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Das Volk der schwarzen Zelte

Das Volk der schwarzen Zelte

OT: Grass: A Nation's Battle for Life
DOKUMENTARFILM: USA, 1925
Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack
Darsteller: -

STORY:

1924 begleiten die KING KONG-Regisseure Schoedsack und Cooper zusammen mit Marguerite Harrison ein Nomadenvolk auf einer entbehrungsreichen Reise. Da ihr Land ausgetrocknet ist und ihre Herde nicht mehr ernähren kann, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in einem 48-tägigem Gewaltmarsch neues Grasland zu finden.

KRITIK:

Schoedsack und Cooper beginnen ihre Reise in Ankara als prachtvolle, nett anzusehende Dokumentation über die Geheimnisse des Morgenlands: sie beobachten eine Beduinenpolizei, man sieht Affen tanzen und Kinder spielen. Danach geht die Reise zu einer Karawanserei und von dort zum heutigen Iran zum Nomadenvolk der Bachtiaren.

Spätestens jetzt ändert sich die Stimmung im Film. Der nackte Überlebenswille zwingt 50.000 Menschen, ein ganzes Volk dazu, unvorstellbare Strapazen auf sich zu nehmen: Sie bauen Floße, die aus aufgeblasenen Ziegenhäuten bestehen, spannen ihr Hab und Gut, ihre Kinder, ihre Esel, Ziegen und Kälber auf sie und steuern sie über Stromschnellen auf das andere Ufer. Größere Tiere müssen selbst schwimmen. Sechs Tage lang. Immer und immer wieder. Nicht alle schaffen es bis zum anderen Ufer. Die, die es geschafft haben, haben die größte Herausforderung noch vor sich.

Eine 4.200 Meter hohe Bergwand.

Dieser Berg, Zardeh Kuh, ist unbezwingbar. Dennoch versuchen sie es, sie schaufeln sich einen Pfad durch Schnee und Eis, kranke Tiere werden über die schneebedeckten Felswände getragen.

Und das alles barfuß.

Schoedsack und Cooper setzten sich sämtlichen Gefahren aus, um grandiose Einstellungen zu finden. Der Erfolg von GRASS gab ihnen nicht nur recht, sondern öffnete die Tür für weitere Dokumentationen, bis sie ihr Abenteuerleben an den Nagel hängten und fortan im Studio die Welten künstlich erschufen, die sie zuvor in Wirklichkeit gesehen haben. Und sie verfilmten ihre eigene Geschichte, denn in KING KONG ist es ein Filmteam, dass exotische Welten filmt. Pikante Note am Rande: ihre weibliche Begleitung, Miss Harrison, war eine Spionin, und sie hat sicher eigene Ziele im Nahen Osten verfolgt.

Der Film ist seit 1997 in das National Film Registry aufgenommen, und ihn im Rahmen der Bonner Stummfilmtage auf großer Leinwand zu erleben, während über mir die Sterne funkelten, war ein einmaliges Erlebnis. Einmalig auch deshalb, weil die intensive, geniale musikalische Live-Begleitung von Neil Brand (Piano) und Günter Buchwald (Violine) nicht reproduzierbar ist.

Das Volk der schwarzen Zelte Bild 1
Das Volk der schwarzen Zelte Bild 2
Das Volk der schwarzen Zelte Bild 3
Das Volk der schwarzen Zelte Bild 4
FAZIT:

Die Bilder, die GRASS zeigt, und die Geschichte, die er damit erzählt, sind so überwältigend, dass ich sprachlos war und mich nach dem Film erst mal sammeln musste. Gegen die Urgewalt dieser Filmaufnahmen sind sämtliche heutige Pixelschlachten schlicht und einfach Kinderkram.

WERTUNG: 9 von 10 tausend Hoffnungen auf ein Weiterleben
TEXT © Marcel
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