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Alleluia

Alleluia

DRAMA/HORROR: B/F, 2014
Regie: Fabrice du Welz
Darsteller: Lola Dueñas, Laurent Lucas, Héléna Noguerra

STORY:

Michel, ein notorischer Womanizer, trifft die zurückhaltende Gloria, die ihr Geld als Leichenwäscherin verdient. Gloria verliebt sich sofort und ahnt auch nichts Böses, als sie Michel sie am nächsten Morgen um Geld anschnorrt. Was Gloria noch nicht weiß: Das ist Michels Geschäftsmodell: Liebe geben, Geld nehmen. Als Gloria eine von Michels "Sponsorinnen" aus Eifersucht erschlägt, wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt ...

KRITIK:

Letztes Jahr am /slash-Festival habe ich den neuen Film des belgischen Regie-Extremisten Fabrice du Welz (CALVAIRE, VINYAN) ja leider versäumt. Von vertrauenswürdigen Augenzeugen wurde Großartiges berichtet; vom möglicherweise eindrucksvollsten Film des gesamten Festivals war die Rede. Ich hätte mir in den Hintern beißen können, wie man bei uns im anal(sprach)fixierten Ösi-Land so schön sagt.

Aber manchmal braucht es einfach nur ein bisschen Geduld, die dieser Tage reich belohnt wird. Exakt ein Jahr später bringt nämlich das engagierte Pierrot le Fou gleich zwei neue Filme von Fabrice du Welz auf DVD heraus. Zum einen ALLELUIA, um den es hier geht, und zum Anderen den harten Cop-Thriller COLT 45, der wohl in den nächsten Tagen auf diesen Seiten gewürdigt werden wird. Also dranbleiben, liebe Leser.

Inhaltlich geht ALLELUIA als französischsprachige Variation von HONEYMOON KILLERS durch, jenem 70er-True Crime-Drama über die Verbrechen des Heiratsschwindlers Raymond Fernandez und seiner Geliebten Martha Beck, die in den 40er-Jahren mehrere Frauen aus Geldgier ermordet hatten. Fabrice du Welz verlegt die Geschichte des charismatischen Gigolos und seiner eifersüchtigen Partnerin von der staubigen Bratpfanne Texas in die nasskalte Einöde der belgischen Provinz.

ALLELUIA könnte auch CALVAIRE 2 heißen: Mit Laurent Lucas ist wieder der Hauptdarsteller von CALVAIRE an Bord, die Schauplätze sind die selben, die Atmosphäre ist sehr ähnlich, das Grundthema sowieso: Im Grunde ist ALLELUIA ein Liebesfilm. Ein bizarrer, psychosexueller, abgründiger, mörderischer Liebesfilm, ganz nach dem Motto "psychos need love too".

Ein Film dieser Art steht und fällt natürlich mit den Schauspielern. Laurent Lucas und Lola Dueñas (bekannt aus einigen Almodovar-Filmen) harmonieren prächtig als verwundete Seelenverwandte und teuflisches Liebespaar. Das Drehbuch nimmt sich die nötige Zeit, die Figuren einzuführen und mit der nötigen Tiefe auszustatten. Ihre sicke Liebe nimmt man ihnen ab. Die Irrationalität ihrer Taten, die - winziger Spoiler - unter anderem von einem heidnischen Kult motiviert sind, erinnert bisweilen an verstörende Psychothriller wie KILL LIST, wo der eh schon schwankende Boden der Tatsachen plötzlich durchbricht und einem das irrationale Grauen unvermittelt ins Gesicht fährt. Wo keine Worte, keine Erklärungen mehr greifen.

Auch filmisch ist ALLELUIA ein Gewaltakt: AMER-Kameramann Manu Dacosse verfolgt die Darsteller in extremen Close-Ups. Die räudigen, grobkörnigen 16mm-Bilder verstärken den Realismus, der dann erst recht mit dem nackten, schreienden, keuchenden, entgrenzten Wahnsinn kollidiert.

Alleluia Bild 1
Alleluia Bild 2
Alleluia Bild 3
Alleluia Bild 4
Alleluia Bild 5
FAZIT:

Psychosexueller Thriller, mörderische Romanze, abgründiges Liebesdrama - als "Genrefilm" ist ALLELUIA, der neue Film des belgischen Regie-Extremisten Fabrice du Welz (CALVAIRE) nur noch insofern zu bezeichnen, als dass er sämtliche Genregrenzen lustvoll sprengt. Für konservative Horrorfans wohl eher nix. Wer aber den Regisseur und seine Arbeiten schätzt, könnte hier möglicherweise sein bisheriges Meisterwerk entdecken.

ALLELUIA ist am 18.10.2015 bei Pierrot le Fou auf DVD und Blu-ray erschienen.

WERTUNG: 8/10
Dein Kommentar >>
Federico | 03.10.2015 09:28
Hui, den hab ich letztes Jahr ebenso verpasst, das wird fix nachgeholt. Die Kritik macht unglaublich Lust drauf, danke fürs Erinnern!
Bartel | 04.10.2015 01:38
Ein Halleluja auf Fabrice du Welz. CALVAIRE ist ein Meisterwerk und nicht der Backwood-Abklatsch den viele in ihn sehen.
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