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Yella

Yella

THRILLER/DRAMA/MYSTERY: D, 2007
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann

STORY:

Yella, eine Frau Anfang 30, kehrt ihrem ostdeutschen Heimatort den Rücken, um einen neuen Job in Hannover anzutreten. Auf dem Weg zum Bahnhof lenkt ihr Ex-Mann Ben den Landrover von der Straße in einen Fluss. Yella kommt wieder zu sich und setzt die Reise fort. In Hannover lernt sie den Risikokapital-Manager Phillip kennen, der hauptsächlich in die eigene Tasche arbeitet. Phillip stellt Yella als seine Assistentin ein. Und plötzlich merkt Yella, dass da etwas nicht stimmt ...

KRITIK:

Nach dem allseits gefeierten RAF-Drama Die Innere Sicherheit (2001) und der Drifter-Geschichte Gespenster (2005) bringt der deutsche Regisseur Christian Petzold mit dem Mystery-Thriller Yella seine "Trilogie der Gespenster" zu einem würdigen Ende.

Wobei der Begriff Mystery-Thriller diesen Film nur sehr unzureichend beschreibt. Treffender wäre "kapitalismuskritische Geistergeschichte". Petzold stellt die Unheimlichkeit des deregulierten Kapitalismus, wo absurde Summen wie von Geisterhand auftauchen und wieder verschwinden, wo ganze Städte aussterben und Menschen auf der Strecke bleiben, der Unheimlichkeit des Geisterfilms entgegen: Mitten in einer Besprechung hört Yella Krähenschreie, kommt ihr das Gehör abhanden, sie selbst scheint unsichtbar zu werden...

Auf dem Fantasy-Filmfest wird Yella trotzdem nicht laufen, dafür ist er wohl zu "arty", zu "unspektakulär", zu sehr deutscher Autorenfilm. Doch ist jetzt aber keineswegs abwertend gemeint. Christian Petzold ist ein unglaublich präziser Beobachter, der die Detailversessenheit eines Hitchcock mit dem Sinn für atmosphärischen Dichte eines Gus van Sant kombiniert. Und wenn wir schon gewichtige Vergleiche bemühen: Das Story-Gerüst ist dem fantastischen Horror-Klassiker Carnival of Souls (1962) entlehnt.

Hier lässt der Regisseur seine Hauptdarsteller als eine Art Bonnie und Clyde des Raubtierkapitalismus durch ein seltsam surreal wirkendes Deutschland ziehen, das nur aus sterilen Büros und gesichtslosen Hotelzimmern zu bestehen scheint. Petzold bringt das Kunststück zuwege, den Film artifiziell und dokumentarisch zugleich wirken zu lassen.

Maßgeblichen Anteil daran hat die exzellente Kameraarbeit, die das Geschehen zwischen Leben, Traum und Tod in glasklaren - beinahe hätte ich gesagt: gespenstisch schönen - Bildern einfängt.

Aber seht selbst - ihr werdet es nicht bereuen. Wenn selbst der gestrenge Falter von einem "klassischen Meisterwerk" spricht und Vergleiche mit Hitchcock zieht, kann der Film so schlecht nicht sein...

Yella Bild 1
Yella Bild 2
Yella Bild 3
FAZIT:

Christian Petzold erzählt vom Kapitalismus als Geistergeschichte: Unheimlich, spannend, morbide. Ein höchst ungewöhnliches und überzeugendes Stück deutsches (Autoren)-Kino, für das man allerdings die nötige Geduld und einen Sinn für atmosphärische Bilder mitbringen muss.

WERTUNG: 8 von 10 Geldscheinen
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