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Across the River

Across the River

OT: Oltre il guado
HORROR: Italien, 2013
Regie: Lorenzo Bianchini
Darsteller: Marco Marchese, Renzo Gariup, Lidia Zabrieszach

STORY:

Der Naturforscher Marco Contrada (Marco Marchese) beobachtet das Wild in den friaulischen Wäldern nahe der italienischen Grenze zu Slowenien. Marco versieht einen Fuchs mit einem Peilsender. Dieser führt ihn über einen Fluss zu einem verlassenem Dorf. Der anhaltende Regen verwandelt den kleinen Fluss in ein reißendes Gewässer. Marco sitzt mit seinem Wohnmobil im Geisterdorf fest. Dort häufen sich die Hinweise, dass er nicht ganz alleine ist...

KRITIK:

Es tut sich etwas im Stiefelland! Nachdem das ursprünglich rein italienische Genre des Giallo in den letzten Jahren mit Filmen wie AMER (2009) oder MASKS (2011) im europäischen Ausland eine Wiederbelebung erfährt, kam mit Federico Zampagliones solidem Giallo TULPA (2012) endlich auch wieder ein beachtenswerter Beitrag aus dem Heimatland der schwarzen Handschuh-Thriller. Neben solchen Retro-Beiträgen ist frischer italienischer Genre-Stoff abseits vom Mafiafilm (GOMORRHA, 2008) jedoch nach wie vor Mangelware. Jetzt kommt der italienische Regisseur und Drehbuchautor Lorenzo Bianchini und schafft mit ACROSS THE RIVER Abhilfe.

ACROSS THE RIVER ist jedoch kein Giallo, sondern ein Horrorfilm. Aber auch in diesem Genre haben die Italiener eine ganz eigene Handschrift entwickelt, setzten die großen Meister wie Mario Bava, Dario Argento und Lucio Fulci mehr auf eine kraftvolle Inszenierung und viel Atmosphäre, als auf die Geschichte an sich. So besticht auch ACROSS THE RIVER durch seine sehr dichte Atmosphäre, die vorrangig durch das ausgefeilte Sounddesign und durch die dezente, aber stimmungsvolle Musik entsteht. Der entwickelten Akustik des Films steht seine optische Kargheit gegenüber. Diese zeigt zum einen, dass ACROSS THE RIVER eine echte Low-Budget-Produktion ist. Zugleich unterstreicht diese bildliche Schlichtheit jedoch den starken Realismus des Films, der die Grundvoraussetzung dafür ist, dass Lorenzo Bianchinis Konzept tatsächlich aufgeht.

Das wichtigste visuelle Vorbild für ACROSS THE RIVER stammt jedoch aus den USA. Es sind Found-Footage-Filme im Geiste von THE BLAIR WITCH PROJECT (1999). Lorenzo Bianchini gelingt es, dass an sich bereits zu einer Modeerscheinung verkommene Konzept organisch in seinen Film einzubauen. Der Naturforscher Marco Contrada beobachtet bei Nacht von seinem Laptop im Wohnwagen aus, die Bilder und Geräusche, welche die von ihm installierten Nachtkameras und Mikrophone liefern. So haben die im Film auftauchenden schlecht aufgelösten Bilder einen nachvollziehbaren Zweck. Dank der zumeist statischen Anbringung der Kameras bleibt dem Betrachter die bei diesem Subgenre gefürchtete Wackelbildoptik erspart.

Im Gegensatz zu amerikanischen Vorbildern verzichtet Bianchini ganz auf grobe Schocks. Stattdessen funktioniert ACROSS THE RIVER über eine sich ganz langsam immer weiter verdichtende unheilvolle Stimmung, die dem Betrachter des Films das Fürchten lernt. Der Zuschauer wird hierbei selbst zu einem Beobachter, der Marco dabei verfolgt, wie dieser wiederum seine Beobachtungen anstellt, aus denen der größte Teil des Films besteht. ACROSS THE RIVER ist ein kleiner, aber feiner Film, der aus seinem bescheidenen Budget sehr viel herausholt. Der Regisseur hat hier aus der Not tatsächlich eine Tugend gemacht. Denn die beschränkten finanziellen Mittel werden immer dann schnell sehr deutlich, wenn auch der Film ein wenig deutlicher wird. Zum Glück passiert dies nur punktuell und sehr gezielt. Insgesamt ist ACROSS THE RIVER ein sehr erfreulicher neuer italienischer Genre-Beitrag und ein wirklich gelungenes Experiment.

Across the River Bild 1
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FAZIT:

ACROSS THE RIVER ist ein gelungener Horrorfilm aus Italien, der mit minimalen Mitteln viel erreicht. Der sehr atmosphärische Film verknüpft auf überzeugende Weise die reichhaltige italienische Genre-Tradition mit aktuellen Horrortrends aus Übersee.

WERTUNG: 7 von 10 verlassene Gebäude im Geisterdorf
TEXT © Gregor Torinus
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