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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE

Special: Fischmarkt

Too Risky A Day For A Regatta oder Fischmarkt bei FILMTIPPS.AT

Teil 1: Vorspeise

Im Fischrestaurant des Grauens

Fisch ist gesund. In einer idealen Kombination enthält er nicht nur wertvolle Fettsäuren und Eiweiß, sondern auch Vitamin D, Mineralstoffe und vor allem das wichtige Spurenelement Jod. Deshalb empfehlen Ernährungsberater, dass der Mensch zumindest einmal pro Woche ein Fischgericht auf dem Speiseplan hat.

Hai
FILMTIPPS wünscht Guten Appetit!

Da für FILMTIPPS.at gesundheitsbewusste Leute schreiben, haben wir uns zur Eröffnung eines abseitigen Fischrestaurants entschlossen, wo wir euch mit einigen auserlesenen und handgefangenen Fischtipps- und warnungen versorgen wollen. Der Natur unserer Seite entsprechend geschieht dies natürlich in einem rein filmischen Sinne. Aber was für die Ernährung des Menschen gut ist, kann für sein Heimkino nicht schlecht sein. Und wie wir wissen ist einmal Fisch pro Woche gesund.

Obwohl … Der Fisch im Horrorfilm ist ja weniger erquickend für den Menschen. Er ist meist genmanipuliert, von gigantischem Wuchs, hat scharfe Zähne und immer Hunger. Auf Schwimmer, Surfer, Wasserskifahrer und Bootsbesatzungen. Manchmal sogar auf Flugzeuge, Bohrinseln und Golden Gate Brücken. Wird euch langsam unwohl? Muss es nicht. Denkt immer an die wertvollen Fettsäuren, das Eiweiß und an die wichtigen Spurenelemente. Und daran, dass euch nur auf dem Meer niemand schreien hört…

Doch genug der einleitenden Worte. Schlagen wir die (Film-)Menükarte unseres abseitigen Fischrestaurants auf und kommen zur

Vorspeise

Im Jahr 1975 hat Steven Spielbergs JAWS (Der Weiße Hai) nicht nur in unvergleichlicher Art und Weise die Urängste des Menschen vor Wasser und scharfen Zähnen geschürt, sondern hat auch an der Kinokasse Gewinne in damals nicht gekannter Höhe eingefahren. Was Wunder, dass der in den Siebziger Jahren ohnehin höchst populäre "Nature vs. Men"-Flick sich in der Folgezeit zunehmend in maritimes Terrain begeben hat. Das Publikum forderte mehr Killerfische und die B- bis Z-Filmschmieden sahen die Zeichen der Zeit in Form eines Dollarsymbols.

Operation: Rasierzähne

Der als "King of B-Movies" betitelte Filmproduzent Roger "How I made a hundred movies in Hollywood and never lost a dime" Corman leistete seinen Beitrag zum Fischhorrorgenre, in dem er seinen Musterschüler Joe Dante (später auch Rektor der ROCK’N’ROLL HIGHSCHOOL, Vater der GREMLINS, der SMALL SOLDIERS und des famosen ersten HOWLING) ins Feld schickte. Der wurde nämlich mit der "Operation: Rasierzähne" vertraut und durfte das Habitat gefräßiger Piranhas in die an sich ruhigen beschaulichen Gewässer idyllischer nordamerikanischer Flüsse verlegen.

Zu sehen ist das Ganze in PIRANHA (Piranhas, USA 1978); einen Film, der beim gestrengen Teil der Online-Filmdatenbanken ein bisschen in Ungnade gefallen ist. Unverdientermaßen, wie ich meine, auch wenn man sich über zwei Punkte wirklich nicht streiten kann.
Unbestrittener Punkt 1: PIRANHA ist ein Rip-Off von JAWS und wahrscheinlich auch stolz darauf!
Unbestrittener Punkt 2: Natürlich zieht PIRANHA gegenüber dem einzig legitimen König der Weltmeere, dem ersten WEISSEN HAI, klar den Kürzeren.

Gentechnik, nein Danke!

Beides bedeutet aber nicht, dass PIRANHA den geneigten Freund blutiger Fischkost nicht zu unterhalten wüsste. Dantes feiner ironischer Ton, der mal mehr, mal weniger deutlich all seinen Horrorfilmen zu eigen ist, zieht sich auch hier wie ein roter Faden durch den ganzen Film. Und ansonsten müssen wir auf keine der Zutaten verzichten, die guten B-Horror-Schund ausmachen: Fehlgeschlagene Militärexperimente, genmanipulierte Piranhas und ignorante Entscheidungsträger, die sich weigern das lustige Wettschwimmen im Kinderferienlager oder die unter dem Motto "Badespaß" stehende Eröffnung eines Urlaubs- und Erholungsresorts abzusagen. Und das obwohl sie sich der Möglichkeit durchaus bewusst sind, dass in ihrem idyllischen Flüsschen mittlerweile mehr und gefräßigere Piranhas als im ganzen Amazonasbecken schwärmen…

Hai
Badespaß a la Amazonasbecken

Dazu kommen zwei liebenswerte Hauptfiguren wie die tollpatschige Privatdetektivin und der knatschige Aussteiger, der das Rauchen nur aufgegeben hat, weil es ihm beim Trinken störte und der nun völlig selbstlos sein Eremitendasein in der einsamen Blockhütte hinter sich lässt, um die Natur am heimeligen Fluss wieder ins Gleichgewicht zu bringen. In einer Nebenrolle sehen wir übrigens die (allerdings deutlich gealterte) Gothic Horrorfilmikone Barbara Steele.

Apropos: Heimeliger Fluss; der verfärbt sich in den 89 Minuten des Öfteren rot, was PIRANHA zum perfekten Appetitanreger für ein Mehrgänge-Fischhorrormenü im Heimkino macht. Im eigens für diesen Blog themengerecht gestalteten Bewertungssystem (1 Punkt = Fischstäbchen, über 5 Punkte = bissiger Wels, bis 10 Punkte= Megalodon) bekommt PIRANHA den Rang eines aggressiven… Piranha! Soll heißen, dass wir hier einen respektablen, augenzwinkernden Klassiker des Fischhorrorozeans auf dem Teller haben, der definitiv mehr wert ist als es ihm die OFDB zugestehen will.

Fischstäbchen in 3D

Übrigens hat der Franzose Alexandre (HIGH TENSION) Aja, der im Auftrag Hollywoods schon THE HILLS HAVE EYES (mehr) und MIRRORS (weniger) erfolgreich neu verfilmen durfte, gerade das Remake abgedreht. Das kommt natürlich in 3D und mit viel CGI, welches im richtigen Film hoffentlich weniger lächerlich als beim Trailer wirkt.

Und so schnell kann’s gehen: Da hat man gestern noch droben an der Spitze der Nahrungskette in der Mittagspause ganz gemütlich eine Büchse Heringsfilets verdrückt und heute schon findet man sich im südlichsten Teil der Nahrungskette wieder… - und droht selbst das Mittagessen zu werden. Ein solch garstiges Schicksal winkt nämlich in FRANKENFISH (USA 2004) einigen Sumpfbewohnern im Louisiana Bayou als mutierte Snakeheads ins friedliche Hausbootleben platzen.

Frankenstein am Fischmarkt

Ohne Zweifel ist FRANKENFISH ein waschechtes B-Movie, aber es ist längst nicht so billig gemacht wie man argwöhnen könnte und auch viel besser als man erwarten durfte. Das Rad des Tierhorrorgenres wird zwar auch hier nicht neu erfunden und inhaltlich wird kaum einem Klischee ausgewichen, aber dank der flotten, action- und splatterorientierten Inszenierung von Regisseur Mark A.Z. Dippé ist der Film eine sichere Bank für Fans gefräßiger Mörderfische. Zwar wird das Sumpfhorroridyll ab und an von ein paar plumper getricksten CGI-Einlagen gestört, aber insgesamt war ich von der hier angewandten Tricktechnik doch recht positiv überrascht.

Frankenfish
Frank, der Fisch

FRANKENFISH kann mit einigen gelungenen Monsterfisch-Animationen und furios in Szene gesetzten Attacken aufwarten. Für eine FSK 16-Freigabe lassen es die Snakeheads ganz schön spratzeln, wenn sie Köpfe und Unterleiber abbeißen oder mal einen Mann in Geschnetzeltes verwandeln, indem sie ihn ungalant in den großen ventilatorenähnlichen Motor eines Sumpfboots schleudern. Außerdem bringt die Snakehead-Offensive in den Bayous viele unappetitliche Nahaufnahmen von übel zugerichteten Leichen mit sich. FRANKENFISH ist vielleicht keine Delikatesse, doch auf alle Fälle eine schmackhafte Zwischenmahlzeit für Fischfreunde.
PS: Regisseur Dippé ist übrigens Tierfreund geblieben und inszeniert seit kurzem einen GARFIELD-Film nach dem anderen.

So, dies waren für den Anfang zwei Vorspeisen aus unserer Fischkarte, die einem nicht sofort den Appetit verhageln. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass sich gerade im Meereshorrorgenre (und dort vor allem auf dem Gebiet der Monsterhaie und Riesenkraken) ein Qualitätsgefälle auftut, welches im negativen Bereich bis hinunter auf den Grund des Marianengrabens reicht.

Der tausendarmige Höllenquastenflosser

Das relativ einfach und kostengünstig anzuwendende CGI ließ sie wie Giftschwämme aus dem Meeresgrund schießen: Sie, die unsäglichen meist Direct-to-TV-produzierten unterirdisch schlechten Monsterfilme mit ihren Legionen an schaurig trashig animierten Unterwassermonstern. Hier bewegen wir uns dann ganz eindeutig in Gefilden, wo dem Unsinn wahrlich keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Da schwimmen munter weiße Haie (!) in den Kanälen von Venedig (!!) oder Ralf Möller muss Jürgen Drews und sein Mallorca vor einem ausgewachsenen prähistorischen Megalodon erretten oder der tausendarmige Höllenquastenflosser misst sich im Zweikampf auf Leben und Tod mit dem Gigantensilberfisch.

Hai
Megastark, der Megashark

Stellvertretend für diese die Trashschmerzfreiheit ihres Publikums auf harte Proben stellende Streifen wollen wir euch zunächst MEGA SHARK VERSUS GIANT OCTOPUS (USA 2009) vorstellen.

Die Produktionsfirma "The Asylum" (einen trefflicheren Firmennamen hätte man sich wahrlich nicht zulegen können…) ist ja spezialisiert auf Rip-Offs aller Art und hat neuerdings den blödsinnigen Monsterfilm für sich entdeckt. Hier schicken sie - der Titel sagt es ja schon - zwei Seeungeheuer im XXL-Format in den Zweikampf. MEGA SHARK VERSUS GIANT OCTOPUS - Keine Frage: Kontrahenten dieser Masse lassen Duelle wie FREDDY VS. JASON wie Kindergeburtstag vs. Seidenmalereikurs aussehen. Die Apokalypse wohnt in einem Asylum; nur hier kracht es amtlich!

Und well, vor ihrem direkten Aufeinandertreffen lassen Hai und Krake ganz ordentlich die überdimensionalen Schnörkelpapierschuppen und Saugnäpfe spielen. Der eine macht mal einen Satz aus dem Wasser, überwindet kurzerhand einige hundert Meter vertikaler Luftlinie und holt ein arglos in den Wolken vor sich hin fliegendes Passagierflugzeug (samt unserem Goreziegenpeter) vom Himmel. Der andere funktioniert seine Tentakel zu gigantischen Fliegenklatschen um und lässt Kampfjets das Schicksal von lästigen Stubenfliegen erleiden. Und wenn der Hai kurz darauf die Golden Gate-Bridge in zwei Teile beißt, weiß man, dass der Film an sich kein Fischstäbchen wert ist, aber ein Megalodon an Wahn- und Schwachsinn darstellt. Ganz großer Fischtrash!

Hai
Lorenzo Lamas wie wir ihn kannten ...

Die über Dreißigjährigen, die noch das rückständige Zeitalter der lediglich drei Fernsehprogramme am eigenen Leib erleben mussten, werden Lorenzo Lamas noch aus der Vorabendserie FALCON CREST kennen, wo er - wenn mich die Erinnerung nicht trüg t- einen intriganten Schleimer namens -kein Witz!- Lance Cumson gespielt hat. Nach schier unzählbaren Actionfilmen in den 80ern und 90ern mit solch bezeichnenden Titeln wie GLADIATOR COP hat der gute Mann mit dem Zopf offenbar endgültig den Bodensatz seiner Karriere erreicht.

Jedenfalls ist Lamas der prominenteste Namen in der Riege der Knallchargen, die hier die meiste Zeit nichts anderes tun als in irgendwelchen Kommandozentralen zu sitzen, wo sie angestrengt, bedeutungsschwanger, besorgt, resignierend oder panisch auf Bild- und Radarschirme schauen, Befehle bellen oder entgegennehmen. Um sie herum wird dann ein Feuerwerk der schlechten Tricks abgebrannt, die auch die lächerlichsten Szenarien eines Ozeanarmageddons mit heiligem Bierernst durchspielen. In Kombination mit grausamen "Kontakt in VIER! DREI! ZWEI! EINS!" und "Ich kenne diese Gewässer!" - "Woher?"- "Ich hab hier mal mit ein paar Walen abgehangen!"-Dialogen wird sich der unbedarfte Zuschauer bald vor Schmerzen krümmen.

Hai
... und als Bildschirm-Schoner in den Kommandozentralen des Grauens

Wenn man aber mit dem richtigen Bierpegel an den Film geht, bekommen Filmzitate wie "Gerade wenn man denkt, es gäbe keine Logik oder Vorsehung, dann passiert so was!" etwas Unsterbliches. Ihr seid also gewarnt; zumal unsere blonde unerschrockene Tiefseeforscherin in der Schlussszene am Sandstrand schon das nächste, druckfrisch aus dem Asylum kommende Drehbuch mit irgendeinem schwachfugigen Seemannsgarn in die Hand gedrückt bekommt…

Aber das ist eine andere Geschichte, von der wir euch - vorausgesetzt ihr mögt Fisch - gerne ein anderes Mal berichten werden.
Geht aber jetzt erstmal vor die Tür, raucht eine Verdauungszigarette und ich hoffe, wir sehen uns dann wieder, wenn in unserem abseitigen Fischrestaurant der Hauptgang aufgetischt wird.

TEXT © Christian Ade


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