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Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen

Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen

OT: Di Renji - Detective Dee and the Mystery of the Phantom Flame
FANTASY/MARTIAL ARTS: CHINA/HK, 2010
Regie: Tsui Hark
Darsteller: Andy Lau, Carina Lau, Li Bing Bing, Ka Ling

STORY:

Im Jahr 690 steht Wu Zetian kurz vor der Krönung zur ersten Kaiserin Chinas. Zu diesem bedeutsamen Ereignis soll auch der Bau einer über 200 Meter großen Buddha-Statue abgeschlossen werden. Doch dann geht der Bauleiter unter höchstmysteriösen Umständen plötzlich in Flammen auf und er bleibt nicht das einzige Opfer einer spontanen Selbstentzündung. Die Herrscherin vermutet hinter den bizarren Todesfällen eine gegen sie gerichtete Verschwörung und begnadigt den genialen Detektiv und Martial Arts-Meister Di Renji, der derweil wegen eines politischen Vergehens im Gefängnis schmort. Nur diesem klugen Kopf traut Wu Zetian die Aufklärung dieser knifflig-finsteren Mordserie zu; und damit es nicht langweilig wird, bekommt Di Renji noch ein Ultimatum gestellt. Bis zur Fertigstellung der Buddha-Statue muss das Geheimnis der Phantomflammen gelüftet sein. Tatsächlich stößt Di Renji bei seinen Ermittlungen auf konspirative Kräfte. Und er findet heraus, dass er niemandem trauen kann. Ja, selbst seiner kaiserlichen Auftraggeberin nicht ...

KRITIK:

Die Hongkong-Legende Tsui Hark gibt sich wieder die Ehre. Und zwar gemäß der Frankfurter Allgemeinen mit "einem der tollsten Abenteuerfilme seit INDIANA JONES". An Letzteren habe ich zwar nicht denken müssen, als ich mir Tsui Harks neuesten Streich zu Gemüte führte, aber das liegt wohl wie so oft im Auge des Betrachters.

Unbestritten allerdings, dass DETECTIVE DEE UND DAS GEHEIMNIS DER PHANTOMFLAMMEN ein abenteuerlicher Genremix und tatsächlich ein toller Film ist.

Er führt uns zurück in eine frühe chinesische Dynastie, zurück ins siebte Jahrhundert. Dieses frühgeschichtliche Setting wird bei DETECTIVE DEE geschickt dezent mit mythischen und phantastischen Elementen wie sprechenden Hirschen, Gestaltwandlern und finsteren chimärenhaften Gegnern erweitert. Kämpfer, die im lockeren Dreisprung mal eben in schönster CHINESE GHOST STORY- Manier ein ganzes Waldstück überqueren, scheuchen zwar hier und dort ein paar Eichhörnchen aus den Baumwipfeln; aber auch das geschieht nur sehr sehr dosiert.

Überhaupt scheint Tsui Hark möglichst viele Genrespielereien in seinem neuesten Opus unterbringen zu wollen, doch er möchte es mit keiner auf die Spitze treiben. Eine Vorgehensweise, die aus DETECTIVE DEE UND DAS GEHEIMNIS DER PHANTOMFLAMMEN einen flotten Hybriden aus Martial Arts, Krimirätsel, Fantasy und asiatischem Popcorn-Kino macht, welcher in seinen knapp zwei Stunden zumeist die richtige Mischung findet.

So geben die Feuermorde nicht nur schwarzmagische, sondern mitunter höchst irdische Rätsel auf. Die werden nicht nur das detektivische Geschick der Titelfigur in Anspruch nehmen, sondern auch die Whodunitfans im Publikum erfreuen.

Doch mindestens genauso häufig wie seine grauen Zellen muss DETECTIVE DEE seine Kampfkunst einsetzen. Denn Tsui Hark weiß natürlich ganz genau, was seine langjährigen Fans von ihm erwarten. Bei einem reinen historischen Krimi wären die wahrscheinlich not amused. Da muss schon ein bisschen mehr auf die Leinwand. Groteske Frisuren und Kopfbedeckungen. Martial Arts. Fantasy-Action. Schwindeligmachende Ausweichmannöver im Pfeil- und Speerhagel. Dämonische Wesen. Vermummte Assassinen. Keine Bange, Freunde! Euer Onkel Tsui hat an all das gedacht!

Gedacht habe ich - Ich erwähnte es eingangs schon - bei DETECTIVE DEE UND DAS GEHEIMNIS DER PHANTOMFLAMMEN weniger an George Lucas’ berühmten Archäologen. Manchmal aber an das große Kino Kollosal der Sechziger. Die gigantische Buddha-Statue, die letztendlich über Wohl und Wehe eines Reiches entscheidet, hat mich an Leones KOLOSS VON RHODOS erinnert. Ein anderes Set, nämlich der bizarre "Nachtmarkt", wiederum an die unterirdischen Friedhofswelten aus Clive Barkers CABAL.

Mit seinen vielen prächtig-grotesken Kostümen und Kulissen hält DETECTIVE DEE einige optische Leckerbissen (und Nachtmahre) bereit. Sie laden geradezu ein, den Film mehrmals zu sehen, da man nach einmaliger Sicht unmöglich alle Details erfassen kann.

Ach ja, die Zeiten, in denen Tsui Harks Akteure und Stuntmen an Fäden durch die Lüfte wirbeln und seine Kulissen handgemacht sind, sind wohl passé. Der Fluch- und Segen des Fortschritts, dieser Januskopf mit dem Namen CGI hat natürlich längst auch Hongkong erobert. Was sich aber seit den Heydays des Hongkong-Kinos nicht geändert hat, ist, dass sich Story und Logik im Zweifelsfall der Action und Rasanz unterzuordnen haben. Aber mit diesem Makel kann man leben, wenn Kino noch Kino ist - so wie hier bei Tsui Hark.

Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 1
Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 2
Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 3
Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 4
Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 5
Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen Bild 6
FAZIT:

Nicht ganz so märchenhaft berauschend wie die magische A CHINESE GHOST STORY-Trilogie, sondern etwas bodenständiger. Dennoch großes mythisches, actionlastiges und vor allem phantastisches Kino von Hongkongs Altmeister Tsui Hark!

WERTUNG: 8 von 10 laut vorgelesene Autopsieberichte
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Andreas | 01.06.2011 08:16
Ach, Chris. Wegen Deinem Review hab ich nun ne DVD, die mich zwar nur 9,99 gekostet hat, aber ich wohl bei nächster Gelegenheit entsorgen werde.

Im großen und ganzen fühlt man sich in die 80er versetzt, an dem in Folge des Indiana Jones Erfolgs hunderte von billigen Abenteurerfilme gedreht wurden. Dies ist so einer, nur hat er halt noch zusätzlich das Manko von viel zuviel sinnloser Computergrafik.

Die Spannung hält sich in Grenzen und im Gegensatz zu Dir fühlte ich mich an den neuesten Fluch der Karibik erinnert: Viel Effekte, aber Story und Charaktere ohne Herz. Was am schlimmsten ist, sind die Dialoge. (Vielleicht lag es an der deutschen Übersetzung?)

Wie auch immer: Die Kampfhirschszene ist der Brüller, die entschädigt für so vieles.

5 von 10 fliegenden Hirschen
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