wrong Turn 2: Dead End

Wrong Turn 2: Dead End

HORROR: D/USA, 2007
Regie: Joe Lynch
Darsteller: Erica Leerhsen, Henry Rollins, Texas Battle, Aleksa Palladino, Daniella Alonso

STORY:

Für eine Reality-Show irren ein paar junge Irre durch die Wälder von West Virginia. Wie wir alle wissen sind die Wälder von West Virginia allerdings voll von menschenfressenden Hinterwäldlern. Es dauert also nicht lange - echt nicht! - bis Blut fließt.

KRITIK:

Es ist ja ein ungeschriebenes Gesetz des Horrorfilms, dass Fortsetzungen mit voranschreitender Zahl der Fortsetzungen in der Regel immer blutiger und freizügiger werden. Man vergleiche zum Beispiel FREITAG DER 13. – TEIL 1 mit FREITAG DER 13. – TEIL 4. Bei WRONG TURN wurde, was diese Entwicklung betrifft, gleich der Doppelturbo eingeschaltet. Während der erste Teil noch ein atmosphärischer Backwood-Slasher mit vielen Spannungselementen und wenigen, dosiert eingesetzten Splattereien ist, macht WRONG TURN 2 absolut keine Gefangenen. Da wird gleich in den ersten fünf Minuten rumgeknutscht – höhö –, gefressen und geschlachtet was das Zeug hält. Für den Nachfolger haben sich die Produzenten also dazu entschieden, eher die Splatter-Elemente auszubauen und dem Gore-Ziegenpeter und Gefolge in die gierigen Hände zu spielen, denn dem Original in der Grundstimmung treu zu bleiben.

An und für sich ist das gar nicht verkehrt, denn die Grundprämisse – also, degenerierte Hinterwäldler aus dem tiefen Wald stehen auf Menschenfleisch… soll ja eh wie Hühnchen schmecken – bietet genug Spielraum in beide Richtungen. Bloß, dass die Atmosphäre und Spannung des ersten Teils eher weniger hätte beibehalten werden können, da das Überraschungsmoment fehlt und das mit fortschreitender Anzahl an Fortsetzungen sowieso immer schwieriger umzusetzen gewesen wäre – wie man einer bekannten und spannenden Prämisse immer weitere Schrecken entlocken kann, hat die PARANORMAL ACTIVITY-Reihe bis Teil 4 wunderbar gezeigt.

Das Problem ist jedoch, dass man darauf vorbereitet sein muss, dass aus WRONG TURN bereits in der ersten Fortsetzung ein reiner Splatter-Film wird, bei dem einem die Leute egal sind, die Handlung für’n Arsch und die Spannung in etwa so vorhanden wie der Anspruch – nämlich gar nicht. Gut, zwischen Teil 1 und Teil 2 lagen in Echtzeit 4 Jahre und da ging man eher frisch an die ganze Sache heran. Aber sieht man sich – so wie ich das gemacht habe – beide Teile direkt hintereinander an, ist das schon erstmal ein ganz schöner Schock, wenn auf die Spannung des ersten Teils heiteres Abschlachten nach dem „Zehn kleine Negerlein“-Prinzip folgt. Damit habe ich an und für sich gar kein Problem, bloß muss man eben erstmal umschalten um Gefallen an WRONG TURN 2: DEAD END zu finden.

So fällt zunächst einmal auf, dass die Handlung – wie eben bereits erwähnt – die reinste Gülle ist. Uh, oh, eine Survival Show… mit Handkameras, bzw. in diesem Fall Kopfkameras – Found Footage-Style. Geniale Idee, denn wie wir alle wissen funktioniert sowas wunderbar – nicht wahr, HALLOWEEN: RESURRECTION. Mal ganz abgesehen davon, dass das Konzept der Sendung, die da handlungsintern entstehen soll, absoluter Schwachfug vor dem Herren ist. Das traurige dabei? So eine Scheiße würden die Privaten heutzutage sogar mit Freuden ausstrahlen – sieht man ja jeden Tag. Mediensatire vor dem Herrn, also. Bloß dass das Drehbuch rein gar nichts daraus macht. Die Show läuft halt, aber im Endeffekt ist sie nur ein Grund dafür die ganzen laufenden Kottelets in den Wald zu karren, damit die Kannibalen-Hinterwäldler was zum Jagen haben.

Apropos Hinterwäldler. Die sind plötzlich nicht mehr einfach ein paar Zurückgeblieben-Degenerierte, sondern gleich eine ganze Familie mit Töchtern, Söhnen, Onkeln, Tanten und… im Endeffekt sind’s eh immer die gleichen. So spielt Drei Finger, der markanteste der drei Schlächter aus dem ersten Teil, hier eher eine untergeordnete Rolle. Stattdessen geht’s um die Cosby’s der Degeneration, die eigentlich auch nur arme Hunde sind, weil die örtliche Schokoladenfabrik – oder so – zugemacht hat und es keine Tiere in der Nähe gibt, die man jagen kann. So sind sie halt gezwungen sich untereinander immer weiter fortzupflanzen und Leute zu fressen, die zufällig vorbeikommen. Also, so wirklich hat das ja noch nie funktioniert, wenn versucht wurde die Geschehnisse in Horrorfilmen in Sequels zu erklären. Dabei kommt dann in der Regel sowas raus wie HALLOWEEN 6 - DER FLUCH DES MICHAEL MYERS oder A NIGHTMARE ON ELM STREET 6 - FREDDYS FINALE – Freddy der Sohn von hundert Irren? Das kann ich immer noch nicht so ganz glauben.

Aber, nun gut. Die Handlung ist ja eh nur ein Vorwand für zahlreiches, blutiges Rumgematsche und ein paar Titten die fröhlich durch die gute Waldluft wobbeln – hab ich euch in der letzten Besprechung nicht prophezeit, dass es bald schon gratuitous nudity geben wird? Und alles ist auch gar nicht schlecht, denn ein paar lustige Einfälle hat das Drehbuch durchaus zu bieten. So zum Beispiel die vorgespielte Vergewaltigung Elenas – die bitterböse und kreativ aufgelöst wird. Allerdings hätten ich den Hinterwäldler-Sohn nicht unbedingt beim Wichsen zugucken müssen – es gibt Dinge, die muss es nicht geben. Auch ist die Figur des Dale Murphy eine durchaus interessante Ergänzung, denn als ehemaliger Marine – Semper Fi! – ist er in der Lage den bösen Kannibalen etwas entgegen zu bringen. Was er auch tut. Besonders sein Kampf mit Drei Finger ist hier hervorzuheben. Dass diese Figur die wohl spaßigste im ganzen Film ist, ist vor allem auch dem Spiel Henry Rollins‘ – ehemaliger Sänger von Black Flag – zu verdanken, der aus der übertrieben charakterisierten Figur das Beste rausholt – so bad, so over the top, so good.

Das Final Girl Nina – gespielt von der schnieken Erica Leerhsen – geht einem zu Anfang noch ordentlich auf den Sack. Als elende Emo-Veganer-Nervensäge sammelt sie erstmal mächtig Minuspunkte, so dass man ihr fast schon eine schnelle Landung auf der Speisekarte wünscht, aber sie mausert sich doch noch zu einer angenehmen Hauptfigur und am Ende ist sie die einzige Figur des Films, der man tatsächlich die Daumen drückt – was zum Teil natürlich auch daran liegt, dass sie schon verdammt heiß aussieht. Ob ihre Ähnlichkeit zu Violet aus FREITAG DER 13. TEIL 5 eine geschickte Anspielung ist – eher weniger zu erwarten – oder doch Zufall – eher zu erwarten –, ist mir im Übrigen ziemlich Schnuppe – einfach, weil’s gefällt. Ihr Final Kamerad Jake – bei WRONG TURN überleben schließlich Männlein und Weiblein – hätte von mir aus auch im Fleischwolf landen können, denn eine kaputte Klischeeschulter und eine geplatzte Karriere als Football-Star machen noch keine interessante Figur.

Wo wir doch grad beim Thema Fleischwolf waren – kommen wir zu dem was bei WRONG TURN 2 wirklich zählt. Und das ist wohl kaum die Handlung, so viel sollte bisher klar sein. Eben, es geht um die Sauereien und die sind zahlreich vorhanden und teilweise sogar gar nicht mal ohne. Da wäre zum einen die Pseudovergewaltigung – auf die ich nicht weiter eingehen möchte, da sonst der Oha-Effekt flöten geht –, wir hätten eine abgeknutschte Lippe – sieht nach Herpes aus – und vor allem den großen Fleischwolf der eine unglaubliche Sauerei macht. Zum guten Teil ist das auch alles sehr schön umgesetzt, weitestgehend ohne doofe CGI-Effekte und ordentlich blutig. Lediglich die FX des ersten Mordes können nicht so ganz überzeugen – da hatte wohl noch einer Luftballons von der letzten Geburtstagsfeier übrig und dachte, die geben prima Gedärme ab. Tun sie nicht… Auf jeden Fall gibt’s für Splatter-Freunde genug zu feiern.

Auf schauspielerischer Ebene haben wir es durchweg mit tapferen B-Film-Recken zu tun, die sich teilweise echt Mühe geben es aber einfach nicht besser können oder wollen. Gut, zugegeben, viele der Figuren ermuntern ihre Darsteller auch nicht gerade dazu sich wirklich Mühe zu geben, schließlich sind sie flach und die ganze Chose hier eh nur Direct-to-DVD. Henry Rollins allerdings scheint die Zeit seines Lebens gehabt zu haben, er legt eine große Spielfreude an den Tag und seine Szenen als Ex-Marine zählen definitiv auch zu den Highlights von WRONG TURN 2. Erica Leerhsen ist auch nicht gerade eine Oscar-Anwärterin, aber sie spielt ordentlich und routiniert. Man merkt, dass sie doch Talent hat. Ken Kirzinger – Jason aus FREDDY VS. JASON – ist vornehmlich ein verdammt riesiger Stuntman, aber muss er auch nicht sein, denn seine Rolle als Pa gibt nicht viel her. Trotz seiner Größe wirkt er allerdings weniger furchteinflößend als die drei Hinterwäldler aus dem ersten Teil, was vor allem an den grottigen Make Up-Effekten liegt. Okay, sie sind nicht per se schlecht, aber auch nicht überzeugend und so sehen die Hinterwäldler-Kannibalen im Endeffekt aus wie Typen in Masken die durch den Wald rennen. Naja, hat ja auch was… lustiges.

Ich habe übrigens das Gefühl, dass wir im nächsten Teil nicht so lange auf gratuitous nudity warten müssen wie hier. Aber wie gesagt, ist nur son Gefühl.

In diesem Sinne: „Whoa... you're a LESBIAN? How hot is that?”

Wrong Turn 2: Dead End Bild 1
Wrong Turn 2: Dead End Bild 2
Wrong Turn 2: Dead End Bild 3
Wrong Turn 2: Dead End Bild 4
Wrong Turn 2: Dead End Bild 5
Wrong Turn 2: Dead End Bild 6
FAZIT:

Das ist jetzt gar nicht mal so einfach. Gerade im Vergleich zum durchaus gelungenen ersten Teil, ist WRONG TURN 2 doch eher nicht so gut. Wir hätten da eine dämliche Handlung, uninteressante Figuren und die Atmosphäre eines Amateur-Wald und Wiesen-Splatters. Eigentlich keine gute Grundlage für einen unterhaltsamen Film. Wichtig ist daher die Frage, wie man an den Film herangeht. Als direkte Fortsetzung ist er eindeutig nicht zu gebrauchen, aber das will er auch gar nicht sein. WRONG TURN 2 ist dazu gedacht das Splatter-Publikum abzugreifen und aus der Grundidee der Geschichte ein Maximum an Blut und Titten rauszuholen. Klar wäre eine nette Medienkritik drin gewesen und mehr Tiefgang, aber darum geht’s doch letztlich gar nicht. WRONG TURN 2 ist eindeutig als Partyfilm konzipiert und das macht er ziemlich gut. Es gibt ein wenig gratuitous nudity, es gibt jede Menge Splatter und altbekannte Horrorklischees. Darüber hinaus entwickelt der Film seine ganz eigene (unfreiwillige) Komik und wenn man sich nur darauf einlässt, wird man knapp 93 Minuten doch ordentlich unterhalten.

WERTUNG: 6 von 10 Touristeneintöpfen.
Dein Kommentar >>
W.L. | 06.11.2016 15:21
Wahnsinn!
Wie man über einen Film,den die Welt nicht braucht,so viel schreiben kann.Meine Hochachtung.
>> antworten
jules | 06.10.2014 13:46
weils gar so oft vorkommt: lautet das gesuchte wort nicht eher "gratuitous"?
Johannes | 07.10.2014 13:23
Was wären wir von FILMTIPPS.at nur ohne unsere treuen Leser mit ihren Adleraugen. ;)
Wird schleunigst geändert.
jules | 07.10.2014 13:42
es ist das mindeste, das ich beitragen kann :)
>> antworten


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