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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Barbie

Barbie

SATIRE: USA, 2023
Regie: Greta Gerwig
Darsteller: Margot Robbie, Ryan Gosling, Kate McKinnon, Hari Nef, John Cena, Will Ferrell

STORY:

Raus aus Barbieland, hinein in die richtige Welt, und wieder zurück nach Barbieland, mit der Chefetage von Mattel auf Rollschuhen im Schlepptau. Es gilt die Machtübernahme der Kens zu verhindern. Viel Stress für die berühmteste Puppe der Welt, die eben erst ihrer Körperlichkeit und Sterblichkeit gewahr wurde.

KRITIK:

Ich hab mir eh sehr, sehr lange Zeit gelassen. Jede Faser meines Körpers hat sich dagegen gesträubt, einen Film über eine Spielzeugpuppe anzusehen. Aber irgendwann gibt man(n) seinen hinhaltenden Widerstand auf: Der gigantische Hype bringt es mit sich, dass irgendwann auch der miesepetrigste Spiele-Hasser und Spaßbremserich - also meine Wenigkeit - sich, angefixt von einer schieren Überzahl an ausgezeichneten Kritiken und Erlebnisberichten - eine rosa Kappe aufsetzt und den Weg ins Kino antritt.

Und siehe dar: So schlecht war der Film gar nicht. Genau genommen war er sogar ziemlich gut: Leichtfüßig und unterhaltsam. Nahezu perfekt gespielt. Unglaubliches Set-Design, so aufwendig wie augenkrebserzeugend. Margot Robbie liebe ich ja sowieso für alles, was sie tut, und den Goslinger natürlich auch. Und wer da sonst noch aller mitwirkt: Kate McKinnon, Hari Nef (wer noch nicht kennt: ASSASSINATION NATION, was für ein arger Film), Dua Lipa und und und. Es gibt neue Songs von Billie Eilish und Nicki Minaj, und der Goslinger darf auch mal singen. Tanzen kann er sowieso, das wissen wir ja noch von LA LA LAND.

Der Film macht Spaß, no na, muss er auch, als grellbunte, satirische Komödie über Feminismus und Geschlechterkampf. Er liegt natürlich im Trend: Gefühlt jeder zweite Zeitungsartikel, jede Fernseh-Talkshow, ja sogar jeder zweite Werbespot handelt heute davon, wie schwierig es ist, eine Frau zu sein. Meine Meinung als Mann dazu ist natürlich irrelevant. Aber lest selbst - der Motivations-Monolog aus BARBIE in voller Länge:

"It is literally impossible to be a woman. You are so beautiful, and so smart, and it kills me that you don't think you're good enough. Like, we have to always be extraordinary, but somehow we're always doing it wrong. You have to be thin, but not too thin. And you can never say you want to be thin. You have to say you want to be healthy, but also you have to be thin. You have to have money, but you can't ask for money because that's crass. You have to be a boss, but you can't be mean. You have to lead, but you can't squash other people's ideas. You're supposed to love being a mother, but don't talk about your kids all the damn time. You have to be a career woman but also always be looking out for other people. You have to answer for men's bad behavior, which is insane, but if you point that out, you're accused of complaining. You're supposed to stay pretty for men, but not so pretty that you tempt them too much or that you threaten other women because you're supposed to be a part of the sisterhood. But always stand out and always be grateful. But never forget that the system is rigged. So find a way to acknowledge that but also always be grateful. You have to never get old, never be rude, never show off, never be selfish, never fall down, never fail, never show fear, never get out of line. It's too hard! It's too contradictory and nobody gives you a medal or says thank you! And it turns out in fact that not only are you doing everything wrong, but also everything is your fault. I'm just so tired of watching myself and every single other woman tie herself into knots so that people will like us. And if all of that is also true for a doll just representing women, then I don't even know."

Man ahnt vielleicht: Es wird viel gesprochen in diesem Film, deutlich zu viel für meinen Geschmack, so dass sich doch gewisse Ermüdungs- und Genervtheitserscheinungen einstellen. Too much von allem, das EVERYTHING/EVERYWHERE-Syndrom, mit deutlich leichterem Verlauf zum Glück. Weil: Gelindert durch die zahlreichen Musik- und Tanzeinlagen. Und Hommagen an Gott (also Stanley Kubrick) und die Welt.

Das Schöne dabei: Auch ohne Filmnerd-Wissen und Beschlagenheit in Feminismus-Diskursen funktioniert der Film, auf einer ganz simplen Unterhaltungsebene. Soll heißen: Er dürfte auch Menschen gefallen, die das Wort Patriarchat noch nie gehört haben. Wenn ein paar davon diesen Begriff zum ersten Mal googlen, hat der Film vielleicht auch etwas erreicht. Und Greta Gerwig ist eine Gute, ich gönne ihr den Erfolg, egal, welche brachiale Marketingmaschinerie auch dahintersteckt.

Barbie Bild 1
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FAZIT:

Wie viel rosa geht in einen Film? Kenough.

WERTUNG: 7 von 10 Mojo Dojo Casa Houses
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